Am 11. März verkündet das Hackingkollektiv Anonymous, dass es den Energiekonzern Rosneft Deutschland angegriffen und dabei 20 Terabyte Daten erbeutet habe. Rosneft ist ein staatlicher russischer Mineralölkonzern, der etwa diverse Bohr- und Förderanlagen und Erdölraffinierien betreibt. Der Angriff hat nun offenbar Folgen. Dabei ist nicht nur das Hackingkollektiv gegen Rosneft. Gestern protestierten Aktivist*innen von Greenpeace gegen das Unternehmen.

Anonymous: Angriff auf Rosneft mit Folgen

„Anonymous Aktivsten ist es gelungen, Zugriff auf die Server von Rosneft Deutschland zu erlangen und große Mengen an Daten abzugreifen“, heißt es auf der Webseite Anonleaks. Die Hacking-Gruppe sei dabei „tief in die Systeme von Rosneft Deutschland eingedrungen. So tief, dass man problemlos Backups von Laptops der Beschäftigten und Führungskräfte fand“. Außerdem sei es gelungen, 59 Apple-Endgeräte aus der Ferne zu löschen.

Offenbar stecken deutsche Anonymous-Aktivist*innen hinter der Attacke. Und dem Angriff der Hacking-Gruppe folgen jetzt Konsequenzen. SPIEGEL hat offenbar Informationen darüber, dass die Staatsanwaltschaft wegen des Hackingangriffs ein Verfahren eingeleitet und das Bundeskriminalamt (BKA) mit weiteren Ermittlungen beauftragt hat.

„Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist eingebunden und steht in Kontakt mit dem Unternehmen. Das BSI hat zudem eine entsprechende Cybersicherheitswarnung an andere Unternehmen und Organisationen der Mineralölwirtschaft herausgegeben, wie die Behörden dem SPIEGEL auf Anfrage mitteilte.“

SPIEGEL

Offenbar meldete Rosneft den Vorfall selbst dem BSI. Zu einer solchen Meldung sei es gesetzlich verpflichtet. Außerdem erstattete das Unternehmen Strafanzeige beim Berliner Landeskriminalamt.

Lage offenbar „sehr gefährlich“

Laut Informationen des SPIEGEL schätzen Sicherheitsbeamte die Hacking-Aktion von Anonymous als „sehr gefährlich“ ein. So sei der Angriff riskanter gewesen als die vorherigen Aktionen der Anonymous-Gruppe, die der russischen Regierung am 24. Februar 2022 den „Cyberkrieg“ erklärte.

Ein ranghoher Beamter erklärt gegenüber dem SPIEGEL, dass der Angriff auf Rosneft im schlimmsten Fall die Steuerungsfunktion zum Absturz bringen könne.

Rüdiger Trost vom Sicherheitsunternehmen F-Secure verweist ebenfalls auf die Gefahr des Hacking-Angriffs, da die Hacker*innen einem Land zugeordnet werden können:

„Die Hacker von Rosneft sehen sich als Teil des Anonymous-Kollektivs. Aber angeblich sind es Deutsche. Was, wenn Russland so etwas als Kriegsakt von Deutschland interpretiert?“, so der Sicherheitsexperte laut t-online. „Wir sehen mittlerweile die reale Gefahr eines weltweiten Cyber-Bürgerkriegs, den niemand mehr kontrollieren kann.“

Das sagt Anonymous

Ein Mitglied der Anonymous-Gruppe verrät dem SPIEGEL, dass das Kollektiv Rosneft angegriffen habe, weil das Konzern „im Zentrum von Putin und seinem engsten Zirkel“ stehe. Zudem sei das Unternehmen zentral für den Energielobbyismus in Deutschland und Europa.

„Deutschland und Europa haben sich in eine energiepolitische Abhängigkeit begeben zu einem Diktator und Kriegstreiber mit Schwurbelfantasien von einem großrussischen Reich.“

Anonymous-Mitglied gegenüber SPIEGEL

Dem SPIEGEL gegenüber betonen die Aktivist*innen, dass keine kritische Infrastruktur in Gefahr gewesen sei. Zudem seien keine Steuerungsfunktionen in Mitleidenschaft gezogen worden.

Nicht nur Anonymous gegen Rosneft

Am 15. März verkündet Greenpeace e.V. auf Twitter, dass Aktivist*innen an Raffinerie in Schwedt gegen Ölimporte aus Russland protestieren. Die Organisation schreibt: „Deutschland finanziert mit seiner fossilen Abhängigkeit Putins Krieg mit.“

Der Tagesspiegel berichtet, dass sich die Aktivist*innen unter anderem an Ölfässern festketteten, die sie vor dem Werkstor aufstellten. Zehn von ihnen ketteten sich an einem Bahngleis fest, das zur Raffinerie führt. Ein Banner mit der Parole „Peace no Oil“ sei ebenfalls dort aufgehängt worden. Die Polizei räumte beide Blockaden laut Tagesspiegel noch in den Mittagsstunden.

Quellen: Anonleaks, SPIEGEL, t-online, Twitter/Greenpeace e.V., Tagesspiegel

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