Veröffentlicht inNetzpolitik

Russland 21,5 Millionen mal attackiert: Anonymous und Co. ließen Putin 2022 keine Ruhe

Anonymous und vergleichbare Gruppierungen attackieren seit gut einem Jahr Stellen der russischen Regierung.

© pixarno - stock.adobe.com

Anonymous: Was steckt hinter dem berüchtigten Kollektiv?

"We are Anonymous. We are legion. We do not forgive. We do not forget. Expect us!”Unter diesem Motto steht nahezu jeder Auftritt des undurchsichtigen Kollektivs. Doch was genau steckt denn dahinter und sollte man Anonymous ernst nehmen?

Seit der Eskalation des russo-ukrainischen Konflikts im Februar 2022 haben sich Hackerinnen und Hacker aus aller Welt eingeklinkt, um Putins Kriegsbemühungen zu behindern. Im Rahmen ihrer Aktionen nahmen sie unter anderem offizielle Webseiten der russischen Regierung ins Visier und fluteten diese mit sogenannten DDoS (Distributed Denial of Service)-Attacken. Allein in Moskau gab es davon im vergangenen Jahr eine halbe Million. Viele davon werden dem weltweit agierenden Kollektiv Anonymous zugeschrieben.

Anonymous überlastet russische Industrie

Bei einer DDoS-Attacke wird eine Webseite oder Datenbank mit einer solchen Masse von Anfragen überflutet, dass die Server dieser schlicht nicht mehr standhalten. Das führt dazu, dass die Webseite für eben jene nicht mehr erreichbar ist, die sie zu ihrem eigentlichen Zweck nutzen wollen. Registriert werden Angriffe wie diese in Russland etwa durch das Telekommunikationsunternehmen Rostelecom.

In einem für das Jahr 2022 veröffentlichten Bericht erfasste der Konzern rund 21,5 Millionen solcher Attacken auf knapp 600 russische Organisationen verschiedener Industriezweige. Zu vielen davon bekannte sich Anonymous, doch mobilisierten auch andere hacktivistische Gruppierungen gegen die russische Industrie und Regierung.

„Moskau ist traditionell die Region, in der die meisten Angriffe stattfinden, da sich dort die meisten Unternehmen befinden“, so der Bericht. „Auf die Region entfielen mehr als 500.000 DDoS-Angriffe. Es folgen der Föderationskreis Ural (fast 100.000 Angriffe) und der Föderationskreis Mitte (knapp über 50.000 Vorfälle).“

Höhepunkt im Mai 2022

In der beigefügten Grafik lässt sich das Ausmaß der durch Anonymous, andere Gruppen und Einzelpersonen verübte Angriffe auf einer monatlichen Basis erkennen. Demnach ging es im März, also wenige Tage nach Beginn des heißen Kriegs in der Ukraine, mit knapp über 80.000 Cyberangriffen los.

Den Höhepunkt erreichten die Attacken offenbar im Mai 2022. Allein in diesem Monat verzeichnete Rostelecom fast 190.000 DDoS-Angriffe auf russische Organisationen und Regierungsstellen. Mit Ausnahme kleinerer Aufschwünge im Oktober und Dezember nahmen die Offensiven seitdem allerdings relativ stetig ab.

Abzuwarten bleibt, inwiefern Aktivistinnen und Aktivisten in diesem Jahr auf die Fortsetzung der russischen Kriegsbemühungen reagieren werden. Doch ist es nicht nur der russo-ukrainische Konflikt, der die Aufmerksamkeit der Gruppierungen auf sich zieht. Auch die Situation an der serbisch-kosovarischen Grenze behält Anonymous ganz genau im Blick.

Quellen: Bleeping Computer

Seit dem 24. Februar 2022 herrscht Krieg in der Ukraine. Hier kannst du den Betroffenen helfen.

Du willst mehr von uns lesen? Folge uns auf Google News.