Seit Jahren schon forschen Wissenschaftler:innen der NASA an alternativen Antrieben für ihre Raumfahrzeuge. Solarenergie spielt dabei die wohl wichtigste Rolle. Doch scheint die US-amerikanische Raumfahrtbehörde auch der Idee eines Nuklearantriebs nicht ganz abgeneigt zu sein. Über die Sinnhaftigkeit einer solchen „Atomrakete“ lässt sich durchaus streiten.

NASA: Politik unterstützt nuklearen Antrieb

Auf der Weltbühne finden sich schon heute einige Organisationen, die mit Kernkraftantrieben experimentieren. So ist neben der NASA mittlerweile auch die chinesische CNSA ein wichtiger Vorreiter in puncto Raumfahrttechnologien. Wollen die USA bei diesem Wettstreit mithalten, müssen neue Konzepte her, meint auch Bhavya Lal, leitende Beraterin der NASA für Haushalt und Finanzen.

„Strategische Konkurrenten, darunter China, investieren aggressiv in ein breites Spektrum von Raumfahrttechnologien, einschließlich Kernkraft und Antrieb. […] Die Vereinigten Staaten müssen ein hohes Tempo vorlegen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und eine führende Rolle in der globalen Raumfahrtgemeinschaft einzunehmen.“

Bhavya Lal

Wäre es den USA ernst mit ihren Plänen einer bemannten Mars-Mission, hätten sie keine Zeit zu verlieren, ergänzt Don Beyer. Der Ausschuss für Wissenschaft, Raumfahrt und Technologie des US-Repräsentantenhauses messe der Entwicklung eines nuklearen Antriebs hohe Priorität bei, so der Vorsitzende.

Wer soll die „Atomrakete“ bauen?

In den letzten Jahren habe der Ausschuss die Raumfahrtbehörde mit jährlich gut 100 Millionen US-Dollar unterstützt, „um die Fähigkeiten des thermischen Nuklearantriebs mit dem Ziel eines zukünftigen Flugtests im Weltraum zu verbessern“, zitiert UPI den Abgeordneten weiter. Doch wird sich die NASA tatsächlich selbst darum kümmern?

In der Vergangenheit kooperierte sie regelmäßig mit Unternehmen aus der Privatwirtschaft. Vor allem SpaceX spielte dabei häufig eine Rolle. Wie der The Next Web-Redakteur Tristan Greene aber ganz zu recht anmerkt, entspräche eine Zusammenarbeit in diesem Fall aber wohl nicht ganz dem öffentlichen Interesse.

Man stelle sich einmal vor, der umstrittene Unternehmer widme sich dem Bau eines Kernenergieantriebs. Zur Erinnerung: In der Vergangenheit verkaufte Musk mitunter ein tragbares Gerät, das Flammen aus einer Düse ausstößt, und bezeichnete es als „kein Flammenwerfer“. Würde dieser Mann die Verantwortung für „keine Atomrakete“ tragen, könnte es einem also durchaus mulmig werden.

Chancen und Risiken

Lässt man die alten Gefühle und das Misstrauen mal bei Seite, scheint Elon Musk allerdings keine allzu schlechte Wahl zu sein. Immerhin gibt es einen Grund dafür, dass die NASA mit SpaceX kooperiert. So haben die Kapseln und Raketen des Raumfahrtunternehmens in den vergangenen Jahren eine glanzvolle Entwicklung hingelegt. Auch in der Praxis stellten sie ihre Qualitäten schon des Öfteren unter Beweis.

„Die mit [dem Atomantrieb] verbundenen Risiken sind eine grundlegende Materialherausforderung, die unserer Meinung nach durchaus lösbar ist“, zitiert UPI zudem Roger M. Myers. Er ist Vorsitzender eines Ausschusses für Weltraum-Kernkraftwerke der National Academies of Sciences, Engineering and Medicine.

Quellen: UPI; The Next Web; eigene Recherche

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