In der Science Fiction ist die künstliche Intelligenz, oder KI, eine von Menschenhand geschaffene Maschine, die uns ersetzt. Sie ist weitaus intelligenter als der Mensch, weil die simulierten Denkprozesse das menschliche Hirn um ein vielfachtes überbieten. Die Realität sieht jedoch anders aus.

Künstliche Intelligenz ist bereits vorhanden

Schonmal vorweg: Künstliche Intelligenz ist nicht wirklich eine Intelligenz, wie wir sie uns als Menschen zuschreiben. Eher noch ist der Mensch dabei, Intelligenz durch Computersysteme zu simulieren.

Die KI soll uns komplexere Denkoperationen abnehmen, damit wir Zeit und Platz für ganz andere Dinge haben. Direkte Anwendungen (und Fähigkeiten) einer KI finden sich daher bereits in Sprach- und Übersetzerprogrammen, der Gesichtserkennung und dem maschinellen Sehen.

Durch eine schnelle Informationsverarbeitung soll uns die künstliche Intelligenz mittelfristig auch das Fahren abnehmen. Mit dem Horrorszenario einer uns völlig überlegenen Super-Intelligenz hat das jedoch wenig zu tun.

So funktioniert KI

Das menschliche Lernen ist ein komplexes Spiel von Neuverknüpfungen neuronaler Verbindungen im Gehirn. Eine Maschine muss anders lernen, soll sie zumindest den Anschein erwecken, intelligent zu sein.

Damit die künstliche Intelligenz lernt, muss sie eigens für diesen Prozess des Lernens entwickelte Algorithmen schreiben und trainieren. Die Maschine lernt, indem sie große Mengen an markierten Trainingsdaten wieder und wieder durchgeht.

Diese Daten analysiert die KI auf Muster und Korrelationen, mit denen sie zukünftige Zustände vorausschauen kann. Mit Hokuspokus hat das eher weniger zu tun: Der „erlernte“ Algorithmus berechnet über die Dauer nur immer mehr Szenarien, um immer mehr Rückschlüsse auf die eigene Handlung zu gewinnen.

Zum Beispiel lernen Chatbots eine natürliche Konversation zu führen, indem sie mit immer neuen potentiellen Textchat-Auszügen gespeist werden. Roboter lernen so über zehntausende Schritte geradeaus zu laufen und Bilderkennungsprogramme können dadurch immer mehr Objekte auf Bildern identifizieren.

Der Roboter Cassie nutzt maschinelles Lernen, um eigenständig laufen zu können.

Darauf kommt es an

Bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz kommt es den Wissenschaftler:innen auf gleich drei kognitive Fähigkeiten an, die für menschliche Intelligenz selbstverständlich sind:

  1. Lernen: Bei der Entwicklung von KI kommt es darauf an, Daten zu erfassen und durch diese Regeln aufzustellen. Die Daten müssen für die Maschine logische Rückschlüsse ergeben, aus denen sie lernen kann. Diese Regeln sind die programmierten Algorithmen, die eine Anleitung für Handlungsabläufe sind.
  2. Logik: Die in der Maschine implementierte künstliche Intelligenz muss die programmierten Algorithmen für logisch erachten.
  3. Korrektur: Genauer formuliert muss eine KI sich selbst korrigieren können, sobald sie einen Fehler als solchen erkannt hat.

Sind alle diese Punkte erfüllt, sprechen Wissenschaftler:innen von einer künstlichen Intelligenz. Durch permanente Analyse der vorhandenen Datensätze und Selbstanalyse versucht sich eine solche Intelligenz zu verbessern.

Oder wie es der berühmte Vater der KI, Marvin Minsky, einst formulierte:

„Der Blick zurück in die Vision ist wie eine Wiederholung in der Musik; beide geben uns an bestimmten Stellen Zeit, unsere Vorstellungen vom Ganzen zu bekräftigen oder zu ändern.“

Marvin Minsky in: Music, Mind, and Meaning (1981)

Starke und Schwache KI

In Wissenschaft und Technik wird zwischen zwei Formen der KI unterschieden. Während die sogenannte Schwache KI für sich ständig wiederholende Prozesse genutzt wird, zeichnet sich eine Starke KI durch Lernprozesse aus.

  • Schwache KI: Wird auch als enge KI bezeichnet und vorzugsweise für einfache Aufgaben verwendet. Sie trainieren und vollziehen eine sich ständig wiederholende Aufgabe. Die Roboterarme in Fertigungshallen basieren auf diesem Prinzip.
  • Starke KI: Unter Entwickler:innen auch als allgemein künstliche Intelligenz bekannt, bezeichnet sie eine KI, die kognitive Fähigkeiten des Menschen nachbilden kann. Sie kann zwar nicht selbstständig denken, aber durch komplexe Algorithmen Denken simulieren. Durch den Algorithmen basierten Lernprozess kann sie selbst Lösungen berechnen und handeln.
Roboterarme bauen Auto
Schwache künstliche Intelligenz wird für die standardisierten Prozesse in der Autofertigung eingesetzt. Credit: imago / Arnulf Hettrich

Die vier Arten künstlicher Intelligenz

Die Menschheit verspricht sich viel von der KI. Während Chatbots heutzutage annährend lebensnah mit Menschen interagieren, bauen Roboterarme in komplexen Fertigungsanlagen Autos. Und manche Humanoiden bewegen sich nach zehntausenden Wiederholungszyklen fast schon menschlich.

Die Zukunft der KI scheint grenzenlos. Von den bereits existierenden Formen künstlicher Intelligenz stellen Forschende und Futurlogen bereits Mutmaßungen darüber an, was die nächstlogische Evolutionsstufe der technischen Intelligenz wäre.

  1. Typ 1: Reaktive Maschinen: Hierunter fallen alle Fertigungseinheiten wie Roboterarme, die in einfachen Befehlen Produktionsprozesse wie Schweißen, Schrauben und Ähnliches vollführen. Sie besitzen keine Speichereinheit, können somit auch keine neuen Prozesse erlernen.
  2. Typ 2: Begrenzt erinnernde Intelligenz: Diese KI-Systeme besitzen bereits ein begrenztes Gedächtnis. Sie können also nicht nur Aufgaben, Objekte und Situationen erkennen und Prognosen errechnen, sondern sich an bereits begangene Prozesse erinnern. Selbstfahrende Autos oder Chatsbots nutzen eine solche Speicherleistung.
  3. Typ 3: Theorie des Geistes: Und hier beginnt die Zukunft. Bei enormer Speicherkapazität könnte KI in der Lage sein Emotionen zu verstehen und eine soziale Intelligenz zu entwickelt. Maschinen würden menschliche Absichten erkennen und dementsprechend reagieren. Ab diesem Zeitpunkt könnte eine Zusammenarbeit zwischen Menschen und Robotern realistisch sein.
  4. Typ 4: Selbstwahrnehmung: Ab einem bestimmten Zeitpunkt wird die künstliche Intelligenz so schnell lernen, dass sie sich selbst wahrnehmen und fühlen könnte. Eine solche KI könnte ein Bewusstsein entwickeln und seine eigene Existenz wie ein Mensch hinterfragen.

Selbst wenn die letzten zwei KI-Typen wie Zukunftsmusik klingen, könnten Schlüsseltechnologien wie der Quantencomputer eine wirkliche künstliche Intelligenz ermöglichen. Forschende glauben sogar, dass es nur noch wenige Jahrzehnte dauern könnte, bis eine Maschine das erste Mal schlauer ist als der Mensch. Die Wissenschaft spricht hierbei von der technologischen Singularität.

Quellen: ComputerWeekly.de, SAP, YouTube/ WELT, eigene Recherche

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