Wären die Zerstörungen in der Karibik und den Küstengebieten am Golf von Mexiko durch die Hurrikane nicht so tragisch, dann könnte man die extremen Wetterverhältnisse dieses Sommers als ironische Replik auf die neue Regierung in Washington werten. Präsident Donald Trump kürzte das Budget der Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency) und positioniert sich deutlich gegen den Konsens der wissenschaftlichen Gemeinschaft, dass der Mensch für den Klimawandel verantwortlich ist.

Harvey, Irma, Maria

Drei Hurrikans haben diesen Sommer den Süden der Vereinigten Staaten und die karibischen Inselstaaten verwüstet. Alle drei waren Stürme der Superlative. Zuerst wurde die texanische Küste von Hurrikan „Harvey“ heimgesucht, der die Gegend um Houston unter Wasser setzte. Noch nie waren bei einem US-Hurrikan stärkere Regenfälle gemessen worden. Hurrikan „Irma“ stellte einen neuen Rekord für die Dauer eines Wirbelsturms der Kategorie 5 (der höchsten Stufe der Saffir-Simpson-Hurrikan-Skala). Hurrikan „Maria“, der gerade erst über Puerto Rico und die Jungferninseln hinwegzog, ist nach Zentralluftdruck der zehntintensivste tropische Wirbelsturm im Atlantik seit Beginn der Aufzeichnungen.

In einem Vortrag über die Geschichte und Funktionsweise von Hurrikanen nahm Klimaexperte Kerry Emanuel diese drei Hurrikane zum Anlass, um über die Zukunft vergleichbarer, extremer Wetterphänomene zu sprechen. Emanuel, der als einer der führenden Forscher über tropische Wirbelstürme gilt, führt die Häufung starker Stürme hoher Intensität auf den Klimawandel zurück.

Prognosen anpassen

Ein Sturm wie „Harvey“ wäre im 20. Jahrhundert noch als Wetterereignis gewertet worden, das einmal alle 2.000 Jahre auftritt. Heute müssten Prognosen dieser Art drastisch nach unten reduziert werden – eine Häufigkeit von einmal in hundert Jahren hält Emanuel für realistischer. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Sturm wie Hurrikan „Harvey“ von einem Prozent in den 1990er Jahren bereits auf sechs Prozent gestiegen ist. Bis 2090 erwartet Emanuel sogar einen Anstieg auf etwa 18 Prozent Wahrscheinlichkeit.

Während das Wetter im extremer wird, steigt die Anzahl von Menschen, die in Gebieten leben, die von Hurrikans gefährdet sind. Bevölkerungswachstum und die zunehmende Bebauung der Küstenstreifen wird laut Emanuel dazu führen, dass die Schäden, die von Wirbelstürmen verursacht werden, sich in Zukunft noch vergrößern werden. Bereits jetzt verursachen Hurrikans jährlich Schäden im Schnitt rund 700 Milliarden US-Dollar an Schaden.

Hurrikans, Erdbeben und Vulkanausbrüche sind Naturereignisse. Ihre Wirkung auf den Menschen wird jedoch verstärkt, wenn Gebäude und Infrastruktur in Gebieten gebaut wird, die regelmäßig von diesen Ereignissen heimgesucht werden. Dann sollte man sie nicht mehr als Naturkatastrophen, sondern als unnatürliche Katastrophen bewerten.

Was wird die Zukunft bringen?

Die Schwierigkeiten in der Vorhersage von tropischen Wirbelstürmen liegt in der mangelhaften Verfügbarkeit historischer Aufzeichnungen: „Alles was wir über Hurrikans auf diesem Planeten vor dem Jahr 1943 wissen, stammt aus anekdotischen Aufzeichnungen“, sagte Emanuel in seinem Vortrag. Logbücher und Lokalnachrichten oder auch Erdbohrungen an Stränden, die Aufschluss geben, wann größere Mengen Meeressand ins Inland geschwemmt wurde, bieten nur lückenhaftes Datenmaterial.

Die Methoden und Modelle der Klimaforscher und Meteorologen werden dennoch immer genauer. Mithilfe neuer Technologien könne man etwa den Verlauf eines Hurrikans bereits gut vorhersagen. Zudem lässt sich auf Basis derzeitiger Berechnungen mit einiger Sicherheit sagen, dass die Klimaerwärmung zu einer Häufung von immer stärkeren Stürmen führen wird. Die gefährdeten Küstengebiete rund um den Erdball, deren Bevölkerung sich seit 1970 verdreifacht hat, blicken also stürmischen Zeiten entgegen.

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