Spätestens wenn es um die digitale Vernetzung zwischen Computer und Gehirn geht, sprechen wir von Science Fiction. Dennoch scheint die Technik dafür zumindest greifbar. Der Upload für den Kopf per Gehirnchip ist nur noch eine Frage der Zeit. Wissenschaftler:innen setzen sich mit den Möglichkeiten und Herausforderungen auseinander.

Upload fürs Hirn: Gehirnchip solls möglich machen

Elon Musk ist bekannt für seine waghalsigen Versprechen, aber der Gründer von Tesla setzt auch auf ein ganz anderes Metier: Die neuronale Vernetzung des menschlichen Gehirns mit einem Computer. Mitarbeitende seiner Firma Neuralink haben bereits einen Gehirnchip erfolgreich an Affen getestet.

Wie Musk in einem Interview verrät, könnten Menschen bereits 2022 mit einem Gehirnchip rechnen. Einen Upload für Informationen ist hiermit jedoch nicht gemeint. Viel mehr soll er laut Aussage des exzentrischen Milliardärs Betroffenen mit Rückenmarkverletzungen helfen.

Und trotzdem: Die Möglichkeit das menschliche Gehirn mittels Sensorik zu beeinflussen, lässt die Wissenschaft bereits in eine ganz andere Richtung denken. Während die Firma Neuralink nervengeschädigte Menschen unterstützen möchte, könnten Uploads fürs Gehirn in Zukunft noch ganz andere Dinge ermöglichen.

Endlich alles Wissen: Reine Utopie?

Gehirnchips könnten in Zukunft einen großen Menschheitstraum in greifnahe Nähe bringen. Alles wissen zu wollen, ist eine Grundeigenschaft des Menschen. Über das Lernen bilden sich in unserem Gehirn stetig neuronale Vernetzungen, damit das bereits erworbene Wissen weiter ausgebaut und gespeichert wird.

Ein Gehirnchip könnte den oft mühsamen Weg des Lernens durch einen Upload der gewünschten Informationen vereinfachen. Wir müssten nur Antworten auf technischen Fragen finden, wie Wissenschaftler:innen in den Fachbereichen der Neurologie, Ingenieurswissenschaften und Informatik erklären.

Upload per Gehirnchip: Diese Hürden gilt es zu meistern

Der Neurologe und Computerwissenschaftler Michael Beyeler sieht ein großes Potential in der Technologie, allein schon, weil sensorische Neuroprothesen bereits jetzt blinden Menschen das Sehen ermöglichen. Durch ein Gehirnchip via Upload meisterhaft Piano spielen zu können, sieht er jedoch zumindest jetzt noch skeptisch.

„Es wird vermutlich nicht so einfach sein, wie das Anschließen eines USB-Laufwerks an unser Gehirn. Dennoch denke ich, dass die Vorstellung, unsere Sinne und unseren Intellekt mittels einer neuronal implementierten Hardware zu erweitern, durchaus in Reichweite liegt. Davor müssen wir aber einige Herausforderungen meistern.“

Michael Beyeler via GIZMODO

Ein große Herausforderung bestehe laut Beyeler darin, biokompatible Geräte zu entwickeln, die effektiv mit dem Hirn verbunden werden können. Zwar schreite die Technologie hierfür schnell voran, dennoch müsste ein solcher Gehirnchip weitaus kleiner sein, als es vergleichbare Hardware heute bereits ist.

Die heute verwendeten Elektroden solcher Geräte sind zu groß, um gezielt auf Neuronen abzuzielen. Nach Meinung des Wissenschaftlers müsste ein solcher Chip auch noch tief in das Gehirn eingepflanzt werden. Dabei stellt sich für ihn das weitaus größte Problem:

„Die größte Herausforderung sehe ich darin, dass unser Verständnis des Gehirns nicht groß ist, um Gehirn-Uploads zu ermöglichen. Wir müssen vorerst verstehen, wie Informationen im Gehirn gespeichert und abgerufen werden.

Michael Beyeler via GIZMODO

Es gibt eine Alternative

Für einen Gehirnchip, der den Upload einer ganzen Klaviatur aushält, reiche es bisher nicht. Beyeler schlägt deshalb vor, eine kreativere Lösung zu finden. Anstatt einer implantierten Hardware könnten neue Lernmethoden weiterhelfen.

So könnte die Lösung auch darin bestehen, neue Wege zu finden, wie dem Gehirn im Prozess des Lernens geholfen werden kann. Als Mittel nennt Beyeler hierfür die sogenannte tiefe Hirnstimulation (Deep Brain Stimulation oder kurz DBS).

Diese Methode macht sich das Prinzip bereits zunutze und Hilft Betroffenen von Gedächtnisstörungen wie Angst oder Demenz. Extrem verbessert, würde ein Mensch zwar ohne Gehirnchip und Upload nicht sofort ein Klavierkonzert komponieren. In wenigen Stunden sei es dennoch machbar.

Upload per Gehirnchip: Auch eine ethnische Frage

Und schließlich stellen sich noch Fragen, die stets vor technologischen Meilensteine gestellt werden. Was würde ein Gehirnchip und der damit verbundene Upload allen Wissens für uns Menschen bedeuten? Michael Beyeler, der sicherlich selbst Jahre an Zeit investierte, um Wissenschaftler zu sein, stellt sich ethische und philosophische Fragen zu diesem Thema.

Bisher haben vor allem Menschen über Firmen wie Musks Neuralink Zugang zu sensorischen Neuroprothesen. Die kleinen Chips sollen also den Alltag derjenigen erleichtern, die darauf auch angewiesen sind.

Was aber, wenn Mittels Hirn-Upload Wissen, Fertigkeiten und Erfahrungen in ein Gehirn gespeichert werden können? Wer sollte zu solch einer Technologie Zugang haben? Wie könnte sie missbraucht werden und eben nicht dem Wohle der Menschheit dienen?

Natürlich sind das Fragen, die sich immer schon gestellt hatten. Einige andere Technologien der Zukunft werden diese und ähnliche Fragen höchstwahrscheinlich auch aufwerfen.

Quelle: gizmodo, YouTube/ iKnowReview, eigene Recherche

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