Dass Antibiotika nicht bei der kleinsten Beschwerde eingenommen werden soll, ist schon lange bekannt. Einige Ärztinnen und Ärzte warnen häufig vor der Einnahme. Denn mit bösen Folgen könnte die Antibiotika-Resistenz zunehmen. In der Forschung wird daher fieberhaft an Lösungen gearbeitet. Einen möglichen Lösungsansatz sieht eine Forscherin in einer 1.000 Jahre alten Rezeptur.


Was ist ein Antibiotikum?
  • Die meisten Antibiotika werden aus Naturstoffen gewonnen: vor allem aus Pilzen und Bakterien
  • Es gibt aber auch künstlich hergestellte Antibiotika
  • Manche Antibiotika töten Bakterien ab, andere verhindern ihre Ausbreitung
  • Sie können aber nicht nur gegen schädliche Erreger wirken, sondern auch gegen nützliche Bakterien, wie z.B. Darmbakterien

Gefährliche Antibiotika-Resistenz: Ist das die Lösung?

Ein Antibiotikum hilft nicht bei jeder Krankheit. Vor allem ist es nicht immer nötig. Das wissen Medizinerinnen und Mediziner bereits seit Längerem. Kranke Menschen aber wünschen sich eine schnelle Heilung. Diese Einstellung hat schon heute fatale Folgen. Denn weil Keime immer widerstandsfähiger werden, sterben jährlich geschätzt rund 700.000 Menschen weltweit an Antibiotika-Resistenzen. Eine Lösung muss her, sonst könnten es bis 2050 zehn Millionen Tote sein, warnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereits in einer Veröffentlichung im Jahr 2014.

Auch die britische Forscherin Erin Connelly weist auf die reelle Gefahr hin. Sie ist Datenkuratorin in Mediävistik an der University of Pennsylvania. Das bedeutet sie analysiert und interpretiert Daten aus mittelalterlichen, literarischen und kulturellen Quellen. Sie ist bei ihrer Arbeit auf eine mögliche Lösung des Problems der Antibiotika-Resistenz gestoßen: neue Antibiotika. In einem Gespräch mit The Conversation hat sie vor einiger Zeit darüber berichtet.

Das ist das steinalte Rezept

Mit ihrem Team stellte sie damals eine Datenbank aus mittelalterlichen Rezepten zusammen. Die alten Methoden geben ihrer Ansicht nach Impulse für die Bekämpfung bakterieller Infektionen. Im Rahmen einer Pilotstudie veröffentlichte das Forschungsteam 2015 ein 1.000 Jahre altes Rezept für eine Salbe:

  • Man nehme Zwiebeln, Wein, Knoblauch und Oxengalle.
  • Man vermische die Zutaten und lasse sie vor Gebrauch neun Nächte lang in einem Messinggefäß stehen.

Im Mittelalter wurde die Mixtur gegen Augeninfektionen eingesetzt. Heute könnte das Rezept gegen Antibiotika-Resistenz helfen. Und hier ist die Lösung: Die Salbe tötet erfolgreich das Bakterium Staphylococcus aureus ab, das häufig Gerstenkörner verursacht – und heute gegen die meisten Antibiotika resistent ist. Wichtig sei es Connelly zufolge nur, die Reihenfolge genau einzuhalten, also auch genau neun Tage zu warten, bevor man die Salbe benutze.

Doch kann man das glauben? Sicher seien viele mittelalterliche Rezepte reiner Humbug, so die Forscherin. „Heutzutage wird das Wort ‚mittelalterlich‘ als abwertende Bezeichnung benutzt und deutet auf grausame Methoden, Ignoranz und rückschrittliches Denken hin“, so Connelly. Doch manche Rezepturen seien nützlicher als gedacht. „Unsere Forschungen befinden sich noch am Anfang, doch sie haben ein aufregendes Potential für die Zukunft.“

Neue Antibiotika im Kommen

Die Gefahr der Antibiotika-Einnahme und der folgenden Resistenzen dagegen hat auch das Bundesgesundheitsministerium längst erkannt. Mit der GARDP (Global Antibiotic Research and Development Partnership) will man dagegen angehen – ebenfalls durch neue Antibiotika. Die Initiative wurde 2016 auf Betreiben der Weltgesundheitsorganisation und der Drugs for Neglected Diseases initiative (DNDi) gegründet.

Im September 2017 erhielt sie 56 Millionen Euro Förderung von der Bundesrepublik Deutschland und internationalen Geldgebern. Bis 2022 stehen weitere 50 Millionen allein aus dem Haushalt des Bundesforschungsministeriums zur Verfügung. Das Thema hat also Hochkonjunktur. Die Initiative hat sich einige Ziele gesetzt, um Antibiotika-Resistenzen zu mindern:

So Antibiotika-Resistenzen bekämpfen:

  1. One-Health-Ansatz stärken = Gesundheit von Mensch und Tier ganzheitlich betrachten wegen globalen Handels
  2. Resistenz-Entwicklungen frühzeitig erkennen = repräsentative Daten aktuell halten, um Ärztinnen und Ärzten bessere Handlungsgrundlagen zu geben
  3. Therapie-Optionen erhalten und verbessern = Einsatz und Antibiotika-Wirkung besser verstehen
  4. Infektionsketten frühzeitig unterbrechen und Infektionen vermeiden = Hygienestandards einhalten und optimieren, um Infektionen vorzubeugen
  5. Bewusstsein fördern und Kompetenzen stärken = Ärztinnen/Ärzte, Patientinnen/Patienten und Tierhalterinnen/Tierhalter aufklären
  6. Forschung und Entwicklung unterstützen = Forschung in allen nötigen Bereichen

Antibiotika-Resistenzen sind gefährlich: Eine Lösung muss her

Eigentlich sind Antibiotika eine revolutionäre Erfindung, die gegen viele Krankheiten hilft, die im Mittelalter unmöglich zu heilen schienen. Ironischerweise wird es nun nötig, durch die zunehmende Antibiotika-Resistenz neue Antibiotika herzustellen und die Lösung dafür möglicherweise in mittelalterlichen Rezepten zu suchen. Forscherin Connelly hat es vorgemacht.

Sei auch selbst vorsichtig mit einem Antibiotikum. Die Einnahme ist nicht bei jeder Krankheit zu empfehlen. Stimme dich hierzu gut mit deinem Arzt oder deiner Ärztin ab. Antibiotika sind wirksam bei Infektionen, die durch Bakterien verursacht werden. Allerdings helfen sie nicht bei Erkrankungen, die durch Viren ausgelöst werden. Was ist ein Virus dann überhaupt? Auch interessant: Sämtliche Bakterien und Organismen leben auf deinem Körper.

Neueste Videos auf futurezone.de