Beim Tauchen und Schwimmen, aber auch beim Duschen kann es ganz einfach passieren, dass dir Wasser ins Ohr gelangt. Um es loszuwerden, schütteln viele Menschen reflexartig den Kopf, allerdings kann ebendies zu schwerwiegenden Problemen führen. Wir verraten dir nicht nur, warum das ein Fehler ist, sondern auch, was Experten stattdessen empfehlen.

Das Ohr ist eines der wohl wichtigsten Sinnesorgane des Menschen. Es gibt dir die Möglichkeit, Klänge sowie Geräusche wahrzunehmen und mit anderen Menschen zu kommunizieren. Zudem gehört ihm auch das Gleichgewichtsorgan, der sogenannte Vestibularapparat, an. Konkret setzt sich dein gesamtes Hörsystem aus dem Außen-, Mittel- und Innenohr, dem Hörnerv sowie den Umschalt- und Verarbeitungsstationen im zentralen Nervensystem zusammen.

Wasser im Ohr: Schüttel bloß nicht deinen Kopf

Allzu leicht passiert es: Durchs Schwimmen oder Duschen kommt Wasser in dein Ohr. Das kann nerven. Denn wenn sich die Flüssigkeit im Gehörgang befindet, kann es vorkommen, dass man Geräusche nur gedämpft wahrnimmt. Außerdem kann Wasser im Ohr auch Schmerzen verursachen. Kein Wunder, dass reflexartig der Kopf geschüttelt wird, um das Hörorgan wieder freizubekommen.

Genau das kann laut Experten eine Gefahr bedeuten. So hat ein Team der Cornell University in den USA mit Modellen errechnet, welche Belastungen für Schädel und Hirn durch das heftige Kopfschütteln entstehen können, besonders für Kinder.

Das Problem dabei fasziniert sogar: Wer ruckartig den Kopf in Richtung des betroffenen Ohrs bewegt, setzt eine Beschleunigung frei, die dem Zehnfachen der Erdbeschleunigung entspricht. Dadurch ist das Gehirn im Schädel so starken Kräften ausgesetzt, dass dadurch leichte Schütteltraumata oder Läsionen (Verletzungen oder Störungen der Funktion des Organs) auftreten können.

Kinder sind laut den Forschern davon stärker betroffen, weil ihre Gehörgänge kleiner und damit enger sind als die von Erwachsenen. Das erklärt auch, dass die Kleinen heftiger den Kopf schütteln müssen, um das Wasser im Ohr loszuwerden. Die Oberflächenspannung ist einfach zu groß.

Auf der Jahrestagung der APS Division of Fluid Dynamics der American Physical Society hat das Team der Cornell University seine Ergebnisse vorgestellt. Das Abstract kannst du dir online anschauen (PDF).

Wasser im Ohr geht nicht raus? Ein Trick hilft

Das Forscherteam empfiehlt eine einfache Lösung für die Wasser-im-Ohr-Problematik:

  • Träufle mithilfe einer Pipette ein paar kleine Tropfen Alkohol-Essig-Lösung ins Ohr.

Das Ergebnis: Die Oberflächenspannung sinkt, das Gemisch kann besser ablaufen, wenn man sich auf die betroffene Seite legt. Das ist in jedem Fall besser als wildes Kopfschütteln.

Wenn du eine solche Mischung nicht selber anrühren willst, dann kannst du in einer Drogerie oder Apotheke einfach bereits fertige Ohrtropfen erwerben. Viele von diesen Lösungen enthalten ebenfalls Alkohol. Der Vorteil: Sie lindern mögliche Schmerzen von etwaigen Infektionen, die das Wasser im Ohr ausgelöst haben könnte.

Das kannst du noch tun

Sollte der Trick nicht geholfen haben, gibt es noch weitere Möglichkeiten, mit denen du das Wasser im Ohr herauskriegen kannst. Die Apotheken Umschau etwa hat mit Professorin und Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde Kerstin Lamm gesprochen. Diese empfiehlt Folgendes:

  • das Ohr zu föhnen, allerdings nicht zu nah am Gehörgang (Minimalabstand 30 Zentimeter)
  • mit einem Papiertaschentuch vorsichtig das Wasser aus dem Gehörgang aufsaugen
  • wiederholt am Ohrläppchen zupfen und ruckeln, sodass die Flüssigkeit im Ohr in Bewegung gebracht wird
  • eine warme Kompresse auf das Ohr legen

Wichtig: Lamm zufolge sollte ein Laie niemals ein Wattestäbchen oder gar eine Kugelschreibermine oder eine umgebogene Büroklammer in den Gehörgang einführen. Dadurch könne das Trommelfell verletzt werden und das Ohr bluten.

Habe sich das Wasser im Ohr mit dem Ohrenschmalz verbunden, der dann aufgequelle, solle man auch niemals versuchen, das selbst zu entfernen. Stattdessen rät die Medizinerin den Gang zu einem HNO-Arzt. Der würde dann unter mikroskopischer Kontrolle das Ohr mit körperwarmem Wasser ausspülen, das das Ohrenschmalz aufweiche, sodass man es heraussaugen könnte.

Wer beispielsweise beim Schwimmen oder im Urlaub mit Wasser im Ohr Schmerzen habe, könne Wasserschutz-Ohrstöpsel verwenden. Diese gibt es auch im Sportgeschäft.

Wasser im Ohr: Sei vorsichtig damit

Vor allem Kinder sollten nicht heftig den Kopf schütteln, wenn sie Wasser im Ohr haben. Aber auch Erwachsene müssen aufpassen. In den meisten Fällen kann es jedoch mit einer Lösung aus Alkohol und Essig entfernt werden. Wenn sich die Flüssigkeit mit dem Ohrenschmalz verbunden hat, empfiehlt sich ein Gang zum HNO-Arzt.

Du brauchst noch mehr gute Ratschläge? So geht Splitterentfernung richtig. Bist du immer müde, stell dir diese Fragen. Übrigens: Daher kommt das Wasser auf der Erde.

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