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Auch vergesslich? Laut Forschern zeugt das von Intelligenz

Du bist vergesslich? Dann bist du möglicherweise sehr klug.
Du bist vergesslich? Dann bist du möglicherweise sehr klug.
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Artikel von: Katharina Nickel
Es kann nervig sein, vergesslich zu sein. Aber laut einer Studie hat Vergesslichkeit auch etwas Gutes. Sie zeugt von einem hohen IQ.

Du suchst ständig deinen Schlüssel, vergisst Geburtstage und kannst dich schon am nächsten Tag nicht mehr an die Namen der Darsteller:innen erinnern, die du im Film gesehen hast? Das sind nur einige Beispiele für Vergesslichkeit. Falls sie dich nervt, bedenke: Einer Studie zufolge, sind Menschen, die vergesslich sind, besonders intelligent.

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Vergesslich sein: Was hat das mit dem IQ zu tun?

Forschende der Abteilung für biologische Wissenschaften der University of Toronto haben den Zusammenhang zwischen Vergesslichkeit und hohem IQ feststellen können. Vergesslich zu sein muss also nicht immer etwas Schlechtes bedeuten. Im Gegenteil: Eine schlechte Gedächtnisleistung würde vielmehr darauf hinweisen, dass das Gehirn in dem bestimmten Moment mit wichtigeren Dingen beschäftigt sei.

Schließlich verbraucht unser Gehirn Energie, wenn es all die täglichen Informationen, die auf uns einprasseln verarbeiten muss. Diese werden gespeichert oder vergessen. Dabei ist es wie mit dem Speicherplatz auf dem Computer: Ältere "Dateien" verbrauchen Speicherplatz, obwohl sie teilweise nicht mehr benötigt werden.

Unwichtiges muss Wichtigem weichen

Kein Wunder, dass das Gedächtnis nach Mitteln und Wegen sucht, die Entscheidungsfindung zu optimieren. Darauf wies auch Assistant Professor Blake Richards von der University of Toronto im Zuge der Veröffentlichung der Studienergebnisse im Juni 2017 hin: "Es ist wichtig, dass das Gehirn irrelevante Details vergisst und sich stattdessen auf das konzentriert, was Entscheidungen in der realen Welt unterstützt."

Genau das wird auch umgesetzt, wenn wir Momente erleben, in denen wir vergesslich sind. Alltägliche, für das Hirn unwichtige Dinge werden dann zugunsten der wichtigeren Dinge vernachlässigt, die möglicherweise auch einen hohen IQ ausmachen. Selbst dann, wenn wir selbst gerade die Schlüsselsuche als wichtigstes Ding erachten. "Wir wissen, dass Bewegung die Anzahl der Neuronen im Hippocampus erhöht, aber es sind genau die Details aus deinem Leben, die eigentlich keine Rolle spielen, und die dich vielleicht davon abhalten, gute Entscheidungen zu treffen", so Richards.

Du bist schlau, wenn du vergesslich bist

Es dürfte nachhaltige Wirkung haben zu wissen, dass vergesslich sein nichts Negatives bedeutet. Bisher hat sich die neurobiologische Forschung vor allem auf die zellulären Mechanismen der Informationsspeicherung im Gehirn fokussiert. Vernachlässigt wurde dabei das, was mit Vergessen, Vergesslichkeit und Vergänglichkeit zu tun hat. Als Fehler in den Mechanismen des Gehirns werden diese Faktoren nun nicht mehr angesehen.

Stattdessen besteht demnach der "Sinn des Gedächtnisses darin, dich zu einer schlauen Person zu machen, die unter gegebenen Umständen Entscheidungen treffen kann, und ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass du in der Lage bist, einige Informationen zu vergessen".

Hoher IQ: Schwieriges Thema

Vergesslich zu sein ist also schlau. Bedenke aber auch, dass der Zusammenhang zu einem hohen IQ mit Vorsicht zu betrachten ist, da jener Begriff heute allerdings mehr denn je in der Kritik steht. Jedenfalls hat die Intelligenz eines Menschen nichts mit der Anatomie des Hirns zu tun. Zwar gilt ein IQ über 130 als superintelligent, aber "im Grunde sind es Hunderte Prozesse, durch die Intelligenz zu Stande kommt", kommentierte Max Planck-Forscherin Elsbeth Stern einmal in der Welt.

Vergesslichkeit ist jedenfalls keine Schmach. Willst du dich optimieren, versuch es doch einmal mit diesen Gehirntraining-Tricks. Sei aber auch vorsichtig, denn wenn du deine Gehirnleistung steigern willst, kannst du auch Fehler machen.

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