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Coronavirus-Übertragung über die Luft: Das fordern Forschende in einem offenen Brief

239 Forschende schreiben einen offenen Brief an die WHO, in dem es um die Coronavirus-Übertragung über die Luft geht.
239 Forschende schreiben einen offenen Brief an die WHO, in dem es um die Coronavirus-Übertragung über die Luft geht.
Foto: iStock.com/gemphotography
In einem offenen Brief an die WHO erklären 239 Forschende, für wie notwendig sie es halten, die Coronavirus-Übertragung über die Luft ernster zu nehmen.

Seit kurzem wird in Deutschland in einigen Bundesländern darüber diskutiert, die Maskenpflicht in Supermärkten und öffentlichen Verkehrsmittel abzuschaffen. Passend zu der Diskussion veröffentlichten 239 Forschende aus 31 Ländern einen offenen Brief an die Weltgesundheitsorganisation (WHO), indem sie unter anderem fordern, dass deren Empfehlungen zur Eindämmung der Coronavirus-Übertragung überarbeitet werden – angesichts dessen, dass das Coronavirus in der Luft ist.

Coronavirus-Übertragung über die Luft ist ein ernstzunehmender Weg

Seit Monaten erklären Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, dass die Coronavirus-Übertragung nicht nur über Tröpfchen, sondern auch über die Luft in Innenräumen erfolgen kann. Unter anderem aus diesem Grund ist es beispielsweise in Deutschland mittlerweile Pflicht, wegen Corona eine Maske zu tragen, wenn zum Beispiel der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht gewahrt werden kann.

Mindestens 239 Forschende aus 32 Ländern sind der Meinung, dass die aktuellen Leitlinien zahlreicher internationaler und nationaler Gremien sich nicht ausreichend auf die Coronavirus-Übertragung über die Luft konzentrieren: "Die meisten Organisationen des öffentlichen Gesundheitswesens, einschließlich die Weltgesundheitsorganisation (WHO), erkennt die Übertragung in der Luft, außer der Aerosolerzeugungsverfahren im Gesundheitswesen, nicht an. Händewaschen und soziale Distanzierung sind angemessen, aber unserer Ansicht nach nicht ausreichend, um Schutz vor virusübertragenden Mikrotröpfchen zu bieten, die von infizierten Personen in die Luft freigesetzt werden," heißt es in einem offenen Brief vom 6. Juli 2020.

Sie erklären unter anderem, dass Studien zu Mers-CoV und der Influenza zeigen, dass lebensfähige Viren von Infizierten ausgeatmet werden können. Dies berge das Risiko, dass Personen, die sich in der Umgebung befinden, diese Viren einatmen können. "Es gibt allen Grund zu der Annahme, dass sich Sars-CoV-2 in ähnlicher Weise verhält. Und die Übertragung über Mikrotröpfchen in der Luft ein wichtiger Weg ist", so die Forschenden.

Das fordern die Forschenden

Um das Übertragungsrisikos in der Luft zu mindern, fordern die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler folgende Leitlinien:

  • Unter anderem in öffentlichen Gebäuden, Arbeitsumgebungen, Schulen, Krankenhäusern und Altenheimen soll für ausreichende und effektive Belüftung gesorgt werden. Dabei soll die saubere "Außenluft" zugeführt und die Umluft minimiert werden.
  • Die allgemeine Belüftung sollen ergänzt werden, zum Beispiel durch hocheffiziente Luftfiltration oder keimtötendes ultraviolettes Licht.
  • Insbesondere in öffentlichen Verkehrsmitteln und öffentlichen Gebäuden soll Überbelegung vermieden werden.

Wissenswertes zur Coronavirus-Übertragung über die Luft

Zuletzt erklärte unter anderem auch Virologe Christian Drosten, dass die Coronavirus-Übertragung über Aerosol ein wichtiger Faktor bei der Verbreitung des Erregers ist. Diese Studie erklärt gar, dass 1,5 Meter Mindestabstand nicht genug sein könnten. Eine weitere Untersuchung zeigte bereits, dass das Coronavirus mehr als zehn Minuten in der Luft bleiben kann. Möglicherweise könnte sich eine zweite Welle gar abwenden, wenn Masken dauerhaft im öffentlichen Leben getragen werden.

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