Um nicht zu viele Flaschen zu verbrauchen, ist es nicht unüblich, leere Wasserflaschen am Hahn aufzufüllen. Nicht selten wird allerdings behauptet, dass das Wiederverwenden von Plastikflaschen ungesund sei. Dann kommen böse Wörter wie „Mikroplastik“ und „krebserregende Chemikalien“ ins Spiel. Was aber steckt wirklich dahinter?

Was ist Mikroplastik?

Mikroplastik sind kleine Kunststoffpartikel, die in die Umwelt gelangen. Die Partikel können mikroskopisch klein oder mehrere Millimeter groß sein. Mikroplastik kann vor allem in Meeren und Ozeanen Probleme verursachen.

Plastikflaschen: Ungesund oder nicht?

Um uns dieser Frage anzunehmen, gilt es zunächst, die Bestandteile einer solchen Flasche zu bestimmen. Zwar variieren die Materialien von Einwegflaschen, meistens bestehen sie aber hauptsächlich aus Polyethylenterephthalat (PET), einem thermoplastischen Kunststoff mit vielfältigen Anwendungsbereichen. Der Stoff ist in vielen Teilen der Welt, einschließlich der Europäischen Union, als sicher für den Kontakt mit Lebensmitteln und Getränken zugelassen. Wie aber kommt es dann zu der Behauptung, der mehrmalige Gebrauch von Plastikflaschen sei ungesund?

Risiken durch „Mikroplastik“

Eine wesentliche Rolle dabei spielt „Mikroplastik“. Bezeichnet werden damit kleine Kunststoffteilchen mit einem Durchmesser von unter fünf Millimetern. Diese sind jedoch nicht nur für die Verschmutzung der Weltmeere relevant. So hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erst 2019 eine Studie zu den möglichen Risiken von Mikroplastik für den menschlichen Körper veröffentlicht – und stellte darin kein signifikantes Risiko fest.

Tatsächlich enthalten einer anderen Studie von 2018 zufolge gut 93 Prozent aller neugeöffneten Plastikflaschen solche Kunststoffpartikel.

„Neu freigegebene Plastikflaschen könnten mehr Mikroplastik enthalten als gebrauchte“, erklärt Dr. Umar Abdulmutalib von der University of Surrey in einem Beitrag auf metafact.

Auch Dr. Marek Cuhra vom Institut für Meeresforschung in Norwegen glaubt, dass „das Trinken von Wasser aus einer gebrauchten und gewaschenen Flasche sicherer sein sollte als aus einer brandneuen Flasche“. Er und sein Team fanden 2017 heraus, dass das Waschen von Plastikbehältern die Qualität des darin aufbewahrten Wassers verbessert.

Übrigens: Pro Woche nehmen wir im Schnitt bis zu fünf Gramm Mikroplastik in uns auf, das entspricht nach Angaben der Zeitung Die Welt dem Gewicht einer Kreditkarte.

Sind PET-Flaschen BPA frei?

Auch Bisphenol A (BPA) wird zur Herstellung von Polycarbonatkunststoffen und Epoxidharzen verwendet. Es kann das endokrine System stören und möglicherweise Probleme im Zusammenhang mit der Fortpflanzung und dem Stoffwechsel verursachen. Obwohl dies immer wieder in Artikeln aufgegriffen wird, die sich mit den Gesundheitsrisiken durch Plastikflaschen auseinandersetzen, wird BPA tatsächlich gar nicht zur Herstellung von PET-Flaschen verwendet.

Dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zufolge wurden jedoch „insbesondere in recycelten PET-Flaschen in einigen Fällen geringe Mengen an Bisphenol A als Verunreinigung nachgewiesen“. Die in den Inhalt der Flaschen abgegebenen BPA-Mengn unterschreite zudem „den Grenzwert für den Übergang von Bisphenol A aus Kunststoffmaterialien auf Lebensmittel von 50 Mikrogramm pro kg Lebensmittel sehr deutlich und stellen nach derzeitigem Stand des Wissens kein Gesundheitsrisiko dar“.

Antimon wiederum wird durchaus bei der PET-Produktion genutzt. Es gilt nicht als krebserregend, kann bei Einnahme allerdings zu Erbrechen und Durchfall führen. In der Produktion wird es daher lediglich als Katalysator eingesetzt. Die Autoren einer 2008 im Fachjournal ScienceDirect veröffentlichten Studie stellten fest, dass die Auslaugung von Antimon in handelsüblichen Wasserflaschen im Laufe der Zeit allmählich erfolgt, aber die Mengen viel geringer als das seien, was als gefährlich angesehen wird.

Plastikflaschen sind nicht ungesund – Bakterien schon

Wenngleich die Materialien, die zur Produktion genutzt werden, Plastikflaschen nicht ungesund zu machen scheinen, kann ihr Inhalt dennoch Risiken bergen. Durch die langfristige Verwendung derselben Wasserflasche können etwa kleine Risse auftreten. In diesen Sammeln sich Bakterien, die über kurz oder lang zu einer Kontamination führen.

Bakterien können in abgefülltem Wasser sehr schnell wachsen. In einer bereits 2005 veröffentlichten Studie wurde ein Anstieg von 1 Kolonie pro ml auf 38.000 Kolonien pro ml in 48 Stunden festgestellt, wenn die Flasche bei 37 °C gelagert wurde.

Während das Trinken aus Plastikflaschen nur bedingt ungesund ist, fällt das Ausmaß der Meeresverschmutzung durch diese und andere Güter weit höher aus, als bislang angenommen. Das britische Forscherteam um Professorin Pennie Lindeque des Plymouth Marine Laboratory untersuchte die Konzentration von Mikroplastik vor der britischen und der US-amerikanischen Küste – und stieß dabei auf beunruhigende Ergebnisse.

Du willst mehr von uns lesen? Folge uns auf Google News.