Was passiert mit unserem Gehirn, wenn wir sterben? Ist es dann einfach nicht mehr aktiv? Einer Studie von 2021 zufolge werden nicht alle Aktivitäten der Zellen sofort eingestellt. Manche Zellen erhöhen sie sogar nach dem Tod. Für die Hirnforschung dürfte die Entdeckung der sogenannten „Zombie-Gene“ eine große Wichtigkeit haben.

Für die Hirnforschung: Das bedeuten die Erkenntnisse

Die Universität of Illionois Chicago (UIC) veröffentlichte im März 2021 eine Studie, aus der hervorgeht, dass die Zellaktivität im menschlichen Gehirn nach dem Tod sogar verstärkt auftreten kann. Die UIC-Forschenden kamen zu diesem Ergebnis, als sie die Genexpression in frischem Hirngewebe anylsierten. Dieses wurde während einer routinemäßigen Gehirnoperation gesammelt. Die sogenannten „Zombie-Gene“ waren laut einer Pressemitteilung der Universität spezifisch für einen Zelltyp, nämlich den Entzündungszellen (Gliazellen). Das könnte Konsequenzen für die Hirnforschung haben.

„Dass sich Gliazellen nach dem Tod vergrößern, ist nicht allzu überraschend, da sie entzündlich sind und ihre Aufgabe darin besteht, Dinge nach Hirnverletzungen wie Sauerstoffmangel oder Schlaganfall zu beseitigen.“

So Dr. Jeffrey Loeb, Professor und Autor der Studie.

Die Entdeckung ist aber deshalb von Bedeutung, weil die meisten anderen Forschungsstudien, die nach einer möglichen Behandlung oder nach einem Heilmittel für verschiedene Erkrankungen wie Alzheimer, aber auch Autismus oder Schizophrenie suchen, diese Veränderungen nach dem Tod nicht berücksichtigen. „Die meisten Studien gehen davon aus, dass alles im Gehirn aufhört, wenn das Herz aufhört zu schlagen, aber so ist das ist nicht“, erklärt Dr. Jeffrey Loeb.

Was ist Alzheimer?
Alzheimer ist eine unheilbare Störung des Gehirns und die häufigste Form der Demenz. Menschen mit Alzheimer werden zunehmend vergesslich, verwirrt und orientierungslos, weil Nervenzellen im Gehirn absterben. Es bestehen verschiedene Möglichkeiten, Alzheimer und die Folgeerscheinungen der Krankheit zu stoppen, doch behandeln lässt sie sich bisher nicht. (Quelle: Alzheimer Forschung Initiative e.V.)

Weitere Erkenntnisse der Studie

Die neuen Erkenntnisse würden benötigt, um die Forschung an menschlichem Gehirngewebe zu interpretieren. Außerdem konnten die Forschenden zeigen, dass etwa 80 Prozent der analysierten Gene noch bis zu 24 Stunden nach dem Tod eine relativ stabile Aktivität aufweisen. Das sind unter anderem die Haushälter-Gene, welche dafür verantwortlich sind, dass die grundlegende zelluläre Funktion sichergestellt ist.

Eine Gen-Gruppe, die in den Nervenzellen vorkommt, wird nach dem Tod laut der Studie jedoch recht schnell abgebaut. Diese Zellen sind etwa bei der Gedächtnis- und Denkfunktion beteiligt. Genau diese Gene sind bei der Erforschung von Alzheimer und Schizophrenie elementar.

„Die gute Nachricht aus unseren Ergebnissen ist, dass wir jetzt wissen, welche Gene und Zelltypen stabil sind, welche abgebaut werden und welche im Laufe der Zeit zunehmen, damit die Ergebnisse von postmortalen Hirnstudien besser verstanden werden können“, so Dr. Jeffrey Loeb abschließend. In der Studie selbst heißt es:

„Das Verständnis dieser zeitabhängigen Veränderungen der Genexpression in Post-Mortem-Gehirnproben ist entscheidend für die Interpretation von Forschungsstudien zu Erkrankungen des menschlichen Gehirns.“

Hier geht es zur Studie.

Faszination Gehirn: 4 Fakten
1. Es besteht zu 80 bis 90 Prozent aus Wasser, der Rest ist vor allem Fett
2. Es verfügt über mehr als 100 Milliarden Nervenzellen und die Nervenbahnen aneinandergereiht wären etwa 5,8 Millionen Kilometer lang
3. Es macht nur zwei Prozent unseres Körpergewichts aus
4. Es braucht 20 Prozent des Sauerstoffs, den wir insgesamt verbrauchen

Weiteres Spannendes zur Hirnforschung

Hast du schon mal gehört, dass man sagt, der Mensch nutze nicht die volle Kapazität seines Gehirns? Das genau sagt die Hirnforschung dazu. 2020 fanden Expert:innen der Hirnforschung heraus, dass ein voreingenommenes Handeln streng mit den Hirnströmen in Zusammenhang steht. In einer weiteren Studie kam außerdem heraus, was kurz vor dem Tod im Gehirn passiert. Das gibt uns Aufschlüsse über die Nahtoderfahrung.

Auch interessant: So macht unser Gehirn Erinnerungen.

Quellen: Universität of Illionois Chicago , Studie: „Selective time-dependent changes in activity and cell-specific gene expression in human postmortem brain“ (Scientific Reports, 2021), Alzheimer Forschung Initiative e.V.

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