Auch Jahrzehnte nach dem Super-Gau im Kernkraftwerk in Tschernobyl (Ukraine) am 26. April 1986 gibt es messbare Aktivitäten. Diversen Medienberichten zufolge haben Wissenschaftler:innen dort in einem unerreichbaren Raum eine Zunahme nuklearer Reaktionen ausgemacht.

Infobox: Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl
Die Katastrophe ereignete sich im Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl, das 1970 in der Nähe der Stadt Prypjat erbaut wurde. Grund für das bisher größte Unglück in der Geschichte der Kernenergie waren gravierende Baumängel des sowjetischen Reaktortyps sowie eklatante Defizite in der Sicherheitskultur.

Die Werte der Strahlung, die durch den Super-GAU freigesetzt wurde, liegen in der Ruine und der umliegenden Gebieten einschließlich Prypjat zwischen 0,1 und 300 Sievert pro Stunde. Das entspricht fast einer Milliarde Mal mehr als die übliche natürliche Hintergrundstrahlung ausmacht. Laut Der Umweltschutzorganisation Greenpeace sind durch das Unglück rund 93.000 Menschen zu Tode gekommen. Bis Tschernobyl wieder bewohnbar ist, soll es Schätzungen zufolge bis April 101.986 dauern.


Kernkraftwerk Tschernobyl: Ansteigende Neutronenlevel

Forscher:innen, die die Ruinen des ehemaligen Kernkraftwerks in Tschernobyl in der Ukraine überwachen, haben einen Anstieg an Spaltreaktionen in einer unerreichbaren Kammer in den Kellerräumen des Gebäudes ausgemacht. Sie untersuchen, ob sich das Problem von allein stabilisieren wird oder ein gefährlicher Eingriff nötig ist, um eine rasante Nuklearreaktion zu verhindern.

Im Detail soll sich die Zahl der Neutronen in einem als 305/2 bezeichneten unterirdischen Raum stetig erhöhen, wie LiveScience unter Berufung auf Medienberichte erklärt. Der Raum ist gefüllt mit Bauschutt, der einen radioaktiven Brei aus Uranium, Zirkonium, Graphit und Sand einschließt. Die ansteigenden Neutronenlevel deuten jedoch an, dass dieser neue Reaktionen zeigt, wobei Atomkerne von Uranium gespalten und Energie freigesetzt wird.

Kann es zu einer erneuten Explosion im Kernkraftwerk Tschernobyl kommen?

Wie Neil Hyatt, Nuklearchemiker an der Universität Sheffield, gegenüber Science Magazin erklärt, schwelt der radioktive Müll derzeit vor sich hin „wie die Glut in einem Grill“. Wird jedoch zu lange nicht eingegriffen, seien eine Selbstentzündung der Glut und eine weitere Explosion möglich.

Sollte es dazu kommen, hätte diese zumindest nicht die Ausmaße der ursprünglichen nuklearen Katastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl 1986, die tausende Menschen das Leben kostete und eine radioaktive Wolke über Europa bedeutete. Im aktuellen Fall würde die Explosion wohl größtenteils durch die Schutzhülle des Kerkraftwerks Tschernobyl eingedämmt, die ein Jahr nach der Katastrophe um den zerstörten Reaktor errichtet wurde.

Wie Science Anatolii Doroshenko vom Institute for Safety Problems of Nuclear Power Plants (ISPNPP) zitiert, der Ende April während Diskussionen über eine Demontage des Reaktors auch über die Aktivitäten im Kernkraftwerk Tschernobyl sprach, stünden zumindest noch ein paar Jahre für mögliche Maßnahmen an. Dies sei dadurch bedingt, dass die Neutronenlevel zwar stetig, aber dafür langsam ansteigen würden.

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