Die Jupitermonde sind die Trabanten des größten Planeten in unserem Sonnensystem. Aufgrund seiner Gravitation hat Jupiter im Laufe seines Lebens kleine Felsbrocken angezogen, die nun um ihn kreisen. Doch im Zuge seiner Entstehung entstanden auch Monde, die eigene Welten für sich sind.

Anzahl der entdeckten Jupitermonde steigt weiter an

Noch 2017 entdeckten Astronom:innen zwölf weitere Monde im Orbit des Gasriesen. Damit stieg die Anzahl der Jupitermonde auf stolze 79. Der kleinste dieser neuen Monde misst nicht einmal einen Kilometer. Auf den Namen Valetude getauft, der Göttin der Gesundheit und Urenkelin Jupiters, ist dieser Himmelskörper der kleinste Mond im Sonnensystem.

Doch wie viele Monde Jupiter wirklich besitzt, wird unser Wissenschaftler:innen bis heute diskutiert. Dass 79 eine zu kleine Anzahl sei, zeigte sich durch immer neue Entdeckungen immer leistungsstärkerer Teleskope.

So beobachtete 2019 die Hauptkamera des Canada-France-Hawaii Teleskops drei Stunden lang einen Jupiterquadranten. Das Ergebnis: Allein in diesen drei Stunden entdeckten Astronom:innen 45 neue Jupitermonde. Manche von ihnen messen lediglich 800 Meter im Durchmesser.

Aber allein die Entdeckung dieser 45 neuen Himmelskörper zeigt, dass Jupiter potentiell noch sehr viel mehr Monde haben könnte, als bisher angenommen wird. Laut scinexx könnte Jupiter demnach 600 weitere stille Begleiter in seinem Orbit versammeln. Mit immer besseren Teleskopen könnte die Liste der Jupitermonde größer werden.

Wann ist ein Mond ein Mond?

Die 45 neuen Monde des Gasriesen wurden bisher nicht als Monde bestätigt. Damit ein Objekt offiziell als Mond eines Planeten bestimmt werden kann, muss die exakte Umlaufbahn feststehen. Das wirft die Frage auf, ab wann ein Mond wirklich ein Mond ist.

So besitzt Jupiter Trabanten wie Pandia, mit einem Durchmesser von gerade einmal drei Kilometern. Der Mond Themisto ist ungefähr neun Kilometer groß. Diese Zahlen führen unweigerlich zur Frage, ob nicht alles ein Mond sein kann, was um einen Planeten kreist. Dann müssten aber auch größere Eispartikel in den Ringen des Saturns als solche kategorisiert werden.

Die meisten seiner Monde fing Jupiter aufgrund seiner enormen Anziehungskraft auf. Eine vollständige Liste aller bisher anerkannten Jupitermonde findest du hier.

Vier Jupitermonde
Die vier größten Jupitermonde Io, Europa, Ganymede und Callisto sind eigene Welten für sich. Credit: imago images / United Archives International

Die großen Jupitermonde

Besonderes Augenmerk legt die Astronomie auf die vier Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Kallisto. Sie haben alle einen Durchmesser von über 3.000 Kilometer und gehören somit zu den größten natürlichen Satelliten des Planeten. Dabei stellt jeder einzelne dieser Monde eine besondere Welt für sich dar.

#1: Io

Io ist der innerste Jupitermond der vier großen Monde und mit einem Durchmesser von 3.643 Kilometer auch der viergrößte Mond im Sonnensystem. Für einen Mond ist die Oberfläche extrem vielfältig. Er weist keinerlei Einschlagskrater, aber dafür liegen auf ihm Seen aus flüssigen Schwefel.

Eine weitere Besonderheit: Der Mond ist vulkanisch aktiv. Seine Lavaströme können sich teils über hunderte Kilometer erstrecken. Im gesamten Sonnensystem wurde noch kein vergleichbarer Vulkanismus nachgewiesen wie auf diesem Mond.

#2: Europa

Europa ist der einzige der vier Jupitermonde, der kleiner ist als der Erdenmond. Dennoch ist er mit einem Durchmesser von 3.122 Kilometern der sechstgrößte im Sonnensystem. Seine größte Besonderheit liegt in der Beschaffenheit seiner Oberfläche. Denn während es auf Io Dank der Lavaströme brühend heiß sein kann, überzieht Europa ein dicker Eismantel.

Im Zuge verschiedener Raumfahrtmissionen, entdeckten Wissenschaftler:innen immer spannendere Details über den Eismond. So scheint es etwa, dass Europa das größte Wasserreservoir im Sonnensystem darstellt. Demnach soll unter dem Eispanzer der größte Ozean des Sonnensystems verborgen liegen.

#3: Ganymed

Er ist mit 5.262 Kilometer Durchmesser der größte Mond im Sonnensystem. Ganymed scheint eine trostlose Eiswüste mit einer Vielzahl größerer und kleiner Einschlagskrater zu sein. Dennoch bietet der Trabant allerhand Überraschungen. Denn im Gegensatz zu unseren Mond besitzt Ganymed Bergzüge, die durch tektonische Plattenverschiebungen entstanden sein müssen.

Außerdem besitzt der Mond eine Magnetosphäre, die die Raumsonde Juno erst kürzlich als Audiosignal aufnahm. Und im Gegensatz zu unseren Mond besitzt Ganymed sogar eine sehr sauerstoffarme Atmosphäre.

#4: Kallisto

Kallisto ist neben den Monden Ganymed und dem Saturnmond Titan der drittgrößte Mond im Sonnensystem. Sein Durchmesser beträgt 4.821 Kilometer. Trotz dieser Größte geht die Wissenschaft von einem relativ gleichförmigen Gesteinsobjekt aus. Der Kern besteht demnach aus Fels, Eis und Eisen. Ohne einem heißen Kern kann es auch kein wirkliches Magnetfeld geben und doch besitzt Kallisto eine sehr dünne Atmosphäre aus Kohlendioxid.

Trotzdem er keinen heißen Kern besitzt, befindet sich unter seinem Mantel aus Eis und Staub ein mehrere Kilometer tiefer Ozean aus flüssigem Wasser. An manchen Stellen ist das Wasser durch Asteroideneinschläge an die Oberfläche getreten und hat sich dort als Eis verfestigt. Die helleren Flecken im Inneren mancher der Krater zeugen von diesen Ereignissen.

Und selbst wenn Kallisto ein geologisch toter Himmelskörper ist, ist er zugleich auch der geologisch älteste im Sonnensystem. Seine von tausenden Kratern zerfurchte Landschaft ist etwa 4 Milliarden Jahre alt.

Mondtransit Io, Kallisto, Europa
Drei der vier Hauptmonde des Jupiters aufgenommen vom Hubble-Weltraumteleskop. Credit: NASA, ESA, Hubble Heritage Team

Jupitermonde: Neues Verständnis von möglichem Leben im Universum

Vor allem an den vier Hauptmonden des Jupiters können Astronom:innen Mutmaßungen darüber treffen, wie Leben auch außerhalb der Erde möglich wäre. Der Eismond Europa besitzt nicht nur den größten Ozean im Sonnensystem, sondern könnte auch Heimat außerirdischer Mikroben und Bakterien sein.

Der Vulkanismus auf Ganymed und Io führte den Wissenschaftler:innen vor Augen, dass auch Monde teils wie Planeten funktionieren können. Hieraus ließen sich auch für die Planetologie Rückschlüsse darüber ziehen, welche Bedingungen ein Planet vorweisen muss, damit auf ihm Leben möglich ist.

Quellen: BR Wissen, de-academic.com, NASA, esahubble.org, scinexx, eigene Recherche

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