Zugegeben: Dass der Mensch seinen Fuß noch nicht auf den Mars gesetzt hat, ist aufgrund der technischen Schwierigkeiten durchaus nachvollziehbar. Dass wir aber noch keine Raumstation auf dem Mond errichtet haben, leuchtet zumindest am Anfang nicht ein. Zwar stehen in naher Zukunft Missionen an, aber die Fakten zeigen, dass eine Reise zum Mond nicht unterschätzt werden sollte.

Raumstation und Mond: Schwerer als gedacht

Der Mond ist nah. Genauer gesagt liegt unser Trabant mit einem Abstand von 384.400 Kilometern so nah an unserem Planeten, dass die Apollo 11-Mission lediglich 76 brauchte, um auf seiner Oberfläche zu landen. Von 1969 bis 1972 besuchten dann regelmäßig Astronauten den nahen Himmelskörper.

Und trotzdem haben wir 2022 noch keine Mondbasis errichtet. Das ist einerseits historisch zu erklären, andererseits hängt das aber auch mit den harschen Bedingungen auf der Oberfläche des Mondes zusammen. Alle Faktoren zusammen ergeben ein Mosaik, dass ein gutes Bild darüber liefert, wieso uns die Raumstation auf dem Mond bis heute verwehrt bleibt.

#1: Die Mission war erfüllt

An der Mondlandung arbeiteten tausende Wissenschaftler:innen mit. Zwar war Neil Amstrongs erster Gang auf dem Mond ein großer Schritt für die Menschheit, aber im historischen Kontext hatten die Vereinigten Staaten von Amerika ihr Ziel erfüllt: vor dem Russen auf dem Mond sein.

In den Planspielen des kalten Krieges galt die Mondlandung allem voran als ein taktischer Sieg gegenüber einem ideologischen Gegner. Bereits wenige Jahre später investierten die Großmächte das Geld eher in die Aufrüstung ihrer Armeen anstatt in die Raumfahrt. Die Idee einer zukünftigen Raumstation auf der Oberfläche des Mondes halt als blanke Fantasie.

Wie Quarks schreibt, hatte die USA während der Apollo-Missionen jedes Jahr elf Milliarden Dollar investiert. Nach dem symbolischen Sieg wurde das Budget der NASA immer weiter gekürzt. Heute hat die nationale Raumfahrtbehörde ein jährliches Budget von gerade einmal zwei Milliarden Doller. Das reicht für keine Mondbasis.

Rakete
Die Saturn V-Rakete, wie hier im John F. Kennedy Space Center in Cape Canaveral, war die einzige Rakete, die Menschen auf den Mond befördern konnte. Heute ist sie ein Ausstellungsstück. © imago images / motivio

#2: Keine geeignete Rakete

Kaum zu glauben, aber trotz aller Fortschritte in der Raumfahrt fehlt uns die Rakete. Die Saturn V war die einzige Rakete, die eigens für eine Mondlandemission konstruiert wurde. Heute wird sie nicht mehr gebaut, die Technik ist veraltet und auch sie konnte lediglich Astronauten zum Mond bringen, nicht aber die Komponenten für eine Raumstation.

SpaceX CEO Elon Musk hat erst vor Kurzem das Zeitalter neuer, leistungsstarker Raketen angekündigt. Starship ist die bisher größte je gebaute Rakete. Damit könnten auch wieder Astronaut:innen auf den Mond fliegen. Sie ist bereits jetzt als Trägerrakete von NASA´s Artemis-Mission geplant, mit der die Raumfahrtbehörde 2025 zum Trabanten fliegen möchte.

#3: Eine Raumstation auf dem Mond ist nicht die ISS

So verlockend es klingen mag, mit den zukünftig zur Verfügung stehenden Raketen eine Mondbasis zu bauen, ist ein Außenposten auf unserem Trabanten etwas nie Dagewesenes. Teile für eine Raumstation in den Orbit unseres Planeten zu tragen, ist uns mit der Internationalen Raumstation ISS durchaus schon gelungen.

Der große Unterschied: Während die ISS in einer Entfernung von 400 Kilometern um die Erde kreist, ist der Mond 384.400 Kilometer entfernt. Astronaut:innen müssten also über eine weitaus größere Distanz Bauteile von der Erde auf einen anderen Himmelskörper deponieren.

Wie Space.com erklärt, würden neben den logistischen Problemen auch ökologische Schwierigkeiten zwischen uns und dem Mond stehen. Für eine so weit entfernte Raumstation müssten wir eine Vielzahl von Raketen ins All schießen, die bei jedem Start zusätzlich Treibhausgase in die Atmosphäre blasen.

#4: Die Basis müsste vor Ort gebaut werden

Selbst mit den größten Raketen wäre der Bau einer Raumstation auf dem Mond eine logistische Meisterleistung. Deshalb suchen Wissenschaftler:innen nach Möglichkeiten, wie Gebäude mit den Materialien auf unserem Trabant gebaut werden könnten. „Mondbeton“ ist hierbei eine gängige Bezeichnung für eine Verbindung aus Mondstaub und Schwefel.

Beides kommt auf der Oberfläche vor und kann leicht vor Ort produziert werden und soll als Verbundmaterial eine hohe Festigkeit aufweisen. Außerdem gibt es Ideen, wie ein ganz bestimmter Pilz den Bau von Gegenständen vor Ort unterstützen könnte.

Lunar Rover Vehicle und Astronaut
Den bisher größten Ausrüstungsgegenstand bracht die Apollo 17-Mission 1972 auf den Mond: Das Lunar Rover Vehicle (LRV) © imago images / StockTrek Images

#5: Versorgung der Mondbasis

Hätten Astronaut:innen oder Maschinen eine Infrastruktur errichtet, stellt sich ein neues Problem: Die Grundversorgung der Basis, also Strom, Wasser und Nahrung. Zu Beginn müsste alles durch Raketen herangetragen werden.

Wollten Menschen dort dauerhaft leben und arbeiten, müsste eine Luftbrücke zwischen der Raumstation auf dem Mond und der Erde bestehen. Den bisher größten Gegenstand, den Menschen auf dem Mond bugsieren konnten, war das Lunar Rover Vehicle (LRV) im Dezember 1972.

Die Stromversorgung würde hierbei ein großes Problem darstellen. Im Gegensatz zur Erde dreht sich der Mond alle 28 Tage um sich selbst. Ein Tag hat wie auch die Nacht 14 Tage. Solarenergie kann in solchen Zyklen nur funktionieren, wenn ein Modul die Energie auch in ausreichenden Mengen speichert.

Sinnvoller wäre es jedoch, eine Raumstation an den Polen des Mondes zu errichten. Hier würde das Sonnenlicht dauerhaft auf die Solarmodule fallen.

#6: Und die Astronaut:innen?

Und schließlich muss es den Astronaut:innen gut gehen. Weil der Mond weder eine Atmosphäre, noch ein Magnetfeld besitzt, wären Menschen Sonnenwinden schutzlos ausgeliefert. Selbst in Behausungen auf der Oberfläche wäre die Strahlungsbelastung enorm.

Außerdem spielt die geringe Schwerkraft eine große Rolle. Astronaut:innen müssten täglich Sport treiben, um einem stätigen Muskelabbau entgegenzuwirken. Aufgrund der geringen Schwerkraft müssen Muskel sehr viel weniger Gewicht tragen und die Muskelmasse nimmt stätig ab.

Raumstation auf dem Mond: Die Anstrengungen könnten es wert sein

Doch obwohl es so viele Widrigkeiten zu meisten gibt, scheint die erste Mondbasis nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Die Gedanken darüber, ob Menschen auf dem Mond einen Außenposten errichten können, sind vergleichbar mit jene Vorstellung, ob er jemals auf dem Mond landen könnte. Bereits 1969 lieferte die Apollo 11-Mission den Beweis, dass es geht.

NASA´s geplante Artemis-Mission könnte in den kommenden Jahren ein neues Kapitel der Raumfahrtgeschichte aufschlagen, das hoffentlich länger währt als Apollo. Schließlich glauben Wissenschaftler:innen, dass eine Mondbasis der ideale Startpunkt für künftige Reisen zum Mars sein könnte.

Quellen: eigene Recherche, Space.com, Quarks

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