Es gibt viele unterschiedliche Arten von und Modelle zur Intelligenz. Zur Messung beim Menschen hat sich seit der Entwicklung des Binet-Simon-Test Anfang des 20. Jahrhunderts einiges getan. Der Intelligenzquotient, den wir basierend auf der jeweils verwendeten Skala errechnen, lässt sich aber nicht auf Pflanzen, Pilze oder gar ganze Planeten anwenden. Sie greifen auf etwas andere Intelligenzkonzepte zurück – so auch der Planet Erde.

Planet Erde: Wie misst man seine Intelligenz?

Im Rahmen einer Studie legten sich Adam Frank, Professor für Astrophysik an der britischen Cambridge University, und sein Team auf vier Evolutionsstufen planetarer Intelligenz fest. Ihre Ausführungen veröffentlichten Frank, Grinspsoon und Walker im International Journal of Astrobiology. Die Idee des Teams: Das Intelligenzmodell könnte es uns ermöglichen, den Planeten Erde anhand atmosphärischer Hinweise mit anderen Planeten zu vergleichen. Konkret gehen die Forscher*innen von folgenden Stufen aus:

  • Stufe 1 Unausgereifte Biosphäre: Es gibt bereits Mikroben, aber noch keine Vegetation. Das Leben übt keine Kräfte auf Erdatmosphäre, Hydrosphäre oder gar andere Planeten aus – es gibt kaum globale Rückkopplungen.
  • Stufe 2 Ausgereifte Biosphäre: Es bilden sich stabile Kontinente, Vegetation und Photosynthese entwickeln sich ebenso wie die Ozonschicht. Die Biosphäre übt starken Einfluss auf den Planeten aus.
  • Stufe 3 Unausgereifte Technosphäre: Rückkopplungen technologischer Aktivität erzeugen starke Kräfte auf das gekoppelte planetare System, die es in neue dynamische Zustände treiben. Die Antriebe sind nicht durch die Gesundheit der betreibenden Zivilisation eingeschränkt.
  • Stufe 4 – Ausgereifte Technosphäre: Rückkopplungsschleifen zwischen technologischen Aktivitäten und biogeochemischen und biogeophysikalischen Zuständen wurden absichtlich modifiziert. Sie sollen maximale Stabilität und Produktivität des Gesamtsystems gewährleisten.

Wo in diesem System befindet sich aktuell der Planet Erde? Frank und seinem Team zufolge befindet er sich aktuell auf Stufe 3. Das bedeutet, dass wir noch Luft nach oben haben.

Unser Weg in die Zukunft

„Planeten durchlaufen unreife und reife Stadien, und die planetarische Intelligenz ist ein Indikator dafür, wann man einen reifen Planeten erreicht“, erklärt Frank. „Die Millionen-Dollar-Frage besteht darin, herauszufinden, wie planetare Intelligenz aussieht und was sie für uns in der Praxis bedeutet, denn wir wissen noch nicht, wie wir zu einer ausgereiften Technosphäre gelangen können.“

Die Biosphäre habe vor Milliarden von Jahren herausgefunden, wie sie selbst Leben beherbergen kann. Nun sei es an uns herauszufinden, wie wir dieselbe Art von Selbsterhaltung in der Technosphäre erreichen können.

Quelle: „Intelligence as a planetary scale process“ (2022, International Journal of Astrobiology); University of Rochester

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