Spätestens seit der Coronavirus-Pandemie wollen oder müssen viele Menschen Hilfe in Anspruch nehmen, da die anhaltende Situation belasten kann. Das geht etwa in Form von Online-Selbsthilfegruppen oder auch Internet-Selbsthilfegruppen (ISG). Der Vorteil von der Hilfe über das Internet: Sie kommt in der Regel schneller als ein Therapieplatz. Doch wie hilfreich sind solche Online-Selbsthilfegruppen bei Depressionen? Forschende nahmen sich der Frage bereits vor einigen Jahren an.

Online-Selbsthilfegruppen: Das ist die Studie

Wissenschaftler*innen verschiedener Universitäten in den USA veröffentlichten 2017 eine Studie zum Thema Internet-Selbsthilfegruppe bei Menschen mit Depressionen. Dabei kam heraus, dass diese Form der Hilfe zwar nicht schadet, allerdings bringt sie kaum etwas.

Bei der Untersuchung nahmen 34 Menschen teil. Im Verlauf der Studie traten keine Selbstverletzungen auf, zwei Teilnehmenden entwickelten jedoch Gedanken zur Selbstverletzung. Insgesamt bewerteten die Proband*innen die Online-Selbsthilfegruppe gemischt. Zu diesem Fazit kommen die Forschenden:

„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Depressionswerte im Laufe der Zeit nicht verschlechterten, was darauf hindeutet, dass ISGs potenziell sicher in der Anwendung sind.“

Brady C Goodwin et al.

Die Teilnehmenden zeigten außerdem Steigerungen der Selbstwirksamkeit. Sie entwickelten also ein stärkeres Gefühl dafür, ihre Gefühle beeinflussen zu können. Depressive Symptome waren nach der sechswöchigen Online-Selbsthilfegruppe zum Teil niedriger als zuvor. Insgesamt scheine die Art der Online-Hilfe sicher zu sein, hatte aber nur einen begrenzten Einfluss auf die Depression.

Eine Online-Selbsthilfegruppen kann laut der Untersuchung also nicht Schaden. Allerdings ersetzt sie keine Therapie.

Quelle: „First, Do No Harm: Referring Primary Care Patients with Depression to an Internet Support Group“ (Telemedicine and e-Health, 2017)

Hilfe bei Depressionen

Bist du depressiv oder hast den Verdacht, depressiv zu sein, ist ein Gespräch mit Arzt/Ärztin oder Psychotherepeut*in unverzichtbar. Laut der Deutschen Depressionshilfe ist für die Diagnostik und Behandlung von Depression grundsätzlich der Hausarzt/die Hausärztin die erste Ansprechperson.

  • Die Terminstelle der Kassenärztlichen Vereinigungen vermittelt telefonich einen Termin für eine Sprechstunde: Telefonnummer 116 117
  • In Notfällen – zum Beispiel bei drängenden und konkreten Suizidgedanken – solltest du dich an die nächste psychiatrische Klinik oder eine den Notarzt wenden: Telefonnummer 112. Hier findest du Klinikadressen.
  • Die Telefonseelsorge erreichst du rund um die Uhr und kostenfrei unter 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222.
  • Menschen unter 25 können sich außerdem an einen Krisenchat wenden (Link)
  • Noch mehr Hilfe findest du bei der Deutschen Depressionshilfe.

Seit dem 24. Februar 2022 herrscht Krieg in der Ukraine: Hier kannst du den Betroffenen helfen.

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