Die bekanntesten gesundheitlichen Folgen eines Zeckenbisses sind Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). 2009 rückte dann eine weitere Erkrankung in den Fokus der Wissenschaft. Erstmalig sah man eine Verbindung zwischen dem Stich der Tiere und dem sogenannten Alpha-Gal-Syndrom (AGS). Während das Phänomen globaler Natur ist, steigt die Zahl der Betroffenen in den USA derweil.

Wie kann ein Zeckenbiss eine Fleischallergie auslösen?

Bekannt ist AGS erst seit 2009 und gehörte anfangs noch zu den wenig beachteten Kuriositäten. Damals gab es lediglich 24 Fälle in den USA, wie Expert*innen der Cleveland Clinic erklären. Nur wenige Jahre später, zwischen 2010 und 2018, wurden dort einer Studie zufolge allerdings bereits rund 34.000 Fälle bestätigt. Ganz aktuell sorgt die Amerikanische Waldlaus (auch Lone Star Zecke) laut Business Insider für zunehmende Fälle von Fleischallergie. Sie scheint dort der Hauptauslöser zu sein.

Wie Dr. Jörg Fischer von der Universitäts-Hautklinik in Tübingen bestätigt, handelt es sich dennoch um „ein globales Problem. Entsprechende Zecken kommen auf allen Kontinenten vor.“ In Deutschland sei dies vor allem der Gemeine Holzbock.

Verantwortlich für die allergische Reaktion ist der Doppelzucker Galaktose-alpha-1,3-Galaktose (Alpha-Gal). Dieser kommt Fischer zufolge auf Proteinen aller Säugetiere vor, ausgenommen Primaten und Menschen. Der Körper von Fleischallergikern reagiert also auf Zuckermoleküle, statt wie sonst auf Eiweiße.

Ein Zeckenbiss kann AGS auslösen, wenn sich das Tier zuvor an einem Säugetier genährt hat. Dann trägt es Alpha-Gal in sich. Beißt es danach einen Menschen, kann das zu einer Immunreaktion führen. Die gebildeten Antikörper treten dann immer in Aktion, sobald tierische Produkte verzehrt werden. In Einzelfällen soll sogar der Geruch von Fleisch für allergische Reaktionen ausreichen, wie Business Insider weiter berichtet.

Besondere Symptome und Problematik der Fleischallergie

Mit einer Fleischallergie ist den Symptomen nach zu urteilen nicht zu spaßen. Wie der NDR berichtet, setzen oftmals Nesselsucht und eine Schwellung der Augen und Lippen ein. Manchmal ist auch die Zunge betroffen. Dazu beginnt die Haut am ganzen Körper zu jucken, rötet sich und kann Quaddeln entwickeln. Auch Unwohlsein, Bewußtlosigkeit sowie Magen-Darm-Beschwerden sind demnach nicht unüblich.

Ein großes Problem ist allerdings das zeitversetzte Einsetzen der Symptome. So kommt es nicht direkt nach dem Verzehr zu gesundheitlichen Störungen, sondern erst nach drei bis sechs Stunden. Nicht selten treten entsprechende Beschwerden also mitten in der Nacht auf.

Keine Heilung für AGS

Wer durch einen Zeckenbiss eine Fleischallergie entwickelt hat, muss Dr. Arnaldo Perez von der Cleveland Clinic zufolge lernen, damit zu leben. Dazu sei es nötig, auf diverse Nahrungsmittel zu verzichten.

Die Liste beginnt dabei mit Fleisch von Säugetieren, einschließlich Rind, Schwein, Lamm und Wild. Ebenso sei Fleisch von pelzigen, warmblütigen Lebewesen tabu. Aber auch Gelatine, Schmalz oder Milchprodukte könnten problematisch werden.

Immerhin: Da zumindest Geflügel und Fisch kein Alpha-Gal enthalten, können diese weiterhin ohne Schwierigkeiten auf den Speiseplan.

Quellen: Business Insider, NDR, Cleveland Clinic, Pharmazeutische Zeitung, Annals of Asthma, Allergy & Immunology: „Diagnostic testing for galactose-alpha-1,3-galactose, United States, 2010 to 2018

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