Laut dem Bundesministerium für Gesundheit konsumieren 6,7 Millionen Personen in Deutschland Alkohol in „riskanter Form“. Der Weg zur regelrechten Alkoholsucht ist demnach nicht weit. Eine Studie will nun in einem Experiment mit Mäusen den ausschlaggebenden „Suchtschalter“ im Gehirn gefunden haben. Die Ergebnisse könnten für die Behandlung von Alkoholikern und Alkoholikerinnen bedeutend sein.

Alkoholsucht kann Angstzustände auslösen

Die Studie veröffentlicht im Fachmagazin Science Advances beschreibt, dass früher Alkoholkonsum im Jugendalter zu späterer Alkoholsucht führen kann. Dabei komme es zu einer „Reprogrammierung“ im Gehirn, genauer in der Amygdala, und wirkt sich damit direkt auf das vegetative Nervensystem aus, wie Spektrum erklärt.

Die Untersuchung bei Mäusen lässt nun neue Hoffnung für Sucherkrankte zu. Dort konnte in einem Versuch der Suchtschalter in der Amygdala identifiziert werden, der „zu einer Abschwächung der Angst bei Erwachsenen und übermäßigem Alkoholkonsum in einem Rattenmodell der Alkoholexposition bei Jugendlichen führte.“ Das bedeutet konkret: Symptome der Alkoholsucht wie Angstzustände, aber auch die Sucht an sich konnten zumindest bei Mäusen minimiert werden.

Ersetzt der Schalter eine Therapie?

Für Alkoholiker und Alkoholikerinnen kann dies „die Psychopathologie von Erwachsenen nach Alkoholexposition bei Jugendlichen verbessern“. Allerdings bleibt fraglich, ob diese Vorgehensweise eine Therapie bei Alkoholsucht auch ersetzen könne. So beschreibt das Bundesministerium für Gesundheit: „In der Gesellschaft herrscht eine weit verbreitete unkritisch positive Einstellung zum Alkohol vor“. Dabei gelten 1,6 Millionen Menschen der Altersgruppe von 18 bis 64 Jahren als alkoholabhängig.

Laut ICD-10 zählt die Alkoholsucht zu den psychischen Erkrankungen, die eine Vielzahl verschiedener psychischer Folgeerkrankungen auslösen kann. Das Bundesministerium für Gesundheit warnt ebenfalls vor körperlichen Folgen, wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Daher ist zu debattieren, ob der Studienansatz grundsätzlich mit psychotherapeutischen Methoden ergänzt werden muss und sollte, um einen ganzheitlichen Effekt im Kampf gegen die Alkoholsucht zu erzeugen.

Quelle: „Targeted epigenomic editing ameliorates adult anxiety and excessive drinking after adolescent alcohol exposure“ (Mai 2022, Science Advances), Bundesministerium für Gesundheit, ICD-10

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