Über Monate oder gar Jahre kann sich Alkoholsucht schleichend entwickeln. Nicht immer ist es also leicht, diese zu erkennen. Forschende der Universität Leicester in Großbritannien fanden jedoch in einer Studie heraus, dass in einem ersten Erkennungsschritt nur zwei Fragen ausreichen könnten, um eine Alkoholikerin oder einen Alkoholiker zu erkennen. Zusätzlich dazu gibt es offizielle Selbsttests, die alle zuhause durchführen können.

Alkoholikerinnen und Alkoholiker erkennen: Die 2 Fragen

Die Fragen, die gestellt werden können, um Alkoholikerinnen und Alkoholiker zu erkennen sind Folgende:

  1. Wie oft trinkst du zu einem Anlass mindestens sechs alkoholische Getränke?
  2. Ist im vergangenen Jahr wegen deines Alkoholkonsums etwas passiert, das du bereust?

Die Forschenden der Universität Leicester in Großbritannien stellten mithilfe statistischer Analysen fest, dass durch diese zwei Fragen in 87,2 Prozent der Fälle, Personen mit Alkoholproblemen identifiziert werden konnten. Außerdem konnten in 79,8 Prozent der Fälle Personen ohne Alkoholprobleme richtig identifiziert werden. Das berichtet die Pressestelle der Universität.

Die Antworten auf die Fragen könnten entweder Alkoholprobleme ausschließen oder potenziell übermäßige oder unsichere Trinkgewohnheiten ans Licht bringen.

Alkoholkonsum in Deutschland
– 6,7 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskanter Form
– 1,6 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren gelten als alkoholabhängig (ESA 2018 via Bundesministerium für Gesundheit)
Der Verbrauch von Reinalkohol pro Kopf im Alter ab 15 Jahren lag im Jahr 2018 bei 10,7 Liter. Im Jahr 1970 lag er bei 14,4 Liter (laut Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.)

Für medizinisches Personal besonders wichtig

Besonders für Hausärztinnen und Hausärzte sind diese beiden Fragen relevant. In der Grundversorgung herrsche laut dem Leiter der Studie, Dr. Alex Mitchell, großer Zeitdruck, sodass diese nicht viel Zeit hätten, allen Patient:innen eine lange Liste von Fragen zu stellen. Viele Menschen mit Alkoholsucht könnten möglicherweise nicht die Hilfe bekommen, die sie brauchen.

„Unsere Arbeit zeigt, dass das Stellen von nur zwei Fragen an Patient:innen relativ gut funktioniert, aber bei denen, die zunächst positiv getestet wurden, ein längerer Fragebogen mit vier Fragen folgen muss“, so Dr. Alex Mitchell. Hierfür wurde der CAGE-Test entwickelt.

Das ist der CAGE-Test

CAGE ist wie folgt zusammengestellt:

  • Cut Down Drinking (Reduzierung)
  • Annoyance (Verärgerung)
  • Guilty (Schuldgefühle)
  • Eye Opener (Muntermacher)

Folgende Fragen sollen mit Ja oder Nein beantwortet werden:

  • Haben Sie jemals daran gedacht, weniger zu trinken?
  • Haben Sie sich schon einmal darüber geärgert, dass Sie von anderen wegen Ihres Alkoholkonsums kritisiert wurden?
  • Haben Sie sich jemals wegen Ihres Trinkens Schuldig gefühlt?
  • Haben Sie jemals morgens als erstes Alkohol getrunken, um sich nervlich zu stabilisieren oder einen Kater loszuwerden?

Die Forschenden fanden heraus, dass in 90,9 Prozent aller Fälle Patient:innen mit Alkoholproblemen richtig identifiziert würden, wenn sowohl der kurze Test als auch die Umfrage durchgeführt werden.

„Dies bedeutet, dass potenziell alle Patient:innen, die ihren Hausarzt aufsuchen, in relativ kurzer Zeit auf Alkoholprobleme untersucht werden könnten, mit einem hohen Maß an Genauigkeit, insbesondere bei der Erkennung von Personen, die keine Intervention benötigen.“

So laut University of Leicester

Alkoholkonsum-Test der WHO

Es ist außerdem möglich online den sogenannten Alcohol Use Disorders Identification Test (AUDIT) zu machen. Der „Alkoholkonsumstörungs-Identifikationstest“ wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt. Er beinhaltet zehn Fragen.

  1. Wie oft nehmen Sie alkoholische Getränke zu sich?
  2. Wenn Sie Alkohol trinken, wie viele Gläser trinken Sie dann üblicherweise an einem Tag?
  3. Wie oft trinken Sie 6 oder mehr Gläser Alkohol bei einer Gelegenheit (z.B. bei einem Abendessen, einem Fest oder einer Veranstaltung)?
  4. Wie oft stellten Sie im Verlauf der letzten 12 Monate fest, dass Sie mit dem Trinken nicht mehr aufhören können, wenn Sie einmal damit angefangen haben?
  5. Wie oft hinderte Sie im Verlauf der letzten 12 Monate Ihr Alkoholkonsum, das zu tun, was von Ihnen erwartet wurde?
  6. Wie häufig haben Sie im Verlauf der letzten 12 Monate am Morgen ein erstes Glas Alkohol getrunken, um in Gang zu kommen, nachdem Sie am Vortag viel getrunken hatten?
  7. Wie oft empfanden Sie in den letzten 12 Monaten Schuld- oder Reuegefühle, nachdem Sie getrunken hatten?
  8. Wie oft war es Ihnen in den letzten 12 Monaten unmöglich, sich an das zu erinnern, was am Vorabend geschah, weil Sie getrunken hatten?
    Sind Sie oder jemand anderes schon einmal verletzt worden, weil Sie getrunken hatten?
  9. Hat sich ein Angehöriger / eine Angehörige, ein/e Freund/in, ein Arzt / eine Ärztin oder eine andere Person aus dem Gesundheitsbereich schon einmal besorgt über Ihren Alkoholkonsum geäußert oder vorgeschlagen, dass Sie den Konsum einschränken sollten?
  • Fragen 1 bis 3 befasst sich mit dem Alkoholkonsum.
  • Fragen 4 bis 6 beziehen sich auf die Alkoholabhängigkeit.
  • Fragen 7 bis 10 beziehen sich auf alkoholbedingte Probleme.

Ein Wert ab sieben bei Frauen und ab acht bei Männern weist auf eine hohe Wahrscheinlichkeit eines gefährlichen oder schädlichen Alkoholkonsums hin. Es wird geraten mit dem Hausarzt oder der Hausärztin zu sprechen. Ein Wert ab 20 weist auf eine Alkoholabhängigkeit hin. Das erfordert eine spezielle Behandlung.

  • Hier kannst du den Test auf der offiziellen Seite der WHO auf Englisch machen.
  • Hier wird der Test von den Oberberg Kliniken Berlin auf Deutsch angeboten.

Übrigens: Einen Alkohol-Selbsttest kannst du auch auf der Webseite Kenn dein Limit von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung machen. Hier geht es zum Test.

Weiteres Wissenswerte zu Alkohol

Alkoholikerinnen und Alkoholiker zu erkennen kann ein erster Schritt in Richtung Hilfe sein. Das passiert in deinem Körper, wenn du aufhörst Alkohol zu trinken. Dass Alkohol nicht gut für deinen Körper ist, das zeigt auch, was passiert, wenn du dir vor Augen führst, was Alkohol deinen Gehirnzellen antut. Eine neue Studie zeigt jetzt auch, ob sich deine Stimmung wirklich besserst, wenn du Alkohol trinkst.

Quelle: Pressestelle der University of Leicester, Bundesministerium für Gesundheit, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Weltgesundheitsorganisation (WHO), Oberberg Kliniken, Kenn dein Limit

Solltest du alkoholsüchtig sein und Hilfe suchen, findest du hier Hotlines und telefonische Beratungsstellen:

  • Sucht- und Drogen-Hotline (bundesweit und rund um die Uhr): 01806 313031 (20 Cent / Anruf aus dem Festnetz, 60 Cent / Anruf aus dem Mobilfunk)
  • BZgA-Infotelefon zur Suchtvorbeugung: 0221 892031 (Preis entsprechend der Preisliste deines Telefonanbieters für Gespräche ins deutsche Festnetz): Montags bis Donnerstags von 10 bis 22 Uhr, Freitags bis Sonntags von 10 bis 18 Uhr
  • Im Netz findest du etwa Hilfe bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) oder Anonyme Alkoholiker.
  • Bei Kenn dein Limit der BZgA gibt es zahlreiche Tipps, wie du weniger Alkohol trinken kannst (hier zum Link).

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