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GIFs stehen vor ihrem Ende: Warum und wie das Bilddateiformat abgelöst wird

Lange Zeit galten GIFs als besonders coole Möglichkeit, uns über ein animiertes Bild im Looping zu bestimmten Themen zu äußern. Doch das Dateiformat ist auf dem absteigenden Ast und das hat handfeste Gründe.

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GIFs liegen im Sterben. Aber warum eigentlich? © imago images/Hans Lucas

Noch gar nicht all zu lange ist es her, da eroberten GIFs das Internet im Sturm. Mit dem Siegeszug der Social Media-Plattformen avancierten die animierten Bilddateien schnell zur einfachen Möglichkeit, uns auszudrücken und lange Erklärungen zu ersparen. Doch nun stirbt das von vielen sogar als Kunstform betrachtete Format langsam aus. Wie kommt es dazu?

GIFs: Aufstieg und Fall des beliebten Bilddateiformats

Wahrscheinlich bist du als Internetnutzender Mensch schon mindestens einmal über ein GIF gestolpert. Die sich schnell wiederholenden, meist etwas verpixelten und handlichen Loops lauerten eine Zeit lang an nahezu jeder Ecke. Sie greifen zumeist populäre popkulturelle Elemente auf. Ein etwas verwirrt dreinblickendes Baby Yoda, den das Glas hebenden Leonardo DiCaprio oder einen in der Hecke verschwindenden Homer Simpson zählten zu den wohl bekanntesten Vertretern ihrer Art.

Vor allem die beliebten Reaktions-GIFs, mit denen wir uns zu alltäglichen Situationen humorvoll äußern konnten, ohne, dass es weiterer Worte bedarf, zählten über die letzten Jahre zum Repertoire vieler Internetznutzender. Eine Zeit lang war ihr kultureller Wert sogar so bedeutsam, dass das Museum of the Moving Image in New York ihnen 2014 eine eigene Ausstellung widmete. Als „Dateiformat der Internet-Generation“, wie der damalige Leiter der Kreativstrategie von Tumblr, David Hayes, sie einst nannte, waren sie schwer wegzudenken.

Irgendwann waren GIFs sogar so beliebt, dass verschiedene Plattformen wie Facebook, Twitter und Co. eine eigene Suchfunktion für sie in ihren Textfeldern hinzufügten. Dies kann man durchaus als Wendepunkt ihrer Beliebtheit betrachten. Denn so kam es, dass sie durch die übermäßige Nutzung immergleicher Motive mehr und mehr an Reiz verloren und sich abnutzten. Dies führte unter anderem zu einem natürlichen Rückgang ihrer Nutzung, wie die GIF-Suchmaschine GIPHY sogar selbst gestand.

In der Existenzkrise: GIFs sind nur „für Boomer“ und „cringe“

So heißt es zumindest in dem Statement von GIPHY, welches das Unternehmen im Zuge der Übernahme durch Meta veröffentlichte. Darin heißt es, dass man keine nachweisbaren Einnahmen, die von Bedeutung seien, vorweisen könne. Darüber hinaus sei kein anderes Unternehmen als Meta an einem Kauf interessiert gewesen. Andere vermeintliche Interessenten hätten abgelehnt. Darüber hinaus spricht man davon, dass „insbesondere jüngere Nutzer die GIFs als ‚für Boomer‘ und ‚cringe‘ bezeichnen“ würden.

Dabei waren sie einmal etwas wirklich Besonderes. „Dies war eine Kunstform, die aus dem Internet stammte“, erklärt Matt Semke, ein Künstler, der unter dem Namen Cats Will Eat You vor allem mit dem Dateiformat arbeitet. „Videos gab es an anderen Orten, Gemälde und Fotos gab es an anderen Orten. GIFs gab es bis zum Internet einfach nirgends“ verrät er weiter. Beliebt an ihnen war vor allem die nahtlose animierte Schleife, die mit keinem anderen Dateiformat möglich war. Wegen ihrer Unhandlichkeit und ihrer Veraltung werden heutzutage viele GIFs in MP4-Videodateien umgewandelt, welche zwar eine höhere Qualität bieten, aber dafür keine perfekte Schleife bilden.

Tipp: Das sind die beliebtesten GIFs des Jahres 2021 (laut GIPHY)

Doch die Herausforderung, die man sich aufgrund der traditionellen 1-Megabyte-Grenze auf Tumblr und einer maximalen Auflösung von 500 mal 500 Pixel beim Erstellen eines GIFs selbst schaffte, war laut Semke „Teil der Kunst“. Heutzutage konvertieren die meisten beliebten Bildplattformen, darunter Imgur, aber auch Twitter, die GIF-Uploads automatisch und stellen die Animationen als MP4-Videos bereit. So kommt es auch, dass viele Videodateien mittlerweile bis zu 20 mal kleiner sind als ihre GIF-Pendants.

Künstler folgen ihrem Publikum

Im Laufe der Jahre zog ein großer Teil der digitalen Kunstszene von Tumblr, wo die GIFs lange Zeit dominierten, zu Instagram um, um ihre Sichtbarkeit zu steigern. Auf Instagram können nur Videos hochgeladen werden, sodass die Seiten von GIF-Artists als einziges Raster, versehen mit „Play“-Buttons, erscheint, während man auf Tumblr eine bewegte Wand aus animierten Bildern sieht. Dies ist allerdings nicht dasselbe und Grund dafür, dass die Künstler trotz gut besuchter Instagram-Profile noch immer ihren Auftritt auf Tumblr pflegen.

Doch auch Tumblr stellt GIFs mittlerweile in Frage. Während die Plattform noch 2015 erklärte, das echte „Zuhause für GIFs“ zu sein und das Format niemals aufgeben zu wollen, obwohl es veraltet sei, begann die Plattform in diesem Sommer damit, einer schmalen Gruppe aus Nutzern GIFs als MP4-Videos auszuspielen. Dies solle die Ladezeit von GIFs auf der Seite für Nutzende beschleunigen, wie es im offiziellen Blog heißt.

Zu guter Letzt stellt sich die Frage, wie lange es die GIFs wohl noch geben wird. Denn auch, wenn der Erfolg von Tumblr und Co. schwindet, wird es wohl noch immer Künstler geben, die sich nach der perfekten animierten Bildschleife sehnen und nur eine jene anerkennen mögen. Doch vor allem die neuen Möglichkeiten, sich mittels bewegter Bilder auszudrücken, werden GIFs auf lange Sicht wohl oder übel ablösen. Beispiele finden sich in TikTok-Clips, die mit Text versehen sind oder kurzen Twitter-Clips, die technisch dank der Einbindung von Ton sogar einen größeren Mehrwert schaffen.

Quellen: The Atlantic, Mashable, The Guardian, Tumblr, eigene Recherche

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