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Milchstraße ist zu groß: Forscher kommen zu merkwürdiger Erkenntnis

Betrachtet man die unmittelbare Umgebung unserer Galaxie, müsste sie eigentlich kleiner sein, meinen Forschende. Doch warum ist dem so?

© Getty Images/ alex-mit

Milchstraße - Die wichtigsten Fakten zu unserer Galaxie

Fakten zur Milchstraße

Seit Jahrmillionen blickt die Menschheit in den Nachthimmel, seit Jahrtausenden philosophieren wir über die Sterne, doch beginnen wir erst seit wenigen Jahrhunderten zu verstehen. So haben wir selbst über unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße, längst nicht alles in Erfahrung gebracht, das es zu wissen gibt. Erst jüngst haben Forschende ein bislang unbekanntes Alleinstellungsmerkmal dieses Systems ausgemacht.

Die Milchstraße ist zu groß für die Lokale Ebene

Unsere Galaxie ist größer als die kosmische Domänenwand, auf der sie sitzt. Das hat ein Team um Professor Miguel Aragón von der Universidad Nacional Autónoma de México festgestellt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forschenden im Rahmen einer Studie in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. Doch zurück auf Anfang: Was ist bitte eine „kosmische Domänenwand“?

Es handelt sich dabei um eine Art Ebene, auf der mehrere Galaxien auf natürliche Weise geordnet sind. Die Domänenwand, zu der die Milchstraße gehört, besteht neben ihr selbst aus 13 weiteren Galaxien. Die sogenannte Lokale Ebene hat einen Durchmesser von circa 34 Millionen Lichtjahren und ist knapp 1,5 Millionen Lichtjahre dick. Die leeren Räume zwischen den Domänenwänden – die zur Lokalen Ebene nächstgelegene Wand ist etwa 54 Millionen Lichtjahre von unserer Galaxie entfernt – bezeichnet man als Voids.

Aragón und sein Team simulierten im Zuge ihrer Forschungsarbeit ein Universumsvolumen von fast einer Milliarde Lichtjahre. Dabei stellten sie fest, dass unsere Galaxie im Vergleich überraschend groß ist. Das ist ungewöhnlich, da Galaxien normalerweise kleiner sind als die kosmische Domänenwand, Teil derer sie sind.

Die Studie ergab auch, dass es in der Simulation nur sehr wenige Galaxien gab, die sowohl so groß wie die Milchstraße als auch Teil einer Wand wie der Lokalen Ebene waren.

Unsere Galaxie ist doppelt besonders

„Die Milchstraße ist in gewisser Weise etwas Besonderes“, erläutert Aragón. „Die Erde ist ganz offensichtlich etwas Besonderes, sie ist die einzige uns bekannte Heimat von Leben. Aber sie ist nicht das Zentrum des Universums, nicht einmal des Sonnensystems. Und die Sonne ist nur ein gewöhnlicher Stern unter Milliarden von Sternen in der Milchstraße. Selbst unsere Galaxie schien nur eine weitere Spiralgalaxie unter Milliarden anderer im beobachtbaren Universum zu sein.“

Die Milchstraße habe weder eine besondere Masse noch einen besonderen Typ, ergänzt der Astronom Joe Silk. Es gebe viele Spiralgalaxien, die ihr ähnlich sehen. „Aber sie ist selten, wenn man ihre Umgebung berücksichtigt. Wenn man das nächste Dutzend großer Galaxien am Himmel leicht erkennen könnte, würde man sehen, dass sie alle fast auf einem Ring liegen, eingebettet in die Lokale Ebene. Das ist an sich schon etwas Besonderes. Was wir neu herausgefunden haben, ist, dass andere Wände von Galaxien im Universum wie die Lokale Ebene nur sehr selten eine Galaxie in sich zu haben scheinen, die so massiv ist wie die Milchstraße.“

Man müsse, so Aragón, rund eine halbe Milliarde Lichtjahre weit reisen, um eine andere kosmische Domänenwand zu finden, die über eine Galaxie mit Merkmalen zu entdecken, die denen der Milchstraße nahekämen.

Quellen: „The unusual Milky Way-local sheet system: implications for spin strength and alignment“ (Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, 2022); Royal Astronomical Society

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