Veröffentlicht inScience

Satellitenbilder zeigen „irrsinniges“ Phänomen – Forscher macht es wütend

Auf Satellitenbildern zeigen sich riesige, unheilverkündende Flecken. Sie gefährden unseren Planeten.

brennende Erde
© wetzkaz - stock.adobe.com

Gletscherschwund: "Wir haben 14 Mal den Bodensee verloren"

Der Wissenschaftler Philipp Rastner spricht über die moderne Gletscherforschung und was der dramatische Eisverlust für globale Auswirkungen hat.

Satellitenbilder werden nicht immer nur vom Weltraum, sondern auch von der Erde geknipst. Einige waren nun Gegenstand einer Untersuchung. Sie zeigen Ölfelder in Turkmenistan. Das Land in Mittelasien gilt als überaus rohstoffreich. Doch mit dem Abbau der Ressourcen scheint man nicht verantwortungsbewusst umzugehen.

Satelittenbilder zeigen riesige Methanflächen

Die Analyse der Satellitenbilder brachte zutage, dass nur zwei der großen Ölfelder in Turkmenistan denselben Treibgasausstoß haben wie ganz Großbritannien. Allein 2022 waren es 2,6 Millionen Tonnen Methan. Hinzu kommen 366 Millionen Tonnen CO2, die beide Felder zusammen produzieren. Expertinnen und Experten nennen dieses Ergebnis „irrsinnig“ und bezeichnen es gegenüber The Guardian als „großes Ärgernis“.

Die Wut der Forschenden ist verständlich. Immerhin versucht man seit Jahren, global die Treibhausemissionen zu senken. Und die Art und Weise wie Turkmenistan beim Abbau von Erdöl und Co. vorgeht, sorgt sogar für noch mehr Abgase in der Luft. Bereits das Ausbrennen von Methanlecks, die beim Abbau von Erdöl entstehen, gilt schon lange als verpönt und überaus bedenklich. Noch schädlicher ist jedoch das Ausblasen, was laut der Satellitenbilder neben dem Ausbrennen vor Ort vonstatten gehen muss.

Ausblasen bringt mehr Methan in die Atmosphäre

Das Ausblasen ist also eine noch klimaschädlichere Alternative zum Ausbrennen. Anstatt hier Abgase zu verbrennen und so massenhaft Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre zu pumpen, lässt man hier das Methan einfach in die Umwelt passieren.

Das Problem: Methan ist um ein Vielfaches schädlicher als CO2 und bindet über einen Zeitraum von 20 Jahren 80-mal mehr Wärme. Die Klimafolgen sind verheerend und schon heute für uns spürbar. „Methan ist für fast die Hälfte der kurzfristigen [Klima-]Erwärmungen verantwortlich und wurde bisher absolut nicht bewältigt – es ist völlig außer Kontrolle“, gibt Antoine Rostand, Vorstand der Firma Kayrros, die die Satellitenbilder analysierten, zu verstehen.

Erschwerend kommt hinzu, dass erst seit 2019 überhaupt Daten zum Ausblasen von Methanlecks via Satellit gesammelt werden können. Entsprechend ist die Dunkelziffer an ausgestoßenen Abgasen vermutlich noch um einiges höher. Zudem gibt es etliche Offshore-Öl- und Gasanlagen im Kaspischen Meer. Hier ist die Satellitentechnologie noch nicht weit genug entwickelt, um deren Einwirken zu berechnen.

Bedrohliche Klimaschwelle rückt näher

Besonders bedenklich wird die Methode in Hinsicht auf das 1,5 Grad-Ziel. Dieses besagt, und darin sind sich etliche Wissenschaftler*innen einig, dass die Erde sich nicht um mehr als 1,5 Grad erwärmen darf, da wir sonst nicht in der Lage sind, die „Uhr wieder umzukehren“. Davon würde schlussendlich nicht nur Turkmenistan die Folgen zu spüren bekommen, sondern die gesamte Welt.

Hochwasser, noch weitaus verheerender als 2021 in Nordrhein-Westfalen, Wetterextreme, Ernteausfälle und vieles mehr würden Teil des neuen Alltags, bei dem sich Menschheit, Politik und Wirtschaft vor extreme Herausforderungen gestellt sehen.

Klimagipfel erst im Dezember

Fest steht für die Forschenden, dass Turkmenistan etwas ändern muss und die Satellitenbilder sind ein eindeutiger Beweis dafür. Jedoch fehle es Umweltschutzverbänden und Firmen auf diesem Gebiet wie Kayrros an „politischen Entscheidungsträgern und Investoren“, um einen entsprechenden Hebel zu haben.

Allerdings, so Expert*innen gegenüber The Guardian, sei der UN-Klimagipfel Cop28 zum Adressieren des Problems angedacht. Hier sollen Lösungen besprochen werden. Laut Kayrros-Chef Rostand gebe es schon jetzt eine Fülle kostengünstiger und wenig aufwendiger Maßnahmen, um bei künftigen Satellitenbildern der Ölfelder positive Ergebnisse beobachten zu können. Turkmenistan könnte entsprechend zum größten Emissionsreduzierer der Welt aufsteigen.

Quelle: The Guardian

Seit dem 24. Februar 2022 herrscht Krieg in der Ukraine. Hier kannst du den Betroffenen helfen.

Du willst mehr von uns lesen? Folge uns auf Google News.