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Pazifik: Seltsame Bakterien könnten Schlüssel für Alien-Suche sein

Die Suche nach Leben im Weltall gestaltet sich schwierig. Wieso nicht also erst auf der Erde Ausschau halten?

Pazifik Höhle unter Wasser
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Fermi-Paradoxon: Wo sind die Aliens?

Sind wir Menschen im All wirklich allein? Immer wieder diskutiert die Wissenschaft über die Frage, ob es außerirdisches Leben im Universum gibt. Das Fermi-Paradoxon will die Frage beantworten, warum wir allein sein könnten.

Von der Erde wissen wir, dass es hier durchaus vielfältige Lebensformen gibt und die besten Bedingungen für deren Entstehung geherrscht haben. Geht man ganz an den Anfang zurück, wissen wir auch, dass die ersten Lebewesen sich in den salzigen Ozeanen unserer Erde, unter anderem dem heutigen Pazifik, gebildet haben. Dort finden sich heute noch Überreste dieser Geschichtsetappe, die die Wissenschaft begeistern. Ihre Entdeckung und Untersuchung kann uns auch dabei helfen, Leben im All zu finden.

Pazifik-Fund könnte es auch auf anderen Planeten geben

So könnte es nämlich die fremdartigen Bakterien, die Forschende im Pazifik entdeckt haben, auch auf anderen Planeten geben. Sie leben mehr als drei Kilometer unter der Meeresoberfläche und weisen einige Besonderheiten auf. Sie gehören zur Gruppe der magnetotaktischen Bakterien, enthalten also magnetische Kristalle in ihrem Inneren. Diese wiederum bewegen sich mit den Magnetlinien unseres Planeten – und das unabhängig davon, ob die Pazifik-Lebewesen am leben oder bereits tot sind.

Dadurch fungieren sie als eine Art fossiler Wissenspeicher, der es uns erlaubt, die Entstehung bioessenzieller Stoffe wie Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor nachzuvollziehen. Da die Pazifik-Bakterien theoretisch Millionen von Jahren alt werden können, scheint es nur logisch auch auf anderen Planeten nach ähnlichen Mikroben zu suchen.

Unter den widrigsten Bedingungen überlebt

Forschende der Universität von Tokio haben nun weitere Exemplare im Pazifik entdeckt, die sich an einer ganz besonderen Stelle angesiedelt haben. In ihrer Studie erklären sie, dass sie Exemplare im „Schornstein“ eines heißen hydrothermischen Entlüftungssystems im Marianentrog gefunden haben. Das deckt sich jedoch nicht mit den bisherigen Erkenntnissen zum Pazifik-Fund.

„Wir waren sehr überrascht, sie zu finden“, gibt Yohey Suzuki, außerordentlicher Professor für Erd- und Planetenwissenschaften an der Universität Tokio gegenüber vice zu. Die vertikalen chemischen Gradienten, an denen sich die magnetischen Bakterien sonst extrem wohlfühlen, fehlen nämlich in diesem Habitat.

Bei den Mikroben muss es sich also um höchstangepasste Lebewesen handeln, die auch in der Vergangenheit unter den widrigsten Bedingungen bereits ihr Überleben sicherten. Die hydrothermalen Quellen, wo sie heute noch teilweise zu leben scheinen, haben sich bereits vor etlichen Milliarden Jahren in den alten Ozeanen der Erde gebildet – lange bevor wir existierten und unsere Meere, wie etwa den Pazifik, benennen konnten.

Expeditionen zur Saturn- & Jupitermond geplant

Solche Quellen könnte es laut Forschenden auch auf dem Jupitermond Europa inmitten seiner unteririschen Ozeane geben. Gleiches gilt für den Saturnmond Enceladus. Die weitere Erforschung der Pazifik-Mikroben auf der Erde könnte demnach ein Schlüssel für die Suche nach Leben auf anderem Planeten sein, da sie sich in „einem potenziell analogen Lebensraum für außerirdisches Leben“ ansiedeln.

„Was die Erde betrifft, so entstand der Vorfahr der magnetotaktischen Bakterien vor 3,5 Milliarden Jahren, vor der Divergenz der großen Bakterienstämme und kurz vor der Entstehung des ersten Lebens“, erklärt Suzuki weiterhin, „Die Theorie der ersten Entstehung des Lebens benötigt Mineralien für Zellmaterialien und Metaboliten. Magnet besteht aus einem Mineral namens Magnetit, das vom ersten Leben genutzt werden könnte.“

Das Forschungsteam aus Tokio will weitere Versuche unternehmen, die eigenartigen Lebensformen im Pazifik zu analysieren. Bis man im Weltall nach den Mikroben sucht, wird noch einiges an Zeit vergehen, jedoch arbeitet man schon jetzt an der Herstellung passender Werkzeuge. So tüftelt man bei der NASA an einem Schlangenroboter, der in der Lage sein soll, sich durch die eisigen Oberfläche des Saturnmonds Enceladus zu graben.

Quelle: vice, „Magnetic bacteria point the way“ (EurekAlert!, Juni 2023)

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