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Archäologischer Fund: Beteten Steinzeitmenschen Wildschweine an?

Eine Entdeckung in der Türkei wirft Fragen auf. Womöglich errichteten die prähistorischen Bewohner einen Tempel um einem Wildschwein zu huldigen.

Die 5 wichtigsten archäologischen Funde aller Zeiten

Jahrtausende menschlicher Kultur bringen auch nach langer Zeit immer wieder erstaunliche Erkenntnisse hervor.Wir zeigen dir die fünf wichtigsten archäologischen Funde aller Zeiten.

Der Göbekli Tepe (türkisch für „bauchiger Hügel“) ist für Forschende des Neolithikums eine wahre Schatzkammer. Nun wurde bei Grabungen an der UNESCO-Weltkulturerbestätte ein faszinierender archäologischer Fund gemacht. Die riesige Statue eines Wildschweins wirft Fragen zur Kultur der Anwohnerinnen und Anwohner auf.

Archäologischer Fund: Kuriose Wildschweinstatue nahm prominenten Platz ein

Forschende des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) untersuchen die Fundstätte Göbekli Tepe im Südosten der Türkei bereits seit den Neunziger Jahren. In einer aktuellen Pressemitteilung berichten sie von ihrem neuesten archäologischen Fund. In einer schlicht Sondergebäude D bezeichneten Kammer legte man bei neuen Untersuchungen eine lebensgroße Wildschweinstatue aus dem Neolithikum frei.

Der Eber ist 1,35 Meter lang und 0,70 Meter hoch. Das DAI verortet den archäologischen Fund in der präkeramische Ära in Anatolien etwa 8.700 bis 8.200 vor Christus (v. Chr.). Bemerkenswert ob des Alters ist der sehr gute Zustand, in dem die Forschenden das Artefakt vorfanden. Im über 10.000 Jahre alten Kalkstein ließen sich sogar noch einstige Farbpigmente erkennen.

So war die Zunge des Wildschweins damals knallrot gefärbt, während sein Leib in Schwarz und Weiß gehüllt war. Dies belegt die These der Forschenden, dass die präkeramische Bevölkerung Statuen und Säulen mit bunter Farbe gestaltet hat.

Mysteriöse Kreaturen aus der Vergangenheit: Diesen archäologischen Fund „bewachte“ ein schreckenserregender Höllenhund.

Ein Wildschwein als Götze?

Auch die Positionierung des archäologischen Fundes gibt interessante Einblicke. Die Wildschweinstatue wurde nämlich in situ, also an ihrem ursprünglichen Stand- oder Verwendungsort. Das Kalksteinschwein stand auf einer erhöhten Steinbank, die mit Säulen umgeben war, im Zentrum des ovalen Raumes.

Damit sei die Statue klar der Mittelpunkt des Gebäudes gewesen, bekundet das DAI. Auf die besondere Bedeutung des Artefakts deuten auch die aufwendigen Reliefs um es herum hin. Zu sehen sind unter anderem ein Halbmond und drei menschliche Gesichter mit Masken. Den genauen Zweck des archäologischen Fundes konnten die Expertinnen und Experten des DAI noch nicht feststellen. Dass das Wildschwein als religiöses Götzenbild diente, lässt sich aber nicht ausschließen.

Quelle: Deutsches Archäologisches Institut

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