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Archäologischer Fund: „Von Angesicht zu Angesicht“ mit antikem Tyrannen

Die Schreckensherrschaft Antiochus über das antike Jerusalem prägte die Geschichte des Judentums entscheidend. Ein neuer archäologischer Fund liefert aufschlussreiche Hinweise dazu.

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Die 5 wichtigsten archäologischen Funde aller Zeiten

Jahrtausende menschlicher Kultur bringen auch nach langer Zeit immer wieder erstaunliche Erkenntnisse hervor.Wir zeigen dir die fünf wichtigsten archäologischen Funde aller Zeiten.

Israelische Archäologinnen und Archäologen jubeln: Grabungen in der Landeshauptstadt Jerusalem brachten jahrtausendealte Überreste eines einst mächtigen Tempels zutage. Dabei ist der archäologische Fund eng mit der Entstehungsgeschichte eines der höchsten Feste des Judentums verknüpft. Die ganze dramatische Geschichte erfährst du hier.

Archäologische Funde sind älteste ihrer Art

Wie die Archäologieorganisation Israel Antiquities Authority (IAA) auf Facebook berichtet, gruben Forschende vor Kurzem in der Jerusalemer Altstadt Fragmente von 16 Dachziegeln aus. Die Expertinnen und Experten konnten den archäologischen Fund auf das zweite Jahrhundert vor Christus datieren.

Das ist aus zweierlei Hinsicht erstaunlich. Zum einen sind die Dachziegel die ältesten, die man jemals in der Region entdeckte. Zum anderen fallen sie somit in die Zeit der Besatzung Jerusalems durch den griechisch-seleukidischen König Antiochus IV.

Auskunft über dessen Herrschaft gibt das erste Buch der Makkabäer, eine Spätschrift des Alten Testaments. Demnach regierte Antiochus nach seiner kriegerischen Eroberung Jerusalems im Jahr 168 v. Chr. mit eiserner Hand. So ließ er den Jerusalemer Tempel entweihen und verbot den Jüdinnen und Juden die Ausübung ihres Glaubens.

Um seine Macht zu demonstrieren, ließ Antiochus eine mächtige Festung, die Acra, mitten in der Stadt errichten. Deren Existenz ist aus mehreren Quellen gesichert, doch ihr genauer Standortort ließ sich bislang nicht nachweisen.

Auch spannend: Der archäologische Fund dieses gigantischen Objekts aus der Urzeit wirft Fragen auf.

„Greifbare Hinterlassenschaften“

Seitens der IAA heißt es, dass die Beschaffenheit der archäologischen Funde den Beweis liefere, dass diese der Acra entstammten. Wie die Archäologin Dr. Ayala Zilberstein erläutert, treten Kacheln nur äußerst selten in israelischen Bauwerken aus jener Epoche auf und gehören nicht zur lokalen Bautradition. Demnach sei es wahrscheinlich, dass hier fremde Herrschende einen ausländischen Baustil importierten.

„Antiochus entschied sich wahrscheinlich aus kulturellen Gründen, Dachziegel zu verwenden“, ergänzt der Archäologe Dr. Filip Vukosavović. Seiner Einschätzung nach ging es dem Herrscher darum ein Zeichen zu setzen, indem er ein monumentales griechisch-geprägtes Gebäude in direkter Nachbarschaft des jüdischen Tempels errichtete.

„Bis jetzt hatten wir nur wenige materielle Beweise für die Anwesenheit seleukidischer Griechen in Jerusalem“, führt der Forscher der IAA weiter aus. „Die neuen Dachziegel, die wir in der Stadt Davids entdeckt haben, liefern uns greifbare Hinterlassenschaften, die uns mit der Geschichte Chanukkas verbinden. Es ist sehr aufregend den seleukidischen Herrscher Antilochus ‚von Angesicht zu Angesicht‘ zu begegnen, beinahe 2.200 Jahre nach den Geschehnissen von Chanukka.“

Archäologischer Fund ist eng mit jüdischer Geschichte verbunden

Jedes Jahr im Winter feiern gläubige Jüdinnen und Juden weltweit das Lichterfest Chanukka. Der Name stammt aus dem Hebräischen und bedeutet Einweihung. Mit den acht Tage andauernden Festlichkeiten wird der Wiedereinnahme des Tempels von Jerusalem von den griechisch-heleukidischen Besatzern durch die Makkabäer gedacht.

Wie das Jüdische Museum Berlin erklärt, dauerten die Kämpfe um das Heiligtum ganze drei Jahre von 167 bis 164 v. Chr. Doch schließlich gelang es den von Priester Mattitjahu und seinen fünf Söhnen angeführten Makkabäern den Tempel wieder zurückzuerobern.

In dem Tempel befand sich damals eine sogenannte Menora, ein siebenarmiger Kerzenleuchter, der dem Brauch nach immer brennen sollte, um unter anderem geistige Erleuchtung zu symbolisieren. Antiochos jedoch ließ diesen erlöschen und zerstörte fast das gesamte koschere Öl, mit dem man ihn hätte wieder anstecken können.

Es war nur noch ein kleiner Krug Öl übrig, der nicht länger als einen Tag hätte halten können. Dennoch gelang es der jüdischen Erzählung nach den Makkabäern die Menora damit acht Tage lang leuchten zu lassen. Um dieses Wunder und seine spirituelle Bedeutung zu feiern, zündet man im Judentum an den acht Tagen Chanukkas an jedem Abend eine Kerze auf einem speziellen achtarmigen Chanukka-Leuchter an.

Quellen: Israel Antiquities Authority/Facebook, Jüdisches Museum Berlin

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