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Nordatlantikstrom kurz vor dem Kollaps: Forscher warnen vor „schwerwiegenden Folgen“

Eine neue Studie verdeutlicht, wie nah der Nordatlantikstrom an seinem Kipppunkt steht. Frühere Klimamodelle scheinen das unterschätzt zu haben.

Vogelperspektive auf den Ozean
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Letztes Jahr warnte eine Studie vor dem möglichen Kollaps des Nordatlantikstroms (AMOC) – einer Entwicklung, die nun durch neue Daten bestätigt wird. Diese wichtige Meeresströmung transportiert warmes, salziges Wasser nach Norden. Ihr Kollaps könnte globale Klimamuster massiv stören.

Nordatlantikstrom in kritischem Bereich

„Die Veränderungen der Temperatur, des Meeresspiegels und der Niederschläge werden schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesellschaft haben, und die Klimaveränderungen sind in menschlichen Zeiträumen nicht aufzuhalten“, warnen die Autor*innen der jüngsten Studie in einem Artikel für The Conversation.

Das Team um René van Westen von der Universität Utrecht hat ein Frühwarnsystem entwickelt, das den Annäherungspunkt des Nordatlantikstroms an einen Kipppunkt erkennt. Es basiert auf Veränderungen in der Salinität am Südrand des Ozeans. Die Studie zeigt, dass der AMOC seit den 1950er Jahren aufgrund der Verdünnung durch Schmelzwasser und Niederschlag langsamer geworden ist. Das stört den normalen Fluss der Strömung.

Die Arbeit zeigt, dass ein signifikanter Rückgang der Salinität darauf hinweist, dass der AMOC einen kritischen Schwellenwert erreicht. „Sobald ein Schwellenwert erreicht ist, wird der Kipppunkt wahrscheinlich in ein bis vier Jahrzehnten folgen“, so die Forschenden. Die Ergebnisse des Teams legen nahe, dass der AMOC empfindlicher auf Süßwassereintrag reagiert als bisher angenommen und stellen die Genauigkeit aktueller Klimamodelle in Frage.

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„Stabilität des AMOC systematisch überschätzen“

Stefan Rahmstorf, ein nicht an der Studie beteiligter Klimatologe, bestätigt die Bedenken bezüglich der Fragilität des Nordatlantikstrom. Er betont die globalen Gefahren eines Kollapses, darunter arktische Bedingungen in südlicheren Breiten, Abkühlung in Nordwesteuropa und Störungen tropischer Monsunmuster. „Die neue Studie bestätigt frühere Befürchtungen, dass Klimamodelle die Stabilität des AMOC systematisch überschätzen“, zitiert RealClimate.

Diese Veränderungen würden weitreichende Auswirkungen auf Klima, Ökosysteme und Ernährungssicherheit haben. Die Entwicklung des Frühwarnsystems ist ein entscheidender Schritt, um mögliche Klimakrisen zu verstehen und vielleicht zu mildern.

Quellen: The Conversation; „Physics-based early warning signal shows that AMOC is on tipping course“ (Science Advances, 2024); RealClimate

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