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Bedrohliche Prognose: Experten warnen vor einer neuen Ära der Hurrikane

Jüngste Wetterereignisse zeigen, dass unsere bisherigen Skalen für Hurrikane nicht länger ausreichen. Forschende fordern daher eine Erweiterung.

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Mit dem Klimawandel gehen nicht nur extreme Temperaturschwankungen einher, sondern auch intensivere Sturmereignisse – und das weltweit. Hurrikane etwa erreichen mittlerweile solch enorme Stärken, dass Forschende vorschlagen, die Saffir-Simpson-Windskala um eine sechste Kategorie zu erweitern. Derzeit endet diese bei Kategorie 5, die Hurrikane mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 252 Kilometern pro Stunde (km/h) umfasst.

Hurrikane überschreiten bekannte Skalen

Jüngste Stürme überschritten die Schwellen der Skala um Längen, was auf die Notwendigkeit einer höheren Kategorie hinweist. Forschende wie Michael Wehner heben die Rolle erhöhter Temperaturen und Feuchtigkeit beim Antrieb stärkerer Hurrikane hervor. „Als vorsichtiger Wissenschaftler möchte man nie ‚Wolf‘ rufen“, sagte der Klimawissenschaftler vom Lawrence Berkeley National Laboratory gegenüber USA Today. Aber der Wolf sei nun hier.

Der Vorstoß für eine Kategorie 6 folgt auf Beobachtung von Hurrikanen mit Windgeschwindigkeiten, die fast 309 km/h erreichten. Solch intensive Stürme zeigen, dass die aktuelle Skala nicht ausreicht, um die volle Kraft dieser Wetterereignisse zu erfassen. Taifun Haiyan, der 2013 mit Winden von fast 315 km/h auf die Philippinen traf, veranschaulicht die Art von zerstörerischer Kraft, die die Grenzen der aktuellen Skala weit überschreitet.

Insgesamt haben Wissenschaftler*innen alleine in den vergangenen neun Jahren fünf Stürme identifiziert, die sich für die vorgeschlagene neue Kategorie qualifizieren würden. Im Rahmen einer neuen Studie, die sie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlichten, schlagen sie vor, mit der sechsten Kategorie Stürme ab einer Geschwindigkeit von etwa 310 km/h zu beschreiben.

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„Zunahme extremer Wetterereignisse aufgrund des Klimawandels“

„Die bestehende Skala ist problematisch, wenn es darum geht, den erwarteten Anstieg der Spitzenwindgeschwindigkeiten tropischer Wirbelstürme im Zuge des Klimawandels zu kommunizieren“, erläutert der Hydroklimatologe Dr. Daniel Kingston von der University of Otago zu. Er selbst war zwar nicht an der Studie beteiligt, pflichtet Wehner und seinem Team aber entschlossen bei.

Auch Raveen Das, Leiter am neuseeländischen Tropenwarnzentrum des Meteorological Service of New Zealand (MetService), schließt sich dem an. „Der MetService hat im Mai 2019 in Neuseeland ein farbcodiertes Warnsystem mit einer neuen Kategorie ‚Rot‘ am oberen Ende der Skala eingeführt, um der Zunahme extremer Wetterereignisse aufgrund des Klimawandels Rechnung zu tragen.“

Gemeinsam mit seinen Kolleg*innen verfolge Das gespannt die Forschungen auf diesem Gebiet. Allerdings sei erwähnenswert, dass man sich nicht ausschließlich auf die Windgeschwindigkeiten als Maßstab der Hurrikane verlassen dürfe. „Die häufigste und am weitesten verbreitete Auswirkung eines tropischen Wirbelsturms sind jedoch Wasserschäden durch Regen und Sturmfluten.“ Auch sie könnte man im Rahmen künftiger Überarbeitungen der Skalen berücksichtigen.

Quelle: USA Today; „The growing inadequacy of an open-ended Saffir–Simpson hurricane wind scale in a warming world“ (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2024); scimex

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