Schnell, bequem und lecker ist der große Vorteil sogenannter hochverarbeiteter Lebensmittel. Sie lassen sich mal eben zwischendurch zubereiten und erlauben zumindest kurzfristig ein Gefühl der Sättigung. Das Problem: Gesund sind sie nicht. Laut neuen Erkenntnissen könnten sie noch problematischer sein, als gedacht. Demenz ist demnach eine mögliche Folge.

Hochverarbeitete Lebensmittel: 5 sind laut Forschung bedenklich

Forschende der Ohio State University haben bei Experimenten mit Ratten eine mögliche Korrelation zwischen hochverarbeiteten Lebensmitteln und der Entwicklung von Gedächtnisverlust und Demenz festgestellt. Laut der 2021 in Brain, Behavior, and Immunity veröffentlichten Studie wurden die Tiere dazu in zwei Gruppen aufgeteilt – in eine junge und eine alte Kohorte – und mit entsprechender Nahrung gefüttert.

Nach vier Wochen fielen die älteren Ratten durch eine Reihe an kognitiven Tests. Dabei demonstrierten sie partiellen Gedächtnisverlust. So wussten sie nicht mehr, wo sie kurz zuvor gewesen sind oder vergaßen Anzeichen von Angst im Angesicht von Gefahr. Bei der Gruppe der jungen Ratten konnten solche Reaktionen nicht beobachtet werden, heißt es in einem Statement der Universität.

Zu den für das Experiment genutzten hochverarbeiteten Lebensmitteln gehörten jene, die oft für langfristige Lebensmittelhaltung gedacht sind:

  • Kartoffelchips
  • andere Snacks
  • gefrorene Fertigpasta
  • Tiefkühlpizza
  • Delikatessen-Fleischwaren mit Konservierungsstoffen

Forscherin stuft Effekte als „alarmierend“ ein

Ruth Barrientos, außerordentliche Professorin für Psychiatrie und Verhaltensgesundheit und eine der leitenden Studienautor*innen, erklärt die Ernsthaftigkeit der vorliegenden Erkenntnisse:

„Die Tatsache, dass wir diese Auswirkungen so schnell beobachten, ist ein wenig alarmierend. Die Resultate deuten an, dass der Konsum verarbeiteter Nahrung signifikante und abrupte Gedächtnisdefizite hervorrufen kann – und im Alterungsprozess schreitet eine schnelle Gedächtnisabnahme mit größerer Wahrscheinlichkeit zu einer neurodegenerative Erkrankung wie der Alzheimer-Demenz voran.“

Ruth Barrientos, außerordentliche Professorin für Psychiatrie und Verhaltensgesundheit (Institut für Verhaltensmedizin, Ohio State University)

Prävention ist dennoch möglich laut Studie

Wie die Forschenden in ihrer Studie gleichzeitig herausfanden, lassen sich die beobachteten Effekte durch Zusätze der Omega-3-Fettsäure DHA abschwächen. Diese soll den Gedächtnisverlust verhindern und auch begleitende Entzündungseffekte fast komplett reduzieren. Die Handlungsempfehlung von Barrientos dazu lautet entsprechend:

„(…) vielleicht können wir verarbeitete Lebensmittel in unserer Ernährung begrenzen und den Konsum von Nahrung, die reich an der Omega-3-Fettsäure DHA ist, erhöhen und den Prozess so entweder verhindern oder verlangsamen.“

Ruth Barrientos, außerordentliche Professorin für Psychiatrie und Verhaltensgesundheit (Institut für Verhaltensmedizin, Ohio State University)

2022er Studie unterstützt Theorie

Bestätigt wurden die negativen Effekte hochverarbeiteter Lebensmittel jüngst auf der 2022 Alzheimer’s Association International Conference, wie The Healthy berichtet. Einer dort präsentierten Studie zufolge sind Personen, deren tägliche Kalorienzufuhr zu mehr als 20 Prozent aus entsprechender Nahrung besteht, einem höheren Risiko an kognitiver Abnahme ausgesetzt.

Untersucht wurden dazu 10.000 Männer und Frauen aus Brasilien für einen Zeitraum über zehn Jahre. Nachdem die Teilnehmenden kognitive Tests unterlaufen hatten, kamen die Forschenden zu folgendem Schluss: Männer und Frauen, die den höchsten Anteil an hochverarbeiteten Lebensmitteln zu sich genommen hatten, zeigten eine 28-prozentige Rate an kognitiver Abnahme und eine 25-prozentige Rate an Verringerung der ausführenden Fähigkeiten.

Was sind hochverarbeitete Lebensmittel?

Hochverarbeitete Lebensmittel sind häufig mit deutlich mehr Zutaten versetzt und können mit oder ohne Erhitzen direkt verzehrt werden. Zusätzlich stecken diverse Zusatzstoffe in den Produkten, zum Beispiel Arima-, Farb- und Konservierungsstoffe. Einige davon, wie Natriumnitrit (E250) aus gepökelten Wurstwaren, können sogar krebserregende Stoffe im Körper bilden.

Generell sollten hochverarbeitete Lebensmittel in überschaubarem Maß konsumiert werden. Ihre Nährstoffdichte ist in der Regel sehr gering, während der Kaloriengehalt oft sehr hoch ist. Dazu kommen viele Fette, Kohlenhydrate, Salz und Zucker. Sättigende Eiweiße und Ballaststoffe liefern sie wenig. Fehlt gleichzeitig regelmäßige Bewegung, können sie Übergewicht und Adipositas begünstigen, wie Eatsmarter berichtet.

Quellen: Brain, Behavior, and Immunity: „Dietary DHA prevents cognitive impairment and inflammatory gene expression in aged male rats fed a diet enriched with refined carbohydrates“, Ohio State University, Eatsmarter, The Healthy

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