Egal, ob Finger, Knie oder andere Gelenke, das Knacken von Knochen kann ganz plötzlich und ohne ersichtlichen Grund auftreten. Die gute Nachricht: Dem aktuellen Stand der Forschung zufolge ist es rein gesundheitlich unbedenklich. Warum die Geräusche am Ende zustande kommen, muss dagegen noch abschließend ermittelt werden.

Ist es schädlich, mit den Gelenken zu knacken?

Was beim Fingerknacken passiert, ist Folgendes: Durch Ziehen an den Fingern oder durch das Durchdrücken der Gelenke überdehnen sich diese. Dabei lösen sich die Gelenkflächen voneinander und es entsteht ein Hohlraum. Auf welche Art dann das bekannte Knacken der Finger zustande kommt, ist umstritten.

Immerhin gibt es zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen dazu, ob Gelenke, die knacken, schädliche Folgen haben können. Die Beweise, die bislang vorliegen, sprechen dagegen. So konnte beispielsweise mehrfach die Theorie widerlegt werden, dass es dadurch zu Arthritis kommt.

Was passiert bei täglichem Fingerknacken?

Wie überraschend wenig problematisch das Prozedere selbst bei täglicher Anwendung ist, zeigt eine Langzeituntersuchung. Dabei hatte ein Arzt als Selbstexperiment über 50 Jahre lang die Gelenke seiner linken, aber nie seiner rechten Hand, zwei oder mehr Male am Tag knacken lassen. Wie er in Arthritis & Rheumatology berichtete (via Wiley), unterschieden sich die Knöchel beider Hände am Ende nicht. Keine Hand zeigte Symptome von Arthritis.

Dazu gibt es Healthline zufolge auch keine Anzeichen dafür, dass Gelenke dadurch größer werden oder sich die Stärke des Griffs verringert.

Warum knackt man mit den Gelenken?

Die Bandbreite an Gründen, aus denen Menschen ihre Finger zum Knacken bringen, ist groß. Laut einer Studie aus dem Jahr 2011 sind es je nach untersuchter Bevölkerung zudem zwischen 25 und 54 Prozent, die dieses Verhalten zeigen.

Darum knacken Menschen mit ihren Gelenken

  • Sie mögen das Geräusch.
  • Sie mögen das Gefühl, weil sie glauben, ihren Gelenken mehr Platz zu verschaffen und damit Spannungen zu lösen und die Mobilität zu erhöhen.
  • Sie beschäftigen ihre Hände dadurch, wenn sie nervös sind.
  • Sie nutzen das Knacken, um Stress abzubauen.
  • Sie haben sich das Verhalten angewöhnt.

Darum könnten Knochen und Gelenke knacken

Es gibt verschiedene Theorien, woher die Geräusche stammen. Unter anderem werden sie auf sich bildende oder platzende Blasen aus Stickstoff in der Gelenksflüssigkeit zurückgeführt. Andere Annahmen stützen sich auf die Bewegung der Bänder rund um die Gelenke.

Weitere wissenschaftliche Theorien, warum Knochen und Finger knacken

Für eine Studie aus dem Jahr 2015 untersuchten Forschende das Knochenknacken per MRT (Magnetresonanztomographie). Dabei zeigte sich, dass sich beim schnellen Auseinanderziehen der Gelenke ein Hohlraum bildete, wodurch wiederum das Geräusch zustande kam. Dessen Lautstärke ließ sich dadurch jedoch nicht näher erklären.

Eine Untersuchung von 2018 kam dagegen zu dem Ergebnis, dass die Geräusche durch den partiellen Kollaps des Hohlraums hervorgerufen werden. Dazu ergab ein Review verschiedener Studien laut Healthline, dass es etwa 20 Minuten dauert, bis die Lücke komplett zusammengefallen ist, so dass sich eine neue bilden kann. Das könnte der Grund dafür sein, dass man nicht sofort erneut mit den Gelenken knacken kann.

Wann ist ein Arztbesuch empfehlenswert?

Generell verursacht es keinen gesundheitlichen Schaden, wenn du deine Gelenke und Finger zum Knacken bringst. Ist es dagegen schmerzhaft, führt zu Schwellungen oder verändert die Form der Gelenke, ist Aufmerksamkeit geboten. Dabei handelt es sich um Anzeichen, dass etwas nicht stimmt und eine ärztliche Beurteilung nötig sein kann.

Quellen: Wiley, Healthline, The Journal of the American Board of Family Medicine: „Knuckle Cracking and Hand Osteoarthritis„, Plos One: „Real-Time Visualization of Joint Cavitation„, Scientific Reports: „A Mathematical Model for the Sounds Produced by Knuckle Cracking

Seit dem 24. Februar 2022 herrscht Krieg in der Ukraine. Hier kannst du den Betroffenen helfen.

Du willst mehr von uns lesen? Folge uns auf Google News.