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In Neuwagen: Forscher entdecken unsichtbares Gift – „bedeutendes Problem für die öffentliche Gesundheit“

Krebserregende Stoffe finden sich offenbar in zahlreichen US-amerikanischen Autos. Grund dafür sind Sicherheitsstandards.

Stau im Sommer
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Wenn Zellen Amok laufen - Wie entsteht Krebs?

Wie entsteht im Körper, hier wird es erklärt.

Forschende der Duke University haben kürzlich entdeckt, dass die Luft in modernen Fahrzeugen stark mit Flammschutzmitteln wie Tris(1-chlorisopropyl)phosphat (TCIPP) belastet ist. Ihre Untersuchung von 101 Autos in den USA ergab, dass 99 Prozent dieser Fahrzeuge krebserregende Stoffe enthalten. Diese Ergebnisse sind besonders besorgniserregend für Menschen, die viel Zeit im Auto verbringen, wie Pendlerinnen und Pendler. Besonders gefährdet sind Kinder, da sie im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht mehr Luft einatmen.

Krebserregende Stoffe: Erhöhtes Risiko im Sommer

„Wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Autofahrer jeden Tag etwa eine Stunde im Auto verbringt, ist dies ein bedeutendes Problem für die öffentliche Gesundheit“, zitierte The Guardian Rebecca Hoehn, Hauptautorin der neuen Studie und Forscherin an der Duke University. Hohe Innentemperaturen bis zu 65 Grad Celsius beschleunigen das Ausgasen von Chemikalien aus dem Sitzschaum. Das erhöhe besonders im Sommer die Konzentration schädlicher Stoffe.

Das Vorhandensein der Flammschutzmittel resultiere aus der Einhaltung des Federal Motor Vehicle Safety Standard (FMVSS) 302, der Materialien in Fahrzeugen schwer entflammbar macht. Kritiker wie Patrick Morrison betonen jedoch, dass diese Chemikalien das Brandrisiko kaum senken, aber die Gefahr durch Rauch und Toxine bei einem Brand erhöhen. Morrison selbst ist Direktor der Sicherheitsabteilung der International Association of Fire Fighters.

Mitautorin Lydia Jahl vom Green Science Policy Institute schlug vor, zur Risikominderung Fenster zu öffnen und im Schatten zu parken, fordert aber regulatorische Änderungen, um den Einsatz von Flammschutzmitteln generell zu reduzieren.

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Krebs und Gehirnschäden möglich

Die meisten der untersuchten Proben wiesen ebenfalls organophosphatbasierte Flammschutzmittel auf, die bei Kindern Asthma, vorzeitiges Wachstum, Fettleibigkeit und Gehirnschäden verursachen sollen. Zudem sind zwei dieser Chemikalien als krebserregend nach der kalifornischen Proposition 65 eingestuft. Personen mit besonders hohen Werten bestimmter Flammschutzmittel im Blut tragen ein etwa vierfach erhöhtes Risiko, an Krebs zu sterben.

Epidemiologische Studien zeigten The Guardian zufolge, dass US-amerikanische Kinder durch die Exposition gegenüber einem in Autos und Möbeln verwendeten Flammschutzmittel durchschnittlich drei bis fünf IQ-Punkte verlieren.

Die Studie zeigte auch, dass Flammschutzmittelkonzentrationen im Sommer aufgrund des stärkeren Ausgasens ansteigen. Epidemiologische Studien verbinden hohe Blutkonzentrationen dieser Chemikalien mit Gesundheitsrisiken wie kognitiven Defiziten bei Kindern und höheren Krebsraten bei Erwachsenen.

Quellen: The Guardian; „Flame Retardant Exposure in Vehicles Is Influenced by Use in Seat Foam and Temperature“ (Environmental Science & Technology, 2024)

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