Digital Life 

Wenn die KI für dich Datenschutzbestimmungen liest und zusammenfasst

Künstliche Intelligenz könnte dem Menschen in Zukunft viele Aufgaben abnehmen – bringt aber auch Gefahren mit sich.
Künstliche Intelligenz könnte dem Menschen in Zukunft viele Aufgaben abnehmen – bringt aber auch Gefahren mit sich.
Foto: imago
Unendlich lange Datenschutzerklärungen die niemand liest, könnten dank schlauem Algorithmus schon bald der Vergangenheit angehören.

Wenn man einmal ehrlich ist, kennt jeder diese Situation. Man registriert sich auf einer Website, gibt seine Daten ein, klickt weiter, weiter und weiter bis ein Hinweis auf dem Bildschirm erscheint, der den Nutzer auffordert, den Datenschutzbestimmungen und/oder Nutzungsbedingungen zuzustimmen. Die meisten User tun dies, ohne die betreffenden Bestimmungen jemals gelesen zu haben.

Daten sind wertvoll

Egal ob es sich um Facebook, Google oder Amazon handelt. Die Tech-Riesen sind auf unsere Daten angewiesen und verdienen damit sehr viel Geld. Ihnen ist also nicht daran gelegen, dass die Nutzer tatsächlich wissen, was mit ihren Daten geschieht. Die jeweiligen Datenschutzbestimmungen sind entsprechend land und möglichst so umständlich formuliert, dass sie den Nutzer im Dunkeln lassen.

Wäre es nicht toll zu wissen, welchen Bedingungen man als Nutzer da eigentlich ständig zustimmt ohne sich durch Dutzende Seiten Kleingedrucktes kämpfen zu müssen?

Polisis liest für dich

Genau daran arbeiten Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne (Schweiz), der University of Wisconsin und der University of Michigan. Das Ergebnis ihrer Arbeit nennt sich Polisis. Polisis steht für "privacy policy analysis" und nutzt KI, um den Usern einen besseren Einblick darüber zu verschaffen, was Firmen eigentlich mit ihren Daten anstellen.

User können beliebige URLs auf der Website eingeben oder einfach ein entsprechendes Browser-Add-On benutzen. Polisis scannt dann die gewünschte Seite. Findet das Tool die Datenschutzbestimmungen, so durchsucht es diese selbstständig und fasst die Ergebnisse am Ende in einer praktischen Übersicht zusammen. So ist beispielsweise auf einen Blick erkennbar, welche Daten ein Unternehmen sammelt, für welchen Zweck es diese nutzt und ob es für den Nutzer die Möglichkeit gibt, dass Sammeln der Daten zu verhindern.

Bis jetzt nur in englischer Sprache

User haben die Möglichkeit, die Datenbank zu durchsuchen nach einer Firma zu durchsuchen. Wurde die Seite bereits gescannt, erscheinen die Ergebisse sofort. Sollte die Seite der KI noch nicht bekannt sein, so kann man selbst die Analyse einer Seite anstoßen indem man einfach die entsprechende URL eingibt. Der ganze Vorgang dauert nur wenige Sekunden. Aktuell versteht das Tool nur Englisch, weitere Sprachen sollen in Zukunft jedoch noch folgen.

Um die KI fit zu machen für die drögen Privatsphäre-Texte, fütterten die Forscher die Software zunächst mit 115 Datenschutzbestimmungen, die zuvor gründlich von Fachleuten analysiert worden sind und mehr als 130.000 Texten von Apps aus Googles Play Store. Mit diesen Beispielen lernte die KI die technische Sprache der Bestimmungen kennen und verstehen und ist so in der Lage, die Texte auf einfach Aussagen und Grafiken herunterzubrechen - und so verständlicher für uns alle zu machen.

KI fasst Texte zusammen

Einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgen auch Forscher des Cloud-Computing-Anbieters salesforce, wie MIT Technology Review berichtet. Sie haben eine KI entwickelt, die in der Lage sein soll, lange Texte zu lesen, zu analysieren und auf die wichtigsten Elemente zu reduzieren. Dieser Algorithmus erstellt also Zusammenfassungen und könnte es Menschen so erleichtern, den täglichen Informations-Überfluss besser zu meistern.

Der Algorithmus ist noch lange nicht so gut wie ein Mensch wenn es darum geht, komplexe Zusammenhänge und Sachverhalte zu verstehen und zusammenzufassen, jedoch besser als jedes Programm, das in der Vergangenheit zu diesem Zwecke entwickelt worden ist.

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KI bringt Gefahren mit sich

Es stellt sich jedoch die Frage, wie gefährlich solche Entwicklungen potenziell sind. Was, wenn die Maschine irgendwann selbstständig entscheidet, welche Informationen relevant sind (und dementsprechend auch, welche es nicht sind) und der Mensch so nur noch genau die Informationen erhält, die er auch erhalten soll? Regierungen oder Arbeitgeber hätten durch eine Software wie diese eine nahezu perfekte Möglichkeit der Kontrolle. Bis es jedoch soweit sein könnte, wird noch einige Zeit vergehen. Zusammenhänge zu erkennen, sie richtig einzuordnen und zu verstehen sind Fähigkeiten, die der Mensch immer noch wesentlich besser beherrscht als die Maschine.

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