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Die Polizei ist genervt, Ärzte sehen sie kritisch - Was ist wirklich von der Apple Watch zu halten?

Die neue Apple Watch kommt mit Herzüberwachungsfunktion. Ärzten zufolge ist diese aber noch nicht vertrauenswürdig.
Die neue Apple Watch kommt mit Herzüberwachungsfunktion. Ärzten zufolge ist diese aber noch nicht vertrauenswürdig.
Foto: Justin Sullivan/Getty Images
Eine neue Funktion der Apple Watch Series 4 besteht in der Messung von EKG. Gerade diese ist aber sehr umstritten, da sie sowohl Vorteile als auch deutliche Nachteile mit sich bringt.

Auf der jüngsten Apple-Keynote wurde unter anderem die Apple Watch Series 4 präsentiert. Die smarte Uhr bringt viele Features ihrer Vorgänger mit, aber auch einige Neuheiten, darunter die Funktion der Herzüberwachung (EKG). Während diese der Polizei bereits deutlichen Stress verursacht, sehen Ärzte Vorteile in der EKG-Messung. Es sind jedoch längst nicht alle Mediziner von der Smartwatch überzeugt. Im Gegenteil.

Deutsche Polizei warnt vor neuer Apple Watch

Dank neuer Sensoren soll die neue Apple Watch niedrige Herzfrequenzen und Herzrhythmusstörungen identifizieren und im Notfall sogar den Arzt rufen können. Das sorgt nicht nur bei Datenschützern für heftige Kritik. In den USA zumindest sorgten von iPhones und Apple Watches ausgesendete Notrufe bereits für Chaos in den Notrufzentralen, wie CBS Sacramento berichtete. Jeder fünfte Anruf war aus Versehen abgegeben worden.

Dieses Versprechen stößt bei der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) auf Kritik, wie die Funke Zentralredaktion berichtet: "Ich halte nichts von der Funktion. Ganz im Gegenteil: Die Gefahr ist viel zu hoch, dass die Sicherheitsbehörden mit Fehlalarmen überfordert werden", sagt der Vorsitzende Rainer Wendt der Redaktion. Zumindest sollte die Technik nicht flächendeckend in Deutschland eingesetzt werden können.

"Wenn überhaupt müsste man die Funktionsfähigkeit zunächst einmal in einem örtlich beschränktem Pilotprojekt austesten – so wie wir es ja auch mit Videotechnik und Gesichtserkennung machen." Gemeint ist zum Beispiel das Pilotprojekt zur Überwachung durch Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz. "Wir sollten nicht sämtliche Lebensrisiken nur durch Technik versuchen zu minimieren", so Wendt.

Ärzte sehen Zusatznutzen, aber keinen Arztersatz in Apple Watch

Unter Kardiologen und Experten sind die Meinungen geteilt. Laut Voruntersuchungen soll die Smartwatch in 95 Prozent der Fälle Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern genau so feststellen können, wie es auch klinisch möglich ist. Da es das Ziel der Apple Watch sei, solche Unregelmäßigkeiten frühzeitig zu erkennen, kann sie ein "wertvolles Monitoring-Tool zur Etablierung wichtiger Informationen für Patienten und deren Ärzte darstellen“, so eine Pressemeldung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie DGK (PDF).

Interessant ist, dass die Apple Watch laut Experten, wie Norbert Bachl, Direktor des Österreichischen Instituts für Sportmedizin (ÖISM), zwar wertvolle Daten liefern kann, sofern im Vorfeld bereits Gesundheitsprobleme diagnostiziert wurden. Für gesunde Nutzer sei die EKG-Funktion jedoch nichts. Hier würde es ausreichen, Herzfrequenz und Belastung beim Sport zu überwachen.

Auch generell solle die Apple Watch nicht als Ersatz für einen Besuch beim Arzt verwendet werden, sondern den zuständigen Mediziner lediglich bei der Diagnostik unterstützen.

Andere Ärzte sind von Apple Watch noch wenig überzeugt

Es gibt aber auch deutlich kritischere Stimmen zur neuen Apple Watch – dieser sei nämlich nicht zu trauen. CNBC gegenüber erklärte die Kardiologin Patricia K. Nguyen, dass sie trotz den Vorteilen einer solchen Technologie noch keine Empfehlung für ihre eigenen Patienten abgeben würde. Ihr würden dazu noch entscheidende Informationen fehlen:

  • Durch welche Daten hat Apple die Genehmigung bekommen?
  • Wie besteht die Apple Watch den direkten Vergleich mit gegenwärtigen Alternativlösungen?
  • Test benötigt ein diverses Set an Patienten
  • Funktioniert das Feature der Apple Watch auch bei Bewegungen akkurat?

Es bleibt noch einiges zu klären

Nguyen interessiert zunächst, welche Daten Apple der amerikanischen Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde FDA vorgelegt hat, um seine Sensoren genehmigen zu lassen. Für Ärzte ist dies eine Standardfrage, die sie routinemäßig eher selbst überprüfen als dem Urteil der FDA blind zu vertrauen.

Zweitens fehlt der Kardiologin der direkte Vergleich der Apple Watch mit Produkten, die gegenwärtig am amerikanischen Markt etabliert sind. Vor allem mit dem jetzigen Goldstandard, dem Zio Patch, müsste sie in Präzision und Empfindlichkeit mithalten können.

Ein Test dieser Art müssten zusätzlich an Patienten unterschiedlichsten Alters und mit verschiedenen Gesundheitszuständen getestet werden, um eine generelle Wirksamkeit nachzuweisen. Funktioniert die Herzüberwachung bei relativ jungen und gesunden Personen, bedeute das noch lange nicht, dass die Apple Watch auch bei älteren Patienten mit ernsthafteren Problemen anschlagen würde.

Wegen der neuen Apple Watch häufiger beim Arzt?

Zu gu­ter Letzt sei ein Test bei Bewegung notwendig. Viele medizinische Technologien funktionierten laut Nguyen bestens im Labor, in dem Patienten still sitzen. Die Frage sei allerdings, ob die Apple Watch auch bei viel Bewegung noch akkurat und verlässlich messe.

Die DGK hält insbesondere bei der Interpretation der erhobenen Messdaten noch weitere Untersuchungen für dringend notwendig: "Bevor auf dieser Datenbasis konkrete Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden können, beispielsweise die Einleitung einer Antikoagulation bei asymptomatischen Patienten mit einem in der Apple Watch 4 detektierten Vorhofflimmern, sind noch umfangreiche klinische Folgestudien notwendig.“

Funktionsweise der EKG-Messung

Die Apple Watch ist auf ihrer Rückseite mit einem optischen Pulsmesser, einem elektrischen Sensor sowie einer Elektrode in der Krone, dem Rädchen an der Seite, ausgestattet. Durch das Auflegen des Fingers und die dazugehörige EKG-App kann die Smartwatch ein 1-Kanal-EKG aufzeichnen. Sensoren im Inneren der Apple Watch sollen außerdem in der Lage sein, Stürze des Trägers wahrzunehmen. Bewegt sich dieser danach mindestens eine Minute lang nicht mehr, setzt die Smartwatch einen Notruf ab.

Das eingebaute EKG zum Messen der Herzfrequenz ist gegenwärtig nur in den USA verfügbar. Die Sensoren, die messen, ob der Träger gestürzt ist und im Notfall den Notruf wählen, stehen dagegen auch schon für deutsche Nutzer bereit.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit futurezone.at.

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