Das Gerichtsurteil ist bei dem Fall „Johnny Depp gegen Amber Heard“ gefallen. Amber Heard verliert, ihre Missbrauchsvorwürfe werden abgeschmettert und sie wird wegen Falschbehauptungen verurteilt. Johnny Depp triumphiert zwar, doch auch er muss Strafe zahlen. Indes geht die Online-Petition gegen die 36-jährigen Schauspielerin weiter und erreicht in absehbarer Zeit einen neuen Meilenstein.

Online-Petition gegen Amber Heard: Fast 4,5 Millionen Unterschriften

Noch vor vier Wochen waren es knapp 2,9 Millionen Menschen, die die Online-Petition „Remove Amber Heard from Aquaman 2“ unterschrieben haben. Jetzt, nachdem der Prozess des Ex-Ehepaars vorbei ist, geht sie weiter.

Mehr als 4.480.000 Menschen fordern mit ihrer Unterschrift bei change.org, dass die Schauspielerin nicht mehr bei „Aquaman 2“ auftreten soll [Stand: 2. Juni, 12:46 Uhr].

Bei 4.500.000 Unterschriften wird diese Petition zu einer der meist gezeichneten Petitionen auf Change.org.

In dem Film mit Jason Momoa als titelgebenden Held spielt sie die Meereshexe Mera. Er soll im März 2023 in den Kinos erscheinen. Die Petition richtet sich daher an die Warner Studios und DC Entertainment.

Amber Heard und Jason Momoa in Aquaman.
Amber Heard und Jason Momoa in „Aquaman“. © imago images/Everett Collection

Vor drei Jahren startete Jeanne Larson die Petition bereits. Seit dem Start des Prozesses scheinen mehr Menschen auf die Petition aufmerksam geworden zu sein und handeln zu wollen. Die Initiatorin schreibt Anfang Mai:

„Seit Beginn des Prozesses von Johnny Depp gegen Ex-Frau Amber Heard sind die Zahlen der Petition, Amber Heard aus ‚Aquaman 2‘ zu entfernen, explodiert.“

Jeanne Larson

Und selbst oder gerade nachdem das Gerichtsurteil gesprochen wurde, unterschreiben Tausende Menschen.

Die Petition: Der Hintergrund

Jeanne Larson schreibt in ihrer Petition etwa, warum sie diese ins Leben gerufen hat:

„Da Amber Heard eine bekannte und nachgewiesene häusliche Missbraucherin ist, sollten und müssen Warner Brothers und DC Entertainment Heard aus ihrem ‚Aquaman 2‘-Filmprojekt entfernen. Sie dürfen das Leiden der Opfer von Heard nicht ignorieren und dürfen einen häuslichen Gewalttäter nicht verherrlichen.

Männer sind Opfer von häuslicher Gewalt, genau wie Frauen. Dies muss erkannt werden, und es müssen Maßnahmen ergriffen werden, um zu verhindern, dass eine bekannte Missbraucherin in der Unterhaltungsindustrie gefeiert wird.“

Jeanne Larson

Doch worum ging es in dem Prozess genau?

Prozess Johnny Depp gegen Amber Heard: Kurze Zusammenfassung

Vom 11. April 2022 bis zum 27. Mai lief der Zivilprozess in Fairfax, Virginia, und wurde online live übertragen. Das ist der Hintergrund:

  • 2019 reichte Johnny Depp eine Klage wegen Rufschädigung gegen seine Ex-Frau Amber Heard ein.
  • Hintergrund ist ein Zeitungsartikel von Heard, in dem sie Depp mutmaßlich der häuslichen Gewalt beschuldigt – ohne seinen Namen zu nennen. Der Artikel erschien 2018 in der Washington Post. Darauf nannte das Boulevardblatt The Sun Depp einen Frauenschläger („Wife-Beater“) – wogegen er klagte und verlor.
  • Depp bestreitete die Vorwürfe und sagt etwa, dass seine Ex-Frau in ihrer Beziehung psychisch und physisch gewalttätig war.
  • Depp wollte seinen Namen reinwaschen und beweisen, dass die Vorwürfe gegen ihn falsch sind. Außerdem wollte er beweisen, dass Heard seinem Ruf und seiner Karriere mit dem Artikel nachhaltig geschadet hat.
  • Er verklagte Heard auf 50 Millionen US-Dollar.
  • Heard gab vor Gericht unter anderem an, ihr Ex-Mann habe sie physisch, psychisch und sexuell misshandelt.
  • Sie verklagte Depp auf 100 Millionen US-Dollar.

Nach den Vorwürfen entschied Disney, die „Fluch der Karibik“-Reihe, in der Johnny Depp Jack Sparrow spielt, ohne ihn fortzuführen. Außerdem bat Warner Brothers den 58-Jährigen um seinen Rücktritt von seiner Rolle als Grindelwald in den „Phantastische Tierwesen„-Filmen. Er wurde im neuesten Werk bereits durch Mads Mikkelsen ersetzt.

Amber Heard erklärte jedoch vor Gericht, dass ihre Rolle in „Aquaman 2“ wohl aufgrund ihrer Situation mit dem Ex-Ehemann geändert oder zumindest gekürzt wurde.

Das ist das Urteil

Die Jury sprach Amber Heard einstimmig für schuldig, doch in einigen Punkten geben sie ihr auch Recht:

Die Geschworenen bewerteten den Zeitungsbeitrag von Amber Heard als verleumderisch. Er sei in bösartiger Absicht geschrieben worden. Deshalb soll Johnny Depp 15 Millionen US-Dollar Schadensersatz von Amber Heard erhalten.

Johnny Depps Anwalt wiederum habe sich diffamierend über die Schauspielerin geäußert, indem er ihre Vorwürfe in der Öffentlichkeit als „Trick“ bezeichnet habe. Daher stehen ihr zwei Millionen US-Dollar zu.

Das Netz macht(e) Stimmung gegen Amber Heard

Nicht nur die Online-Petition zeigt es, auch zahlreiche Beiträge etwa auf Social Media deuten darauf hin, dass Amber Heard vor den Augen zahlreicher Menschen die einzig Schuldige ist – noch bevor das Gerichtsurteil gesprochen wurde. Es kursieren Hashtags wie #justiceforjohnnydepp auf Instagram, Twitter und Co. Auch dafür gibt es beispielsweise eine Online-Petition mit dem gleichen Namen, die mehr als 757.000 Unterschriften hat.

  • Auf Instagram hat #justisforjohnnydepp mehr als 398.000 Beiträge
  • #justiceforamberheard hat derzeit 10.563 Beiträge auf Instagram.

Ähnlich sieht es bei TikTok aus. Es gibt mehrere Accounts mit „justicefor“. Das ist der Account mit den meisten Follower*innen:

  • Justice for Johnny depp ! hat mehr als 679.000 Follower*innen
  • justiceforamberheard hat mehr als 26.200 Follower*innen

In den jeweiligen Beiträgen und Kurzvideos sehen wir Ausschnitte aus dem Gerichtssaal und „Beweise“ dafür, dass Amber Heard lügen.

Das sagen Depp und Heard zum Urteil

Das Ex-Ehepaar äußerte sich kurz nach dem Gerichtsurteil zum Prozessausgang.

„Diese Jury hat mir mein Leben zurückgegeben“, schreibt etwa Johnny Depp bei Instagram. Der Schauspieler fühle jetzt inneren Frieden. „Das Ziel, diesen Prozess voranzubringen, war von Anfang an, die Wahrheit ans Licht zu bringen“, so der Hollywoodstar.

Amber Heard könne ihre Enttäuschung „nicht in Worte fassen“. Es breche ihr Herz, dass die Jury trotz eines „Bergs an Beweisen“ ihr nicht geglaubt habe. Außerdem sehe sie in dem Urteil einen Rückschritt für Frauen in ähnlichen Situationen und habe den Eindruck, dass sie ihr Recht, „frei und offen zu sprechen“, verloren habe.

Quellen: change.org, YouTube/Law&Crime Network, Instagram, TikTok, Instagram/johnnydepp, Instagram/amberheard, eigene Recherche

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