Vor dem Büro der Vereinten Nationen für Abrüstungsfragen (UNODA) legte K. V. Vorontsov, Leiter der russischen Delegation, ein Statement vor, das derzeit für Aufsehen sorgt. Darin prangert er die Nutzung quasi-ziviler Infrastrukturen zu militärischen Zwecken an. Russland sehe sie daher als ein „legitimes Ziel“ für mögliche Gegenschläge.

Russland warnt den Westen

Man wolle lediglich auf einen „äußerst gefährlichen Trend hinweisen“, heißt es in dem Statement des russischen Diplomaten. Dieser Trend gehe über die harmlose Nutzung von Weltraumtechnologien, in erster Linie Satelliten, hinaus und stelle in den Augen Russlands einen direkten Eingriff in das russisch-ukrainische Kriegsgeschehen dar.

Da sich die Vereinigten Staaten sowie deren Verbündete zivile, kommerzielle Infrastruktur im Weltraum für militärische Zwecke zunutze mache, müsse es Konsequenzen geben. „Quasi-zivile Infrastrukturen können ein legitimes Ziel für Vergeltungsmaßnahmen werden“, heißt es in dem Statement, das dem UNODA vorliegt.

„Provokative Nutzung ziviler Satelliten“

Diese Maßnahmen könnten etwa das Satellitennetzwerk Starlink treffen. Kurz nach Beginn des Krieges hatte Elon Musk der Ukraine über sein privates Raumfahrtunternehmen SpaceX zahlreiche Terminals zur Verfügung gestellt. Sie stellen mittlerweile einen wichtigen Bestandteil der ukrainischen Kommandostruktur dar.

Aktionen wie diese könnten den Frieden der Weltraumaktivitäten gefährden, warnt Vorontsov. Dasselbe gelte für zahlreiche soziale und wissenschaftliche Prozesse auf der Erde. Sie würden das Wohlergehen der Menschen, insbesondere in den Entwicklungsländern, betreffen.

„Zumindest ist diese provokative Nutzung ziviler Satelliten nach dem Weltraumvertrag, der die ausschließlich friedliche Nutzung des Weltraums vorsieht, fragwürdig und muss von der internationalen Gemeinschaft scharf verurteilt werden.“

K. V. Vorontsov

Neuartige Waffe könnte Satelliten blenden

Das Werkzeug für einen entsprechenden Gegenschlag verbirgt Russland derzeit im Weltraumüberwachungskomplex Krona. Diese Basis im Nordkaukasus, einige Kilometer westlich von Selentschukskaja, soll Laserteleskope beherbergen, deren Konstruktion die Regierung des Landes bereits im Jahr 2011 initiierte. Kernstück der Anlage ist die „spezialisierte automatisierte Teleskopanlage“ Kalina.

Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich dabei um eine Waffe, die dazu dient, feindliche Satelliten über russischem Boden zu blenden. Mit dem jüngsten Statement der Delegation scheint der künftige Einsatz des Systems im Ukraine-Krieg immer wahrscheinlicher. Unklar ist aber, ob es Russland bei einer solch „harmlosen“ Maßnahme belassen würde.

Quellen: „Statement by the Head of the Russian Delegation K.V.Vorontsov at the second session of the Open-Ended Working Group established pursuant to UNGA resolution 76/231“, (2022); UNODA

Seit dem 24. Februar 2022 herrscht Krieg in der Ukraine. Hier kannst du den Betroffenen helfen.

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