Die Netflix-Doku „Unser Vater – Dr. Cline“ (2022) erzählt die schockierenden Ereignisse, die sich in einer Fruchtbarkeitsklinik in den USA in den 1970er und 1980er Jahren zugetragen haben. Es geht um Donald Cline, der mithilfe von künstlicher Befruchtung mehr als 90 Kinder zeugte – jedoch nicht mit dem Sperma des von den Frauen ausgesuchten Spenders, sondern mit seinem eigenen. Was ist die wahre Geschichte des Arztes? Und was macht Donald Cline heute?

„Unser Vater – Dr. Cline“ darum geht’s

In „Unser Vater – Dr. Cline“ kommt etwa Jacoba Ballard zu Wort. Sie schildert die dramatischen Ereignisse, auf die sie stieß, nachdem sie 2014 einen DNA-Test machte. Mit 33 Jahren begab sie sich nämlich auf die Suche nach ihrem biologischen Vater. Dass sie mithilfe der künstlichen Befruchtung gezeugt wurde, verrieten ihre Eltern ihr bereits als sie zehn Jahre alt war.

Innerhalb weniger Wochen hat sie bei ihren ersten Nachforschungen acht Halbgeschwister identifiziert. Sie wurden zwischen 1979 und 1986 geboren. Jacoba Ballard wurde misstrauisch. Denn eigentlich sollten maximal drei Menschen mit ein- und demselben Sperma befruchtet werden … Bald darauf kam sie auf den Donald Cline.

Im Laufe der Netflix-Doku sehen wir, dass immer mehr Kinder von Donald Cline auftauchen. Einige von ihnen kommen zu Wort. Auch die Mütter erzählen von ihren Erfahrungen und berichten etwa davon, dass sie sich vergewaltigt fühlten. Nach und nach wird aufgedeckt, wer der Fruchtbarkeitsarzt war und welche Ausmaße und Konsequenzen seine Taten hatten und immer noch haben.

Donald Cline aus „Unser Vater – Dr. Cline“

Donald Cline eröffenete seine Klinik im Jahr 1979, als Spendenbefruchtungen noch relativ neu waren. Damals rieten behandelnde Mediziner*innen den Eltern, ihren Kindern nichts von der künstlichen Befruchtung zu erzählen. Zum Teil führten die Praxen nicht einmal Aufzeichnungen darüber, damit es keine Papierspuren zwischen dem Spender und dem Kind gab. Vor allem kam dies aus Angst vor psychischen Schäden bei dem Kind.

2014 kam ans Licht, dass Donald Cline sein eigenes Sperma verwendete, um in der Fruchtbarkeitspraxis in Indianapolis Dutzende Kinder zu zeugen. In der Doku kommen einige von ihnen zu Wort und sie erzählen, wie sie hinter ihre wahre Zeugung gekommen sind.

Donald Cline muss gedacht haben, dass niemand von seinen Taten erfahren würde. In den 1980er Jahren waren DNA-Testkits für Zuhause noch nicht in einem solchen privaten Rahmen üblich. Als ihn seine biologischen Kinder vor Gericht brachten, gab es in Indiana kein Gesetz über eine solche Praxis. Deshalb wurde er wegen Behinderung der Justiz, falscher Werbung und unmoralischen Verhaltens angeklagt.

Als er beschuldigt wurde, reagierte er Beobachter*innen zufolge, wie eine Person, „die daran gewöhnt ist, mächtig zu sein“, so etwa Staatsanwalt Tim DeLaney (via The Atlantic). Außerdem nutze er offenbar seinen Glauben als Ablenkung für seine Taten.

Donald Cline heute

Letztendlich erhielt Donald Cline eine Geldstrafe von 500 US-Dollar und ein Jahr auf Bewährung. Zwar verlor er seine Approbation als Arzt, doch er war seit 2009 bereits im Ruhestand.

Viel wissen wir nicht über das Privatleben des einstigen Arztes. Laut The Atlantic lebt Donald Cline heute immer noch in Indianapolis (Stand: 2019). Viele seiner Kinder sollen gar in seiner Nähe wohnen. Sie sollen seine Familie immer wieder zufällig treffen.

Weiteres aus dem Hause Netflix

Der schwerwiegende Betrug von Donald Cline ist nicht der einzige, den Netflix beleuchtet. Was macht etwa Simon Leviev vom „Der Tinder-Schwindler“ heute? Die fiktionalisierte Serie „Inventing Anna“ zeigt den Aufstieg und Fall der Hochstaplerin Anna Delvey/Sorokin. Das macht die echte Anna Sorokin heute. Und was macht Clark Olofsson heute, der in der Netflix-Serie „Clark“ zu sehen ist?

Quellen: Netflix, The Atlantic

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