Es spielt keine Rolle, in welcher Disziplin, ob in der Leichtathletik oder bei der Sammlung von Barbie-Puppen – Rekorde sind immer eindrucksvoll und eine interessante Meldung wert. Auch im Unterhaltungssegment gibt es Bestmarken, so auch bei Serien. Aktuell stehen die Zeichen gut, dass die vierte Staffel „Stranger Things“ den absoluten Netflix-Olymp erklimmen wird, nachdem die erste Hälfte schon für Furore sorgte. Aber wenn zuvor schon diverse Parameter begünstigend geändert wurden – wen soll das dann noch jucken?

Netflix-Serien wie „Stranger Things“: Jedes Jahr ein neuer Rekord

Viele Rekorde sind auch deshalb so spannend, weil sie für gewöhnlich nicht besonders oft gebrochen werden. Da können schon mal Jahrzehnte vergehen, bis es mal wieder so weit ist. Aber bei Netflix? In der ersten Jahreshälfte 2020 rannte „Tyler Rake: Extraction“ der Konkurrenz als meistgesehener Film davon. Nur ein Jahr und einige Änderungen der Parameter später verwiesen ihn Titel wie „Red Notice“ oder „Dont‘ Look Up“ auf den fünften Platz. „Stranger Things“ hat den Großteil der anderen Titel ebenfalls bereits hinter sich gelassen – nur ein Jahr, nachdem „Bridgerton“ die Messlatte höherlegte.

Einige der Stars aus "Stranger Things" bei Netflix.
Einige der Stars aus „Stranger Things“ bei Netflix. © Netflix

Die erste Hälfte der vierten Staffel von „Stranger Things“ sorgte zahlenmäßig für neue Superlative beim Streaming-Anbieter. Und bislang gilt die neue Runde schon jetzt als die erfolgreichste englischsprachige Netflix-Serienproduktion aller Zeiten, wie man selbst schreibt. Da aber erst vor kurzem die zweite Hälfte erschienen ist, könnte der Vorsprung weiter ausgebaut werden. Auch der allgemeine Rekord von „Squid Game“ droht zu wackeln.

Netflix: Rekorde erreichen leicht gemacht

Die für die Statistik relevanten Zahlen werden innerhalb der ersten 28 Tage nach Veröffentlichung gesammelt und dann zum Gesamtergebnis addiert. Durch die Zweiteilung der Staffel profitiert „Stranger Things“ allerdings von insgesamt 56 Tagen Auswertung – wen sollen da noch die Rekordmeldungen wundern?

Zugegeben, das ist keine Maßnahme, die ausschließlich auf „Stranger Things“ zutrifft. Auch „Haus des Geldes“ profitierte zum Beispiel bereits davon, allerdings ohne derartige Zahlen zu schreiben. Diese werden allerdings ganz klar begünstigt, weil Netflix in den vergangenen Jahren wiederholt die Messung von Erfolgen einfach geändert hat.

Zuvor bestimmten die Haushalte, die sich einen Titel angeschaut haben, den Erfolg. Dazu mussten mindestens 70 Prozent eines Films oder einer Serie geschaut werden – das ist schon ziemlich viel. Später reichten nur noch zwei Minuten für die Aufnahme in die Statistik, angeblich weil das Intentionalität anzeige, wie Screen Rant berichtete. Mittlerweile ist man zu gesehenen Stunden übergegangen.

Je länger desto besser

Finn Wolfhard und Millie Bobby Brown in der vierten Staffel "Stranger Things".
Finn Wolfhard und Millie Bobby Brown in der vierten Staffel „Stranger Things“. © Netflix

Der aktuelle Gradmesser für Beliebtheit und Erfolg gibt natürlich vor allem langen Titeln einen wichtigen Vorteil. Und in diesem Punkt sticht die neue Staffel „Stranger Things“ besonders hervor: Die kürzeste Folge dauert „nur“ 64 Minuten. Viele andere Episoden sind zwischen 70 und 80 Minuten lang, die Folgen 7 bis 9 dauern dann jeweils 98, 85 und sogar 150 Minuten – alles Längen für abendfüllende Spielfilme und für Letztere gäbe es in deutschen Kinos sogar Überlängenzuschlag.

Wie das Branchenmagazin Variety jetzt berichtet, ist die neue Season nach „Squid Game“ erst die zweite Serienstaffel überhaupt mit mehr als einer Milliarde gesehenen Stunden bei Netflix. Aktuell (Stand 6. Juli 2022) sahen Fans die 4. Staffel „Stranger Things“ für bislang 1,15 Milliarden Stunden, „Squid Game“ steht bei 1,65 Milliarden. Überrascht das? Natürlich haben sich die Duffer-Brüder ganz sicher nicht während der Produktion gedacht, sie müssten extra lange Folgen nur für die Erfolgsmeldungen drehen. Und der Titel ist auch ungeachtet der Länge enorm populär. Dennoch spielte das Netflix wunderbar in die Karten.

Retten Rekorde Netflix?

Erfolg ist sexy, Rekorde sind es noch mehr. Sie sind nicht nur tolle Nachrichten, sondern womöglich auch ein wichtiges Signal für die Investoren. Die äußerten schon Zweifel an der Zukunft von Netflix, nachdem man vor einigen Monaten erstmals zurückgegangene Abo-Zahlen kommunizierte, wie CNN schrieb.

Ob indes das Publikum durch „Stranger Things“ bei der Stange gehalten wird, ist fraglich: Tatsächlich stößt es sich gegenwärtig an drei Dingen bei Netflix ganz besonders. Neue Schlagzeilen wird das Unternehmen dennoch schreiben. Am besten mit neuen Zuschauerrekorden. Und im Zweifel reformiert man die Erfolgsparameter einfach noch einmal, um schon bald wieder die Sektkorken knallen lassen und sich stolz auf die Schultern klopfen zu können.

Quellen: Netflix, Variety, Screen Rant, CNN, eigene Recherche

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