Das internationale Renommee der deutschen Ingenieurskunst ist ungebrochen: deutsche Automarken zählen trotz Dieselskandals zu den prestigeträchtigsten Gefährten, die es zu kaufen gibt, Traditionsunternehmen wie Siemens, Bosch oder Bayer gehören in ihren Branchen seit Jahrzehnten zu den Marktführern. Aber nicht nur Produkte westdeutscher Industriebetriebe waren rund um die Welt aufgrund ihrer Qualität geschätzt: über Jahrzehnte waren die Projektoren der Jenaer VEB Carl Zeiss internationale Verkaufsschlager; rund um die Welt wurden sie in Planetarien eingesetzt.

Carl Zeiss im Wandel der Zeiten

Die Firma Carl Zeiss in Jena hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Der Mechaniker-Meister Carl Zeiss eröffnete bereits 1846 eine erste Werkstatt in Jena. Bis zum Tod des Gründers im Jahr 1888 war aus der Werkstatt ein Unternehmen mit 327 Beschäftigten entstanden. Zur Jahrhundertwende erlebte Carl Zeiss schließlich einen rasanten Aufstieg und entwickelte sich zu einem der Pionier-Unternehmen der optischen Industrie.

Die Zerreißprobe folgte schließlich 1945: Jena wurde zunächst von amerikanischen GIs befreit, Thüringen wurde im Juli 1945 jedoch zum Teil der sowjetischen Besatzungszone gemacht. Die Geschäftsführung und ein Teil der Belegschaft zog daraufhin nach Oberkochen in Baden-Württemberg, wo am 1. Oktober 1947 ein neuer Produktionsstandort gegründet wurde. Die Anlagen in Jena wurden hingegen verstaatlicht und als VEB Carl Zeiss in die DDR-Staatsindustrie integriert. Nach der Wiedervereinigung wurden die beiden Carl Zeiss-Nachfolgeunternehmen wieder zusammengeführt. Der traditionsreiche Standort in Jena wurde der Westzentrale in Oberkochen untergeordnet.

Zeiss-Planetarien

Das erste Planetarium wurde ab 1919 vom Physiker Walther Bauersfeld in Jena entwickelt. Bauersfeld gestaltete das Planetarium als kuppelförmigen Bau, auf dessen Innenseite ein Abbild des Sternenhimmels projiziert wird, um Besuchern auch bei Tageslicht astronomische Begebenheiten näherbringen zu können – das gleiche Prinzip haben spätere Planetarien übernommen. Bauersfelds Planetarium wurde 1923 im Deutschen Museum in München vorgestellt. Nur wenige Jahre später wurde auch in Jena ein Planetarium eröffnet. Es ist heute das betriebsälteste Planetarium der Welt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Betriebsspaltung wurden in Jena neben optischen Geräten für Wissenschaft und Militär auch weiterhin Planetariumsprojektoren gebaut, die in die gesamte Welt exportiert wurden. Bereits Bauersfelds erstes Modell eines Sternenprojektors setzte Standards für spätere Geräte von Zeiss und anderer Hersteller. Die Rolle als technischer Vorreiter in diesem Bereich konnte Zeiss auch zu DDR-Zeiten beibehalten. Die Jenaer Zeiss Werke spezialisierten sich auf faseroptische Bauelemente, mit denen Licht gebündelt werden kann, um eine noch wirklichkeitsgetreuere Simulation des Sternenleuchtens zu erzeugen. Die Faseroptiken, die in modernen Planetarien zum Einsatz kommen, werden digitalen Projektionssystemen auf Jahre hinaus in der Darstellung des Sternenhimmels überlegen sein.

Von Cosmorama bis zur Gegenwart

Das einstmalige Flaggschiff unter den Zeiss-Sternenprojektoren, der Cosmorama-Projektor, wurde in den 80er Jahren entwickelt. Er war unter anderem ab 1987 im Zeiss-Großplanetarium im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg im Einsatz und konnte mehr als 9.000 Sterne simulieren. Dafür wurden nicht nur die optischen Instrumente, sondern auch die notwendige Rechentechnik von Carl Zeiss entwickelt. Seit 2014 ist der Berliner Cosmorama-Sternenprojektor im Ruhestand und durch verbesserte Projektortechnologie ersetzt worden. Damit ging die Ära dieser DDR-Exportschlager zu Ende – bis heute ist Zeiss Pionier im Bereich der Planetariumsprojektoren.

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