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Stephen Hawkings Krankheit: Was ist eigentlich ALS?

Fast sein ganzes Leben litt Stephen Hawking an einer Krankheit. Doch was ist ALS eigentlich genau? Wir helfen dir, damit du die Störung des Nervensystems besser verstehen kannst.

Stephen Hawking
Astrophysiker Stephen Hawking glaubte an ein Ende der Menschheit durch den Klimawandel. Foto: imago images/ZUMA Press

Nicht nur sein nicht zu bändigender Wissensdurst, sondern auch ein anderes Merkmal machten ihn populär: Stephen Hawkings Krankheit, unter der er als einer der bedeutendsten Wissenschaftler unserer Zeit schon seit seiner Jugend litt. Doch nur wenige Menschen wissen, worum es sich bei seinem Leiden, welches vor allem das menschliche Nervensystem betrifft, eigentlich genau gehandelt hat. Doch seit seinem Tod und dank seines unermüdlichen Kampfes gegen die Unwissenheit fragen sich mittlerweile viele von uns: Was ist ALS eigentlich genau? Damit du bei dem sensiblen Thema nicht komplett im Dunkeln tappst, erklären wir dir im Folgenden, worum es sich bei der Krankheit, die Stephen Hawking fast sein ganzes Leben lang heimsuchte, eigentlich handelt.

Stephen Hawkings Krankheit: Das ist ALS

Bei Stephen Hawkings Krankheit handelt es sich um Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS genannt. Die Krankheit schädigt grob gesagt die Nervenzellen des Körpers und lässt dabei die Muskeln nach und nach schwinden. Obwohl Hawkings Krankheitsverlauf außergewöhnlich war, ist auch noch kein Heilmittel für gewöhnlichere Verläufe gefunden worden.

Bereits mit jungen 21 Jahren, kurz vor seinem ersten Professortitel in angewandter Mathematik, erhielt Hawkings die schreckliche Diagnose: Er war an ALS erkrankt und dieses Leiden sollte ihn bis zu seinem Tod im Jahre 2018 begleiten. Bereits vor der Diagnose machte sich Stephen Hawkings Krankheit bemerkbar. Häufiger stieß er an Dinge oder diese um, stolperte augenscheinlich grundlos laut eigener Beobachtung zunehmend tollpatschig. Diese Symptome sind typisch für die Angriffe von ALS auf das Nervensystem, die meisten Betroffenen klagen über Probleme bei der Koordination der Arme und Beine, bei anderen beginnt sich die Krankheit, unter der auch der brillante Hawkings litt, durch Sprachstörungen oder Schluckbeschwerden zu äußern. Dabei mag es paradox erscheinen, dass sich das Leiden zuerst über äußerlich feststellbare Anzeichen äußert, während im Körperinneren die Nervenzellen langsam absterben.

Was bei einer ALS-Erkrankung im Nervensystem passiert

Stephen Hawkings Krankheit ist heutzutage zwar schon gut erforscht, ein Heilmittel sucht man jedoch auch heute noch vergebens. Bei ALS werden sogenannte Motoneuronen, also spezielle Nervenzellen in der Hirnrinde und im Rückenmark, nachhaltig zerstört. In einem gesunden Körper sorgen diese Nervenzellen dafür, dass Signale an die Skellettmuskeln gesendet werden können. Diese besonderen Muskeln sind dafür verantwortlich, dass wir aktive Bewegungen, zum Beispiel beim Laufen, Sprechen oder sogar dem Kauen, ausführen können. Bei einer ALS-Erkrankung senden die Motoneuronen jedoch keine Signale mehr: Die Muskeln erhalten keine Befehle mehr, wodurch sie aufhören, zu arbeiten und mit der Zeit gänzlich verschwinden zu drohen. Das bittere, aber typische Ende eines solchen Krankheitsverlaufes gipfelt in einem Versagen der kompletten Atemmuskulatur, was zum Tod des Patienten führt.

Ähnlich sah es auch mit Stephen Hawkings Krankheit aus. Zuerst verlor er die Fähigkeit, seine Arme und Beine zu kontrollieren, was ihn in den Rollstuhl, in welchem der Großteil der Menschen ihn in Erinnerung behalten haben dürfte, zwang. Anschließend suchten ihn Sprachstörungen sowie Probleme bei der selbstständigen Kontrolle seiner Atmung heim. Doch ein entscheidender Unterschied zwischen Stephen Hawkings Krankheit und einer herkömmlichen ALS-Erkrankung war, dass Hawking die Diagnose zwar bereits Anfang 20 gestellt bekam, ihr Verlauf jedoch extrem langsam voranschritt. Durchschnittlich erkranken Patienten etwa zwischen ihrem 55. und ihrem 70. Lebensjahr an ALS und sterben dann innerhalb von fünf Jahren. Hawking lebte über 50 Jahre mit der Krankheit, ehe er ihr im Jahr 2018 mit 76 Jahren erlag.

Die Ice Bucket Challenge: Mehr Aufmerksamkeit für ALS

Als im Jahr 2014 die sogenannte Ice Bucket Challenge zum absoluten Hit in den sozialen Netzwerken avancierte, nutzten auch die Kinder von Stephen Hawkings, dessen Krankheit das wohl populärste Beispiel für ALS sein dürfte, die Chance, auf das Leiden der Patienten aufmerksam zu machen. Dabei ließen sie sich stilecht einen Eimer eiskaltes Wasser über ihren Kopf schütten, um Spenden zu sammeln, die der ALS-Forschung gewidmet waren. Dabei kamen immerhin über 100 Millionen Euro für den guten Zweck zusammen. Ein Heilmittel ist leider dennoch in weiter Ferne, denn bislang wurde gerade einmal ein einziges Medikament für den Markt zugelassen, mit welchem der Tod der Erkrankten über wenige Monate hinweg hinausgezögert werden kann.

Heilung gibt es also nicht, jedoch kann man, wie auch im Falle von Stephen Hawkings Krankheit, versuchen, die noch übrigen motorischen Fähigkeiten wie das Laufen, Greifen und natürlich auch Sprechen, welches von ALS beeinträchtigt wird, solange wie möglich zu erhalten. Hilfreich sind dabei sowohl eine Physio- als auch eine Sprechtherapie. Weitere Informationen zu Amyotropher Lateralsklerose, also ALS, findest du auf einschlägigen Portalen im Netz, zum Beispiel von der ALS Association. Wenn dich der geniale Astrophysiker auch generell interessiert, haben wir hier fünf Fakten über Stephen Hawking für dich, die du garantiert noch nicht kanntest. Und was Stephen Hawking tatsächlich über Aliens dachte, dürfte dich ebenfalls zum Staunen bringen.

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