Die Theorie vom Multiversum ist keine neue. Tatsächlich nimmt sie einen recht großen Stellenwert in der Wissenschaft ein. Aber können wir uns Parallelwelten und den Zugang zu Ihnen so vorstellen, wie in „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“?

Das Multiversum: Was soll das eigentlich bedeuten?

Unter der Multiversen-Theorie versteht man schlichtweg die Idee, dass es neben unserer Galaxie noch weitere gibt. Darüber hinaus ist in diesem Oberbegriff jedoch nicht festgelegt, wie diese anderen Universen aussehen. Wirkliche Indizien für ein Vorhandensein von Multiversen haben wir noch nicht, da die Wissenschaft noch keine entsprechenden Messgeräte hat, um die Existenz etwa durch Beobachtungen belegen zu können. Genauso wenig spricht aber auch nichts gegen das Multiversum. Einige Konzepte aus Physik und Mathematik sprechen sogar dafür.

Noch in den neunziger Jahren schätzten Astronom*innen die Anzahl der Galaxien im Universum auf etwa 100 Milliarden Stück. Dieses Bild wurde jedoch einige Zeit später bereits revidiert, weil ein Großteil der Galaxien nicht im sichtbaren Bereich unser Milchstraße liegen.

So entstand durch mathematische Modelle eine geschätzte Anzahl von einer Billion Galaxien, die unser Universum beherbergen sollen. Für den menschlichen Verstand ist dieses Ausmaß schlichtweg unmöglich zu begreifen.

Urknall Parallelwelten
Der Urknall war nicht zwingend der Beginn von allem. Die Entstehung unserer Welt muss nicht die erste gewesen sein. © Getty Images/ MARK GARLICK/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Inflationstheorie macht das Multiversum denkbar

Der Gedanke einer unendlichen Anzahl von Universen in einem Multiversum fußt auf der Theorie der sogenannten ewigen Inflation. Demnach ist das, was wir als Weltall kennen, in einem Billionsten Bruchteil einer Sekunden entstanden. In einer Zeit, die viel kürzer ist als ein Augenblick, schwoll das Universum von einem Punkt unendlicher Dichte zu einem Universum an.

Dieser Prozess ist in der Astronomie als Inflation bekannt. Sie beschreibt die beispiellose Ausdehnung von Raum und Zeit zu einer gigantischen Blase, die eigentlich nicht vorstellbar ist. Einem mathematischen Modell nach ist der von uns aus nicht einsehbare Teil des Universum 1052-mal größer, als jene 90 Milliarden Lichtjahre, die wir mit modernster Technik beobachten können.

Im Sinne der ewigen Inflation ist dieser Prozess des wachsenden Universums noch nicht abgeschlossen – und wird auch nie abgeschlossen sein. Stattdessen sollen sich der Hypothese nach Teile unseres Universums wie Seifenblasen von einer Schaumkrone ablösen und ein eigenes Universums bilden. Somit bestünde das Multiversum aus einer unendlichen Anzahl solcher Blasenuniversen.

Die abgetrennten Universen würden sich mit Überlichtgeschwindigkeit von einem anderen Universum fortbewegen. Manche Astrophysiker*innen vermuten daher, dass der Urknall eben aus einer solchen Expansion eines anderen Universums entstanden sei. Und weil sich die Universen mit einer solch enormen Geschwindigkeit voneinander wegbewegen würden, könnten wir sie auch niemals erreichen, geschweige denn den Kern des Urknalls erreichen.

Multiversum als Blasen
Du kannst dir die Entstehung verschiedener Welten wie Blasen vorstellen, die sich voneinander ablösen und sich entfernen. © Getty Images/ MARK GARLICK/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Paralleluniversum wie bei Marvel: Verschiedene Zeitstränge und Versionen von uns?

Marvel begibt sich mit Filmen und Serien immer mehr in das Spektrum des Multiversums. Etwa in der Serie „Loki“ (2021) kann man zwischen verschiedenen Zeitsträngen wechseln, die eine Parallelwelt eröffnen. Generell wird das Thema Multiversum bzw. Paralleluniversum bei Marvel oft mit Zeitreisen und dem Wechsel zwischen recht ähnlichen Welten dargestellt.

Die Ereignisse in „Spider Man: No Way Home“ (2021) konzepiert das Multiversum als verschiedene Welten mit ähnlichen Abläufen. Menschen sehen aus wie Menschen und die ganze kulturgeschichtliche Entwicklung hat dennoch dazu geführt, dass zumindest zwei andere Welten ebenfalls einen Spider Man hervorgebracht haben. Doch ist das denkbar?

Die Antwort simpel ausgedrückt: Ja. Weniger simpel und etwas unbefriedigender für Marvel-Fans: Wir wissen es nicht. Bisher haben wir ein so begrenztes Wissen über unser Universum und wie es funktioniert, dass man nur in Theoriengebilden denken kann.

Fremde Galaxien bereisen: Das Reisen zwischen den verschiedenen Universen wird uns jedoch wahrscheinlich versagt bleiben. Physiker Albert Einstein sagt mit seiner Relativitätstheorie aus, dass wir nicht schneller als das Licht reisen können. Durch die massive und rasche Inflation des Universums erreicht nicht einmal das Licht aus unserer Galaxie andere Welten.

Planet Erde Parallelwelt
Eine weitere Erde mit der gleichen Entwicklung und den gleichen Menschen ist rein mathematisch denkbar, wenn auch unwahrscheinlicher als andere Konzepte. © Getty Images/ Thamrongpat Theerathammakorn / EyeEm

Multiversum könnte unser Universum kopieren

Nicht nur könnte es in einem Multiversum unzählige voneinander getrennte Universen geben, sondern diese auch noch kopieren. In jedem Universum könnte die Anordnung von Materie und Energie nach anderen physikalischen Gesetzmäßigkeiten stattfinden.

So entdeckten Wissenschaftler:innen der NASA 2020 in der Antarktis Anzeichen für ein solches Paralleluniversum. Die Forschenden stellten verblüfft fest, dass sich dort aufgespürte Elementarteilchen ganz anders verhielten als sie es im Rest des Universums tun.

Würde sich die Kombination physikalischer Rahmenbedingungen jedoch erschöpfen, könnte die Theorie eines unendlichen Multiversums nur dann aufgehen, wenn sich der Aufbau von Universen wiederholen würde. Dieser Gedankengang bedeutet in letzte Konsequenz, dass es von unserem Universum weitere identische Kopien geben müsse.

Das alles sind natürlich nur Mutmaßungen, die jedoch alle dieselbe Frage aufwerfen: Gibt es so etwas wie die Unendlichkeit überhaupt?

Quellen: FAZ, Space.com, eigene Recherche, Vice

Seit dem 24. Februar 2022 herrscht Krieg in der Ukraine. Hier kannst du den Betroffenen helfen.

Du willst mehr von uns lesen? Folge uns auf Google News.