Die Urknalltheorie ist bis heute nicht geklärt und so glauben einige Wissenschaftler*innen bereits an Alternativen zur gängigen Entstehungsgeschichte des Universums. Das zeigt vor allem, dass sich der menschliche Verstand noch immer schwer damit tut, warum ausgerechnet aus dem Nichts alles entstehen konnte. Einige Hypothesen gehen sogar so weit, Außerirdische für unseren Kosmos verantwortlich zu machen.

Urknalltheorie: Die Crux mit dem Nichts

Theoretisch muss es einen lauten Knall gegeben haben, als das Universums aus dem Nichts aufploppte und mit einem Mal sämtliche Bausteine reiner Existenz erschuf. Vorher gab es nichts, auch keine Existenz und plötzlich war sie da. Und genau das macht die Sache mit der Initialzündung des Universums so schwierig. Der menschliche Verstand kann sich schlichtweg das Nichts nicht vorstellen.

Doch spätestens seitdem Aristoteles die Beobachtung als Erkenntnismethode postuliert hat, müssen wir irgendetwas sehen können, um daraus Rückschlüsse zu ziehen. Die genaue Beobachtung der Natur hilft Naturgesetze zu verstehen. So reichte am Ende die Philosophie allein nicht mehr aus und eine neue Disziplin half uns, mehr über uns und unsere Umwelt zu verstehen: Die Physik.

Die Urknalltheorie besagt also, dass sich aus einem Punkt unendlicher Masse und Dichte pure Energie einen Weg gebahnt habe. Vorher gab es weder Zeit, noch Raum, noch Energie  – und plötzlich soll all das entstanden sein. Dieser Ansatz gilt bis heute als gesichert und trotzdem wagen sich manche Theorien als Alternative „hinter“ den Urknall: Was, wenn unser Universum keinen Anfang hätte? Oder was wäre, wenn wir Teil eines Multiversums wären?

Warum die Physik an den großen Knall glaubt

Astronom*innen wissen jetzt: Von unserem heutigen Wissensstand und der Technik aus, erreicht uns das entfernteste Licht aus Regionen, die 13,8 Milliarden Lichtjahre entfernt sind. Das gilt für jede Richtung, die unsere Teleskope derzeit anpeilen.

Doch durch die stetige Expansion des Weltalls soll sich das beobachtbare Universum derzeit auf über 90 Milliarden Lichtjahre erstrecken. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass wir immer nur das sehen können, was in unserem „direkten“ beobachtbaren Raum liegt. Das Universum könnte also noch viel größer sein.

Aus mehreren Gründen halten Wissenschaftler*innen jedoch an der Urknalltheorie fest. Dabei orientieren sie sich an universal geltende Naturgesetze:

  • Die Gesetze der Physik gelten überall im Universum und sind nicht an Zeit und Ort gebunden.
  • Das Universum erstreckt sich in alle Richtungen etwa gleich.
  • Die Erde befindet sich nicht im Zentrum.
  • Einsteins Gesetze gelten. Das bedeutet, dass das Universum stetig expandiert.
  • Das Universum entstand aus einem extrem heißen und endlich dichten Raum.
  • Die leichten Elemente wie Wasserstoff und Helium entstanden zuerst.
  • Hintergrundstrahlung fühlt das gesamte Universum aus und zeugt vom Urknall.
Illustration zur Expansion des Universums
Die Expansion des Universums von einem unendlich heißen und dichten Punkt aus gilt als gesicherte Theorie. © imago images / Science Photo Library

Die Alternativen zur Urknalltheorie

Mit diesen Parametern arbeiten Astrophysiker*innen, wenn es um die Beantwortung des größten Rätsels des Universums geht. Und tatsächlich dringt die Forschung mit dem Mitteln der Physik immer weiter in unbekanntes Gebiet vor. Bis zu 10−43 Sekunden vor dem eigentlichen kosmischen Großereignis kommen wir, danach ist Schluss.

Einen Quantensprung vom größten Rätsel des Universums entfernt zeigen sich jedoch auch andere Theorien auf, wie alles entstanden sein könnte. Eine Idee geht sogar so weit, dass das Universum nie „entstanden“ sei und eine andere beschreibt, dass das Universum gar nicht existiert.

Diese Alternativen zur Urknalltheorie gibt es:

#1 Das beständige Universum

Eine frühe Theorie zur damals noch relativ neuen These vom Big Bang erschien 1955 in der Cosmic Times der NASA. Der Artikel beschreibt, dass es keinen Urknall je gegeben habe, sondern das Universum unendlich lange bestehen würde. Es habe demnach weder einen Anfang, noch ein Ende. Die Überlegungen reichen so weit, dass die beständige Bildung von Materie nur den Anschein erwecke, als würde das Universum expandieren.

#2 Theorie der ewig währenden Inflation

Diese Theorie folgt der Urknalltheorie insofern, dass das Universum einen Startpunkt gehabt habe. Demnach habe sich das Universum extrem schnell ausgebreitet. Eine solch schnelle Ausdehnung wird in der Physik als Inflation bezeichnet.

Die Theorie der ewigen Inflation geht jedoch davon aus, dass das Weltall immer weiter anwachse und bis in alle Ewigkeit neue Galaxien bilde. Im Gegensatz zum beständigen Universum sei die ewige Inflation für das Entstehen immer neuer Universen verantwortlich.

#3 Wiederkehrendes Universum

Der Urknall ist dieser These nach nicht einfach so passiert, sondern markiert das Ende eines sterbenden Universums. Demnach habe das Universum stets geendet und wieder angefangen, unendlich oft. In diesem zyklischen Modell entsteht das Universum nicht nur ständig neu, sondern ist auch noch Teil eines multidimensionalen Gebildes.

Demnach entsteht immer dann das Universum oder verschwindet, wenn höherdimensionale Branen mit unserer Dimension kollidieren. Dieser ungesicherten Theorie nach wäre unser Universum, und somit auch der Urknall, Produkt zweier Dimensionen, die einander berührt haben.

#4 Urknalltheorie wie alles andere nur Teil einer Simulation

Die wohl spannendste Vermutung kommt aus dem Bereich der Quantenphysik und Stringtheorie. Demnach zeigten Experimente, dass unser Universum und alles darin befindliche/ womöglich nicht existieren würde.

So sei das sichtbare Universum nichts Geringeres als ein flaches Hologramm, dass auf eine Kugel projiziert werde. Demnach könnten alle Menschen, und all das was je existiert hat, Teil einer Simulation sein.

Das mag verrückt klingen, aber diese Theorie geht sogar mit einer Skala einher, welche die möglichen Entwicklungsstufen außerirdischer Zivilisationen beschreibt. Nach der sogenannten Kardaschow-Skala könnte eine Typ-Omega-Zivilisation so viel Rechenleistung aus allen verfügbaren Energiequellen von Galaxien abzweigen, um ein Universum zu simulieren.

Fazit

Die Urknalltheorie ist augenscheinlich die bisher fundierteste Antwort auf die Frage, wie das Universum entstanden ist. Sie vereint in sich alle physikalischen Erkenntnisse, die die Menschheit bisher entdeckt hat. Die anderen Theorien mögen vielleicht ebenso erkenntnisreich klingen, dennoch zeigt sich in ihnen auch der Wunsch nach einer befriedigenden Antwort.

Nicht zuletzt geht das so weit, dass die Theorie im Raum steht, ob wir in einer Simulation leben. Den Urknall als etwas Anthropozentrisches, als etwas von Menschen Gedachtes zu verstehen, ist ebenso unwirklich wie die Tatsache, dass die Erde in der Mitte dieses Universums liegt.

Quellen: Cosmic Times by NASA, Space.com, YouTube|Kurzgesagt, eigene Recherche

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