Ob virtuell auf einer Dating-App oder ganz klassisch im echten Leben: Wann immer wir Menschen in irgendeiner Form begegnen, wirkt mal mehr mal weniger die sexuelle Anziehung zwischen uns. Gründe dafür gibt es viele – und manchmal kommt sogar ein neuer noch dazu. Das zumindest legt eine neue Studie nahe, die doch tatsächlich zu der Auffassung kommt, dass ausgerechnet ein Parasit bei Attraktivität mitwirken könnte.

Sexuelle Anziehung durch Parasit möglich

An der finnischen Universität in Turku haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine neue Studie zum Toxoplasma gondii in Bezug auf sexuelle Anziehung durchgeführt, ein Urtierchen mit parasitärer Lebensweise. Dieses soll sehr weit verbreitet sein, nicht nur in der Tierwelt, sondern auch bei Menschen. Für lange Zeit galt es als völlig harmlos. In jüngerer Vergangenheit kam man aber zu dem Schluss, dass es womöglich für mehr Probleme verantwortlich sein könnte, als zuvor gedacht.

Kurioserweise scheint es aber womöglich zumindest einen positiven Nebeneffekt der Infektion zu geben: Denn in der Untersuchung galten Personen mit Toxoplasma gondii als attraktiver und gesünder aussehend. Die Forschungsergebnisse legen die Vermutung nahe, dass der Parasit den Wirtskörper auf äußerst subtile Art und Weise verändern kann.

Toxoplasma: Überleben durch sexy Wirtskörper

Das zu Grunde liegende Prinzip leuchtet durchaus ein: Zwar können verschiedene Parasiten die Gesundheit und damit den Fortpflanzungserfolg ihrer Wirtskörper mindern. Das hätte allerdings auch negative Folgen für den Erreger selbst, der sich dadurch auch nicht verbreiten kann.

Frühere Studien mit Ratten zeigten jedoch, dass Toxoplasma das Aussehen männlicher Ratten verändern und damit ihre Attraktivität steigern konnte. So erhöhte es die eigenen Chancen, zu überleben.

Gibt es Wirkungen von Toxoplasma auf den Menschen?

Der Effekt auf Menschen galt bislang als schlecht erforscht, weshalb die finnische Untersuchung ein wenig mehr Licht ins Dunkel bringen soll. Dabei kam heraus: Personen mit Toxoplasma wiesen einen signifikant geringeren Anteil an fluktuierender Asymmetrie im Gesicht auf, also kleine Abweichungen von der perfekten Symmetrie beliebiger (in diesem Fall Gesichts-)Merkmale. Symmetrie steht gemeinhin im Zusammenhang mit Gesundheit, guten Genen und sexueller Anziehung.

Toxoplasma gondii ist weltweit verbreitet und weist eine sehr hohe Durchseuchung auf. In den meisten Fällen gibt es keine Symptome zur Infektion. In Deutschland haben oder hatten 50 Prozent der Bevölkerung den Parasit, nachgewiesen durch Antikörper im Blut. Je älter man wird, desto weiter steigt die Infektionswahrscheinlichkeit. Bei über 70-Jährigen soll sie bei über 70 Prozent liegen.

Zusätzlich sollten freiwillige die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie anhand von Fotos bewerten. Auch hier schnitten jene mit Toxoplasma deutlich besser ab als andere. Aufgrund der Resultate vermuten die Forschenden, dass Toxoplasma gondii bei Menschen Änderungen in der Gesichtssymmetrie hervorrufen kann, womöglich durch Veränderungen der Drüsenfunktionen.

Zum Beispiel könnte der Parasit bei Männern den Testosterongehalt steigern. Ebenfalls glaubt man, dass das Urtierchen den Stoffwechsel auf eine Weise verändern kann, der infizierte Personen in eine Richtung lenkt, die ihre Gesundheit und Attraktivität beeinflusst.

„Nur“ eine Theorie – fürs Erste

Ganz sicher kann man den Expertinnen und Experten nach aber noch nicht sein. Aktuell müssen die Ergebnisse und die Erklärungen noch als Spekulationen beziehungsweise Theorien eingestuft werden. Weitere umfangreichere Studien sind von daher notwendig, um diese zu bestätigen oder zu widerlegen.

In der Forschung kursieren derweil noch andere mögliche Indikatoren zu unserer Attraktivität: Zum Beispiel kam eine Studie zu dem Schluss, dass das Immunsystem unsere Attraktivität beeinflusst.

Quellen: „Are Toxoplasma-infected subjects more attractive, symmetrical, or healthier than non-infected ones? Evidence from subjective and objective measurements“ (PeerJ, 2022), „Protozoan Parasite Toxoplasma gondii Manipulates Mate Choice in Rats by Enhancing Attractiveness of Males“ (Plos One, 2011)

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