Mitte des Jahrhunderts könnte sie endlich existieren, die erste extraterrestrische Kolonie auf dem Mars und mit ihr die ersten Mars-Menschen. Sie werden damit den lebensfeindlichsten Ort bewohnen, den die Menschheit je besiedelt hat. Wie schwierig es die ersten Marsianer tatsächlich haben werden, zeigt sich anhand einer simplen Frage: Können wir auf dem Mars atmen?

Atmen auf dem Mars

Sollten die ersten Menschen auf dem Mars landen, werden sie bereits sechs Monate werden die Astronaut*innen auf engsten Raum zusammen gelebt haben. Sie werden Sonnenstürme überstanden haben und durchlebten vermutlich ihre ersten psychischen Krisen. Auf dem Mars, ihrem Zielort, geht es um die blanke Existenz – und um den wissenschaftlichen Fortschritt zum Wohle der Menschheit.

Atmen ist auf dem Mars nur mit einem Raumanzug möglich. Der Grund hierfür liegt bekanntermaßen in der Zusammensetzung der Atmosphäre. Auf der Erde hat der Menschen die perfekten Lebensbedingungen: Die Luft, die wir atmen, setzt sich aus 21 Prozent Sauerstoff und 78 Prozent Stickstoff zusammen. Dazu kommen ein paar Edelgase und gerade einmal 0,038 Prozent Kohlenstoffdioxid. Der atmosphärische Druck ist genau auf uns abgestimmt. Hier zu leben ist angenehm.

Auf dem Mars kehrt sich dieses Verhältnis um: Die Atmosphäre setzt sich zu 95 Prozent aus Kohlenstoffdioxid zusammen und der Sauerstoff? Der macht mit 0,13 Prozent gerade einmal einen Bruchteil aus. Würden die ersten Astronauten ihre Helme abnehmen, würden sie in wenigen Sekunden ersticken. Auf dem Mars einfach so zu atmen, ist also nicht drin.

Fahrspuren des Mars-Rover Spirit auf der Mars-Oberfläche
Diese Aufnahme des Mars-Rover Spirit zeigt, was Menschen auf dem roten Planeten erwartet: eine karge Landschaft ohne Anzeichen von Vegetation oder sonstigen Lebens. Foto: NASA/JPL-Caltech/Cornell © NASA/JPL-Caltech/Cornell

Menschen würden kochen

Dabei werden sich die Astronauten noch einem anderen Problem stellen müssen: die extrem dünne Atmosphäre. Der Mars ist drei Mal kleiner als die Erde. Die Atmosphäre ist somit nicht stark genug, damit die Gase in ihr verbleiben. Sie entweichen ins Weltall und mit ihr die Chance auf dem Mars atmen zu können.

Das liegt aber nicht daran, weil der Sauerstoff entweicht. Der atmosphärische Druck ist für unseren Organismus von entscheidender Bedeutung. Wegen des niedrigen atmosphärischen Drucks auf dem Mars würde das Blut im Körper anfangen zu kochen, wie CNET schreibt.

Leben auf dem Mars dennoch möglich

Es bleibt dabei: Der Mars ist ein extrem unwirtlicher Ort. Allein die Größe des Planeten sorgt für Probleme, denn weil er kleiner ist als die Erde, ist auch das Magnetfeld bedeutend schwächer. Das hat weniger was damit zu tun auf dem Mars atmen zu können, aber ein Problem für Leben ist es trotzdem. Denn die radioaktiven Sonnenstürme können ungehindert auf die Oberfläche dringen.

Würden die Astronaut*innen also ihre Helme abnehmen und einen tiefen Atemzug nehmen, würde ihr Blut anfangen zu kochen, sie würden ersticken und zusätzlich verstrahlt werden.

Und doch suchen Astrobiolog*innen nach Anzeichen von Leben. Ihre Vorbilder finden sich dafür hier auf der Erde: extremophile Bakterien die im Eis der Arktis oder am Grunde von Wasservulkan zuhause sind und sich dort mächtig wohlfühlen. Im Umkehrschluss müsste sich der Mensch auf dem Mars zumindest mittels Technologie zu einem extremophilen Organismus entwickeln.

Extremophile: Unter Extremophile versteht die Biologie Organismen, die sich in für den Menschen lebensfeindlichen Umgebungen wohlfühlen. Die Astrobiologie sucht bei der Jagd nach außerirdischem Leben nicht nach grünen Männchen, sondern nach genau solchen Bakterien und Mikroben. Forschende machten auf dem Mars eine vielversprechende Entdeckung.

Auf dem Mars atmen: Terraforming machts möglich

Und doch gebe es für die Menschheit Möglichkeiten eines Tage den Helm abzulegen. Dass der Mensch irgendwann auf dem Mars atmen kann, hängt hierbei vor allem von unserem Willen ab. So könnte der Planet in ein paar Jahrhunderten mittels Terraforming vermutlich umgestaltet werden. So könnte etwa die Zusammensetzung und Dichte der Atmosphäre geändert werden. Auf dem einst roten Planeten könnten Menschen dann eines fernen Tages auch von frischer Luft reden.

Doch dieses Szenario liegt noch in ferner Zukunft. Bisher hat noch niemand seinen Fuß auf den rostigen Sand des Planeten gesetzt. Dennoch gibt es bereits jetzt mehrere Staaten, die Missionen zum roten Planeten planen. Wissenschaftler*innen haben außerdem Beweise dafür gesammelt, warum der Mars nie für Leben bestimmt war.

Quellen: CNET, Space.com

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