Nicht nur Astronom*innen beschäftigen sich mit dem Weltall und dem potentiell intelligenten Lebensformen, die es beherbergen könnte. Auch in der Geisteswissenschaft setzt man sich mit entsprechenden Szenarien auseinander. Eine Schnittstelle zwischen empirischer Forschung und Kulturtheorie ist die Soziologie. Der Soziologe Michael Schetsche befasste sich intensiv mit der Frage, was passieren würde, wenn wir auf Aliens treffen. Und er scheint sicher: Positive Auswirkungen auf die Menschheit hat das in erster Linie nicht.

Erfolglose Alien-Suche: Das lange Warten auf das Signal aus dem All

In einem Interview gegenüber n-tv erklärt Schetsche, dass er nicht glaubt, dass wir einen Erstkontakt mit Aliens durch ein Botschaft aus dem Weltraum erleben. Das begründet er ganz logisch: Selbst wenn wir mit einem Radioteleskop ein Signal aus dem All aufschnappen, welches wir auf extraterrestrische Intelligenz zurückführen könnten, wäre es eine große Herausforderung mit Aliens zu kommunizieren. Unser Feind ist die Zeit. Wenn das Signal Tausende von Lichtjahren entfernt ist, heißt es auch, dass das Signal schon entsprechend alt ist.

Gegebenenfalls sind die Aliens, die uns das Signal gesendet haben, also schon längst tot, wenn wir es erhalten. Das gleiche gilt für das Senden von Antworten. Der Ausgang der Menschheit ist nicht in Stein gemeißelt und „in 100 Jahren gibt es uns vielleicht gar nicht mehr“, wie Schetsche anmerkt.

Artefakte, die alles beweisen aber auch zerstören könnten

Viel eher ist er der Meinung, dass wir durch Artefakte aus dem Weltraum die Existenz von Aliens in den nächsten 100 bis 200 Jahren nachweisen können. Finden wir in unserem Sonnensystem künstliche Objekte, die definitiv nicht menschengemacht sind, wäre das ein starkes Indiz für außerirdisches Leben.

„Das wäre der Beweis, dass interstellare Entfernungen überbrückbar sind und wir müssten damit rechnen, dass die Aliens eines Tages wiederkommen.“

Michael Schetsche

Ein derartiger Fund würde auch bedeuten, dass ein Besuch extraterrestrischer Intelligenz schon lange her sein muss. Schetsche ist außerdem der Meinung, dass uns ein Beweis dieser Art als gesamte Menschheit nicht guttun würde.

Ein Wettrennen um die Zeit, Machtkämpfe und Glaubensfragen

Als Soziologe betrachtet Michael Schetsche die Entdeckung von Aliens oder einen leblosen Nachweis ihrer Existenz weniger als wissenschaftlichen Durchbruch, sondern eher als gesellschaftliches Problem. Würde man ein Alien-Artefakt entdecken ist er überzeugt: Ein Wettrennen um die Zeit beginnt. Da es im Weltraum keine Besitztümer gibt, würden sich ganze Nationen mit entsprechender Technologie darum streiten, das Artefakt für sich zu beanspruchen.

Der Forschungsdrang, das Objekt auf unserem Planeten zu untersuchen, betrachtet er als eine schlechte Idee. „Das wäre völlig verrückt. Es könnte ja noch funktionsfähig sein und einen interplanetaren Antrieb enthalten, der einen ganzen Kontinent wegsprengt, wenn Menschen damit rumhantieren und experimentieren“.

Zudem glaubt er nicht daran, dass der Mensch im Gesamten irgendwann geläutert wäre. Es würde immer kritische Stimmen geben, die der Existenz von Aliens widersprechen. Auch in der Forschung. Finden wir Aliens, ist für Schetsche jedoch ein Szenario recht klar.

Zwischen Teufeln und Göttern

Selbst wenn sich die Wissenschaft uneinig bliebe, würde der religiöse Glauben expandieren. Dabei würden sich zwei Lager auftun, die die Aliens entweder als Götter oder Teufel abtun. „Und dazwischen die katholische Kirche, die diskutiert, ob die Außerirdischen getauft werden dürfen.“

Doch auch unabhängig vom religiösen Glauben, ordnet der Soziologe einen Alien-Nachweis als „diffuse Bedrohung“ ein. Finden wir ein solches Artefakt, wüssten wir, dass wir im Weltall nicht alleine sind. Und ließe uns das nachts wirklich besser schlafen? Oder würdest du die Sterne ganz anders beobachten?

Quellen: n-tv

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