Jahr für Jahr schießen verschiedene Nationen Raketen zu allerlei Zwecken ins All. Die Raumfahrt mag dabei insgesamt ein spannendes Unterfangen für die gesamte Menschheit sein, doch das bleib nicht ohne unliebsame Nebenwirkungen. Tatsächlich häuft sich immer mehr Weltraummüll in der Erdumlaufbahn an. Einer neuen Studie zufolge steigt damit das Risiko für potenziell tödliche Konsequenzen.

Abstürzender Weltraummüll: Risiko für tödliche Unfälle steigt

Forschende aus Kanada haben sich der Problematik in einer neuen Studie angenommen. Grundlage dafür ist der Umstand, dass wir aktuell so viele Raketenstarts wie noch nie in der Geschichte der Menschheit unternehmen. 2021 wurde dahingehend ein Rekord aufgestellt, 2022 könnte dieser direkt gebrochen werden. Und das bedeutet auch immer mehr Weltraummüll im Orbit.

Bei mehr als 60 Prozent aller Starts werden im Laufe der jeweiligen Mission Raketenteile im All zurückgelassen, die dann anschließend in der Erdumlaufbahn ihr Dasein für Tage oder gar Jahre fristen. Früher oder später können sie dann unkontrolliert auf die Erde fallen. Und je öfter das passiert, desto größer die Wahrscheinlichkeit für Unfälle.

Risiko um 10 Prozent erhöht

Da viele Raketenstarts um den Äquator herum vonstattengehen, sollen entsprechend gelegene Regionen und Ballungsräume einem dreimal höheren Risiko ausgesetzt sein als woanders. Dazu zählen große Städte wie Jakarta, Mexico City oder Lagos. Insgesamt stellen die Forschenden eine zehnprozentige oder höhere Wahrscheinlichkeit auf, dass Weltraumschrott in bewohnte Gegenden niederfällt.

  • Wusstest du? Weltraummüll ist auch im All selbst ein Sicherheitsrisiko. So musste zum Beispiel die ISS-Umlaufbahn geändert werden, um Trümmerteilen auszuweichen.

Armut und schlechtere Lebensbedingungen könnten das Risiko erhöhen: Gebäudestrukturen in diesen Gebieten würden weniger Schutz bieten können. Zudem sollen ungefähr 80 Prozent der Weltbevölkerung in ungeschützten oder nur leicht überdachten Behausungen wohnen.

Sicherheit kostet viel Geld

In der Studie werden auch vergangene Vorkommnisse mit herabgefallenen Trümmerteilen erwähnt, die für Sachschäden gesorgt haben. Zudem sei schon ein 23-Tonnen schweres Raketenteil unkontrolliert in den Indischen Ozean gefallen.

Die Wahrscheinlichkeit für tödliche Unfälle sei nach wie vor sehr gering. Trotzdem sei es auch unmöglich vorherzusagen, wo genau Weltraumschrott auf die Erde fallen könnte. Zusätzlich seien Nationen mit Raumfahrtprogrammen sehr lasch im Umgang mit kontrollierten Abstürzen – und das sei völlig unnötig. Die dafür notwendige Technologie sei nämlich vorhanden, sie koste aber viel Geld.

Quelle: „Unnecessary risks created by uncontrolled rocket reentries“ (Nature Astronomy, 2022)

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