In der Esoterik sind einige davon überzeugt, dass wir Menschen je nach Stimmung eine farbige Aura generieren. Manche sind sogar der Meinung, diese sehen zu können. Wissenschaftliche Belege dafür gibt es bislang nicht. Forschende haben aber nun jedoch herausgefunden, wir sind tatsächlich von einer hauchdünnen Schicht umgeben: Wir haben unsere eigene kleine Atmosphäre.

Alle Menschen umgibt eigenes Oxidationsfeld

Die Chemikerin Nora Zannoni vom Max-Planck-Institut wollte gemeinsam mit ihrem Team die Chemie in Innenräumen untersuchen. In der dafür angelegten Studie machten sie einen überraschenden Fund: Die Rede ist vom chemischen Oxidationsfeld beim Menschen.

Gemeint ist damit Folgendes: Alles um uns herum reagiert und gast aus. Das betrifft jedes Möbelstück, die Wände, den Boden sowie das Smartphone, das du gerade in deiner Hand hältst. Doch auch wir selbst besitzen diese Eigenschaft.

Die Forschenden wollten herausfinden, wie genau all diese winzig kleinen Moleküle in der Raumluft mit uns interagieren und die Auswirkungen untersuchen. Dazu haben sie Klimakammern genutzt und vier Testpersonen Ozon ausgesetzt. Bei Ozon handelt es sich um einen Bestandteil unserer Atemluft. In höheren Mengen ist es für den Menschen sowie für Tiere überaus schädlich, wie das Umweltbundesamt erklärt. Bodennahes Ozon überschreitet jedoch selten festgelegte Grenzwerte. Da ist es dennoch.

In dem Versuch stellten sie fest, dass bei der Reaktion Hydroxyl (OH)-Radikale entstehen. Diese Radikale sind wiederum in der Lage die meisten Schadstoffe zu oxidieren – also uns davor zu schützen. Kurzum: Uns umgibt eine eigene hauchzarte Atmosphäre.

Gesundheitliche Auswirkungen befürchtet

Problematisch ist allerdings, dass dieses Oxidationsfeld beim Menschen auch Wechselwirkungen mit dem unsichtbaren Molekülcocktail in Räumen hat. Das war der Wissenschaft bislang unbekannt und bedarf genauerer Untersuchungen. „Dieser Befund hat Auswirkungen […] auf die menschliche Gesundheit.“, heißt es in der Studie.

„Wir müssen die Chemie in Innenräumen überdenken“, schlussfolgert Seniorautor Jonathan Williams vom Max-Planck-Institut für Chemie gegenüber Scinexx, „denn die Oxidationsfelder, die wir selbst erzeugen, verändern auch viele Chemikalien in unserer direkten Umgebung“.

Darüber hinaus meint Williams, dass dieses noch rätselhafte Phänomen sogar unsere olfaktorische, also den Geruchssinn betreffende Wahrnehmung verändern kann. Weitere Auswirkungen seien bisher unbekannt und es bedarf weiterer Experimente. Besonders gefährlich: Die Zusammenwirkung unserer Oxidationswolke mit anderen Gasen in Innenräumen könnte laut der Forschenden bisher unbekannte Schadstoffe zutage fördern. Jedoch konnten konkretere Versuche bislang nur unter Laborbedingungen und ohne Menschen als Teil des Versuchs stattfinden.

Quellen: „The human oxidation field“ (September 2022, Science), Umweltbundesamt, Scinexx

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