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Urknall: Gab es ihn überhaupt wirklich? Neue Studie fechtet etablierte Theorie an

Das Universum entstand durch den Urknall – so sagt es zumindest die gängigste Theorie. Aber hat er wirklich stattgefunden? Laut einer neuen Studie wohl nicht. Stattdessen soll etwas ganz anderes abgelaufen sein.

Illustration von Lichtern
Urknall: Gibt es eine Alternative zur gängigen Entstehungsgeschichte unseres Universums? © Getty Images/shunli zhao

Die Frage nach den Anfängen unseres Universums beschäftigt die Wissenschaft schon seit jeher. Im Laufe der Zeit hat sich im wissenschaftlichen Diskurs die Theorie vom Urknall als die naheliegendste herauskristallisiert. Diese hält sich seit Jahrzehnten fest in den Köpfen der Menschen. Doch nun schicken sich zwei Wissenschaftler dazu an, sie für einen neuen Denkansatz komplett zu hinterfragen.

Gab es den Urknall? Neue Studie lässt an Theorie zweifeln

Die beiden Experten Sunny Vagnozzi (Universitäten Trento und Cambridge) sowie Abraham „Avi“ Loeb von der Harvard Universität haben eine gemeinsame Untersuchung vorgelegt. Darin schlagen sie eine Alternative zum Urknall vor.

Ihrer Ansicht nach habe es nie einen „Knall“ gegeben. Stattdessen soll das Weltall eher durch einen „Sprung“ entstanden sein. Das große Nichts gab es demnach vorher auch nicht. Stattdessen soll das heutige Universum das Ergebnis einer vorangegangenen kosmischen Phase sein, die zu Ende gegangen und dann in eine neue übergegangen ist. Dass eine neue Überlegung auch und vor allem auf die Zeit vor dem bisher angenommenen Urknall schaut, ist an sich schon spannend genug.

Die Theorie steht – jetzt muss der Beweis her

Bei der Arbeit von Loeb und Vagnozzi handelt es sich nach wie vor nur um eine Theorie, die es erst einmal zu überprüfen gilt. Das Duo schlägt in seiner Studie deshalb so ausführliche Nachforschungen zur Hintergrundstrahlung wie noch nie vor, um hoffentlich uralte Hitzesignaturen zu finden. Diese sollen Aufschluss darüber geben können, was genau unmittelbar nach dem Urknall passiert ist.

Sollten sich ihre Überlegungen bewahrheiten, könnte darin der Schlüssel zur Erklärung bislang rätselhafter Phänomene wie die Dunkle Energie oder die Raumkrümmung liegen. Auch die Vorstellung darüber, was unser Universum überhaupt genau ist, könnte völlig auf den Kopf gestellt werden.

Die neue Theorie ist längst nicht die erste, die von der Gängigen abweicht. Wir stellen dir weitere Alternativen zur Urknalltheorie näher vor und erklären, was sie auszeichnet.

Auch kosmologische Inflation wird angezweifelt

Aber nicht nur die Urknalltheorie wird als solche hinterfragt. Ebenfalls sehr populär ist die kosmologische Inflation, die unmittelbar nach dem Urknall stattgefunden haben soll. Nach dieser Hypothese soll eine extrem schnelle Ausweitung des Universums stattgefunden haben. Obwohl man laut The Next Web 2014 annahm, diese Theorie bewiesen zu haben, sehen das Loeb und Vagnozzi jetzt anders.

Beide glauben, dass ihre Theorie auch damit schlussmacht. Allerdings stehen sie noch vor einem zentralen Problem: In ihrer Arbeit beschreiben sie die Notwendigkeit von Technologie zur Strahlungsmessung, die es aber jetzt noch nicht gibt. Wann und ob diese Technik überhaupt erfunden wird, steht noch in den Sternen.

Quelle: „The Challenge of Ruling Out Inflation via the Primordial Graviton Background“ (The Astrophysical Journal Letters, 2022), The Next Web

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