Das letzte große Ereignis auf der Sonne fand im September 2017 statt. Dabei schleuderte die Sonne eine riesige Menge Plasma ins Universum. Die Erde hatte bei dieser Eruption Glück, der Sonnensturm verfehlte unseren Planeten. Doch was wäre passiert, wenn der Sonnensturm uns getroffen hätte?

Wenn ein Sonnensturm auf die Erde trifft

Bis jetzt ging es für die Menschheit immer recht glimpflich aus, wenn ein Sonnensturm auf die Erde traf. Doch gänzlich ohne Konsequenzen blieben die Ereignisse nicht. So fielen etwa 2003 in der schwedischen Stadt Malmö, als Folge eines Sonnensturms, für eine Stunde die Lichter aus, Japans Raumfahrtbehörde JAXA verlor für mehrere Stunden den Kontakt zu zwei Satelliten.

Im März 1989 musste die kanadische Provinz Québec erfahren, wie stark die Aktivitäten der Sonne unser Leben auf der Erde tatsächlich beeinflussen können. Denn als Ergebnis eines Sonnensturms fielen die Stromnetze aus, Verkehrsleitsysteme und Anlagen an Flughäfen versagten daraufhin ihre Dienste. Mehrere Millionen Menschen mussten stundenlang ohne Strom auskommen.

„Carrington-Ereignis“

Der bisher heftigste bekannte Sonnensturm ereignete sich im September 1859. Damals führten starke Sonneneruptionen zu einem Sonnensturm, der auf der Erde für massive Probleme sorgte. So traten etwa in Telegrafenleitungen in höheren Breiten Nordeuropas und Nordamerikas so hohe Spannungen auf, dass in den Telegrafen eingelegte Papierstreifen entzündet worden sind. Das zur damaligen Zeit weltweit errichtete Telegrafienetz war durch die Auswirkungen des geomagnetischen Sturms stark beeinträchtigt.

Das Ereignis führte sogar dazu, dass Polarlichter, die sonst hauptsächlich in den Polarregionen auftreten, selbst in Rom, Havanna und Hawaii zu sehen waren.

Alle 500 Jahre

Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass Ereignisse dieser Größenordnung etwa alle 500 Jahre die Erde treffen können. Die Plasmaauswürfe der Sonne entstehen, wenn sich große Plasmablasen über die Sonnenoberfläche erheben. Eigentlich werden diese Blasen durch die Magnetfelder der Sonne zusammengehalten. Reißen sie jedoch, wird das Plasma mit Geschwindigkeiten von bis zu sieben Millionen Kilometer pro Stunde ins Universum geschleudert – ein Sonnensturm entsteht.

Welche Folgen ein Treffer der Erde heute haben würde, kann nur geschätzt werden. Aufgrund unserer immer weiter fortschreitenden Vernetzung, ist die Menschheit jedoch abhängig von einer funktionierenden Stromversorgung. Bricht diese zusammen, etwa weil ein heftiger Sonnensturm unseren Planeten trifft, könnte das fatale Auswirkungen haben.

„Bedrohung für die moderne Gesellschaft“

Satelliten, Strom- und Kommunikationsnetze wären bedroht. „Solche Ereignisse repräsentieren eine Bedrohung für die moderne Gesellschaft, weil sie die Kommunikations- und Navigationssysteme, Satelliten und Luftfahrtsysteme stören können“, zitiert der MDR den Forscher Paschal O’Hare.

Berechnungen aus dem vergangenen Jahr sind erschreckend: Wissenschaftler haben für den Fall eines heftigen geomagnetischen Sturms etwa berechnet, dass bis zu zwei Drittel der US-amerikanischen Bevölkerung von den Konsequenzen wie Ausfällen des Strom- und Kommunikationsnetzes bedroht wären. Alleine in den USA könnten so wirtschaftliche Schäden in Höhe von bis zu 40 Milliarden Dollar entstehen – pro Tag!

Gefahr ist real

Die Politik hat die Gefahren erkannt, die von Sonneneruptionen ausgehen. „Das Weltraumwetter ist ein Sicherheitsproblem und steht auf der Agenda aller Staaten“, zitiert weather.com den Physiker Stefan Kraft von der europäischen Raumfahrtagentur ESA. Weltweit betreiben Raumfahrtagenturen daher Weltraumwetterdienste, welche die Menschheit warnen können, wenn sie ein bedrohlicher Sonnensturm auf dem Weg zu uns befindet.

Dadurch bekommen wir 18 bis 36 Stunden Vorwarnzeit – genug, um Satelliten teilweise oder komplett abzuschalten und so vor Beschädigungen zu schützen. Flugzeuge könnten umgeleitet werden, Energieunternehmen ihre Produktion drosseln oder einstellen, um Beeinträchtigungen von Netzen und Trafos zu verhindern.

Stromnetzbetreiber beruhigen

In Deutschland haben die hiesigen Stromnetzbetreiber vor einigen Jahren getestet, welche Auswirkungen hierzulande zu erwarten wären und kamen zu dem Ergebnis, dass geomagnetische Stürme kein relevantes Risiko für den Netzbetrieb in Deutschland darstellen würden.

Experten schätzen das Risiko, dass Sonnenstürme in absehbarer Zeit die Erde erreichen, ohnehin als gering ein. Derzeit sei es auf der Sonne ziemlich ruhig. Die Sonne gehe dem Minimum des aktuellen Solarzyklus entgegen, auch die kommenden Zyklen sollen relativ ruhig ausfallen. Diese Ruhe gibt der Menschheit also genug Zeit, sich auf eventuelle Auswirkungen eines neuen Sturms vorzubereiten.

Nicht nur aus dem All droht der Erde Ungemach: Auch Hitzewellen und Klimawandel stellen uns alle vor große Herausforderungen. Einige Studien gehen gar davon aus, dass der Erde nur noch 140 Jahre bleiben.

Du willst mehr von uns lesen? Folge uns auf Google News.