Wer sich mit Bitcoin oder Kryptowährungen im Allgemeinen beschäftigt, stößt früher oder später auf die Abkürzung „hodl„. Dabei handelt es sich vereinfacht gesagt um eine Anlagestrategie, die aus einem kleinen Fehler geboren wurde. Ihre Anhänger nennen sich „HODLer“, auch wenn die Abkürzung eher wenig Sinn ergibt.

HODL ist nur fast richtig

Eines vorweg: Die vier Buchstaben sind kein Akronym, also keine sinnvolle Reihenfolge an Buchstaben, die eine längere Bedeutung haben wie zum Beispiel „idk„. Manche Menschen behaupten, dass die Abkürzung das Akronym für „hold on for dear life“, als übersetzt „halte deine Coins, als wenn dein Leben davon abhinge“.

Gemeint ist, dass gerade unerfahrene Anleger:innen ihre Coins nicht blindlinks veräußern sollten, wenn der Kurs mal fällt. Damit kommt es der Bedeutung der Abkürzung sehr nahe, ist aber auch nur fast richtig. Tatsächlich entstand „hodl“ durch einen Tippfehler seines Schöpfers. Die meisten selbsternannten „Hodler“ werden das aber vermutlich nicht wissen.

„Ich hodle jetzt“

Der Begriff geht auf einen Tippfehler zurück, begangen in den dramatischen Anfangstagen des Bitcoin im Jahr 2013. Nach einem rasanten Kursanstieg schoss dieser von 15 auf 1.000 Dollar, nur um am 18. Dezember 2013 binnen 24 Stunden von 716 auf 438 Dollar zu fallen.

Im Bitcoin-Forum  “bitcointalk” muss die blanke Panik ausgebrochen sein. Eines seiner später prominenteste Mitglieder mit dem Namen GameKyuubi begegnete dem Chaos mit stoischer Ruhe. Er wolle seine Bitcoins halten, weil er schlicht nicht mehr reagieren könne. Die Abkürzung „hodl“ war geboren.

Kurzerhand entschied sich GameKyuubi dazu, die Forenmitglieder:innen über seinen Schritt aufzuklären. Wie dieser später selbst bestätigt, habe er zu diesem Zeitpunkt bereits einige Gläser Whisky getrunken. Anstatt „I´m holding“ schrieb er im alkoholgeschwängerten Eifer des Gefechts „I´m hodling“.

Blocktrainer zitiert GameKyuubi wie folgt:

ICH HODLe

Ich habe diese Überschrift zweimal getippt, weil mir bereits beim ersten Mal aufgefallen ist, dass ich mich vertippt hatte. Sie ist immernoch falsch, aber naja, es ist eben Wochenende.
(…)
WARUM HALTE ICH? ICH SAG EUCH WARUM. Der Grund ist der, dass ich weiß, dass ich ein schlechter Trader bin. Ja, ihr guten Trader, könnt einfach so mir-nichts-dir-nichts erkennen wann wir uns auf einem Hoch- und wann in einem Tiefpunkt befinden und einfach so ne’ Million machen – kein Problem Bruder.
Die sogenannten “Schwachen Hände” agieren auf die gleiche Weise und machen sich ständig Gedanken wie “OH MEIN GOTT, ALLES FÄLLT, ICH MUSS VERKAUFEN”. Hihihi… und wenn dann die KLUGEN Trader, DIE WISSEN WAS SIE TUN, wieder beginnen einzusteigen und zu kaufen, brennt den schwachen Händen wieder das A**loch.
Ich gehöre nicht zu dieser Gruppe. Wenn die Trader anfangen einzukaufen bin ich bereits ein Teil des Marktes also ratet mal WEN DIESE DAY TRADER DANN ABZOCKEN? MICH NICHT!
Diese höhnischen Kommentare á la “OHH DU HÄTTEST VERKAUFEN SOLLEN”. JA, ACH WAS? KEIN SCH***S, ICH HÄTTE VERKAUFEN SOLLEN. ABER ICH WEISS, DASS NICHT JEDER SO COOL IST WIE DU”.
Während eines Bärenmarktes verkaufst du nur, wenn du ein guter Day-Trader oder ein desillusionierter Neuling bist. Alle Leute dazwischen halten ihre Bitcoins einfach. In einem Nullsummenspiel wie diesem, können dir die Trader nur dann dein Geld wegnehmen, wenn du auch tatsächlich verkaufst.

Ja ich hatte einige Gläser Whiskey.
Eigentlich wird es auf der Flasche sogar Whisky geschrieben. Naja, Wochenende eben. Verklagt mich doch.
(Aber nur wenn die Strafe in BTC bezahlt werden kann).

GameKyuubi am 18.12.13 um 10:03 Uhr auf bitcointalk.org

Krypto hat seine Tücken

Es hat den Anschein, als könnten sich bis heute viele Krypto-Trader mit der Aussage GameKyuubi identifizieren, denn „hodl“ ist in der Szene eine gängige Abkürzung. Wer trotz schwankender Kurse seine Coins halten will, nennt die Abkürzung.

Wie es auf Blocktrainer heißt, entziehen sich die Kursschwankungen von Kryptowährungen sämtlicher Logik. Zwischen den Jahren 2011 und 2013 sei der Preis des Bitcoins allein um 52.000 Prozent gestiegen. Und auch DIE ZEIT verwies kürzlich in einem Artikel, dass die Verteilungsmechanismen des Bitcoin zutiefst fragwürdig seien.

Nichtsdestotrotz steckt die digitale Welt auch voller Akronyme, die durchaus auch grammatikalisch Sinn ergeben, wie zum Beispiel „hmu“ oder „tldr“.

Quellen: bitcointalk.org, Blocktrainer, ZEIT ONLINE

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