Rund um das Thema Selbstbefriedigung und Orgasmen gibt es zahlreiche Mythen. Doch es existieren auch wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema. So erforschten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereits die geistigen und körperlichen Vorteile. Eine Untersuchung zeigt auch, wie und warum sexuelle Erregung das Immunsystem stärken kann.

Immunsystem & Masturbation: Wie hängt es zusammen?

Zahlreiche Expert*innen und Untersuchungen sagen, dass Orgasmen den menschlichen Körper gesünder machen können. Werden diese etwa bei Masturbation freigesetzt, steigen die Werte Oxytocin und Dopamin. Das führt zu einer Verringerung des Cortisolspiegels, was unser Immunsystem stärken kann (via BigThink). Cortisol ist als ein stressauslösendes Hormon bekannt.

„Oxytocin kann Anti-Stress-ähnliche Wirkungen wie eine Senkung des Blutdrucks und des Cortisolspiegels hervorrufen. Es erhöht die Schmerzschwelle, übt eine angstlösende Wirkung aus und stimuliert verschiedene Arten positiver sozialer Interaktion.“

Kerstin Uvnäs-Moberg und Maria Petersson in ihrer Studie zu Oxytocin

Laut Dr. Jennifer Landa, eine Spezialistin für Hormontherapie, kann „Masturbation eine richtige Umgebung für ein gestärktes Immunsystem schaffen“ (via news24). Auch Forschende des Lehrstuhls für Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums Essen kamen bereits 2004 in einer Studie zu einem ähnlichen Ergebnis: Sie untersuchten, wie sich ein Orgasmus durch Selbstbefriedigung auf die Anzahl der weißen Blutkörperchen und das Immunsystem auswirkt.

Fünf Minuten vor und 45 Minuten nach dem selbstinduzierten Höhepunkt wurde die Anzahl der weißen Blutkörperchen gemessen. Tatsächlich bestätigte das Experiment, dass sich die Anzahl nach dem Orgasmus erhöhte. Insbesondere die Anzahl der natürlichen Killerzellen stieg. Diese helfen, Infektionen abzuwehren.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass Komponenten des angeborenen Immunsystems durch sexuelle Erregung und einen Orgasmus aktiviert werden.“

Philip Haake et al.

Was sind weiße Blutkörperchen?
Weiße Blutkörperchen, auch Leukozyten genannt, haben eine Hauptaufgabe: Sie wehren Krankheitserreger ab. Viele von ihnen sind fähig, sich aktiv fortzubewegen, daher können sie von den Blutgefäßen aus ins Gewebe einwandern. Sie befinden sich im Blut, im Gewebe, in den Schleimhäuten und Lymphknoten (via NetDoktor).

Das passiert im Gehirn bei einem Orgasmus

Die Plattform dasGehirn.info ließ die Frage, was bei einem Orgasmus im Gehirn passiert, von Barry Komisaruk der Rutgers University beantworten. Er ist ein amerikanischer Psychologe und Professor und bekannt für seine Arbeiten zur Sexualwissenschaft und Sexualtherapie.

So sei die Aktivität im Gehirn sowohl bei Männern als auch bei Frauen größer als zu jeder anderen Zeit. Die erste Gehirnregion, die aktiv wird, ist der genitale sensorische Cortex. Sie sitzt in der Scheitelmitte. Verschiedene Geschlechtsorgane stimulieren jeweils unterschiedliche Regionen des genitalen Cortex. Dieser aktiviert das limbische System, wie zum Beispiel den Hippocampus und die Amgygdala. Beide spiele bei der Verarbeitung von Emotionen eine Rolle. Amygdala ist mit dafür verantwortlich, dass die Herzfrequenz und der Blutdruck jetzt ansteigen.

Das Kleinhirn löst vielfältige Muskelspannungen aus, während sich der Orgasmus aufbaut. So werden etwa in der Insula und im Gyrus cinguli Aktivitäten beobachtet, die normalerweise nur gesehen werden, wenn ein Mensch Schmerz empfindet. Allerdings: Eigentlich nimmt die Schmerzempfindlichkeit während des Orgasmus deutlich nach.

Auf dem Höhepunkt spielen der Nucleus accumbens und der Hypothalamus eine wichtige Rolle. Wie eingangs erklärt, werden dadurch Dopamin und Oxytocin ausgeschüttelt.

Schon gewusst?
Bis ins späte 19. Jahrhundert galt Masturbation als Unzucht. Etwa die Kirche beschrieb die Folgen der „Selbstbeschmutzung“ als fürchterlich. Sie führten etwa Pickel, Erblindung, Gehirnerweichung, Pocken und Tuberkulose darauf zurück (via lifeline).

Weitere Booster für dein Immunsystem

Nicht nur Orgasmen, etwa durch Masturbation, können deinen Körper stärken. Hier gibt es fünf Tipps, wie du dein Immunsystem außerdem stärken kannst. Außerdem kannst du es über deine Nahrung unterstützen. Diese vier Lebensmittel boostern deinen Körper und sind sogenannte „Superfoods“. Deiner Gesundheit zuliebe solltest du außerdem Kaffee ohne Milch trinken.

Du hast das Gefühl, du hast ein schwaches Immunsystem? Drei Aktivitäten könnten dazu beitragen.

Quellen: BigThink, news24, „Effects of sexual arousal on lymphocyte subset circulation and cytokine production in man“ (National Library of Medicine, 2004), NetDoktor, „Oxytocin, a mediator of anti-stress, well-being, social interaction, growth and healing“ (eLib, 2005), dasGehirn.info, lifeline

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